Ein Blumenstrauss trotz Corona: Der Grat zwischen zulässigem und verbotenem Verkauf ist schmal

Floristen versuchen, auf verschiedene Arten Blumen zu verkaufen. Doch nicht alle Methoden sind erlaubt.

Lea Köppel und Ines Biedenkapp
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Normalerweise haben die Ostschweizer Floristen in der Osterzeit viel zu tun. Aufgrund der Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus läuft derzeit jedoch alles anders.

Normalerweise haben die Ostschweizer Floristen in der Osterzeit viel zu tun. Aufgrund der Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus läuft derzeit jedoch alles anders.

Bild: Mareycke Frehner

Darf man noch ein frühlingshaftes Blumengesteck für die kommenden Ostern kaufen? Denn Blumen bereiten grosse Freude, gerade in der derzeitig ausserordentlichen Lage rund um das Coronavirus. Doch viele Ostschweizerinnen und Ostschweizer sind unsicher, ob und wie sie ein Gesteck erwerben können. Diese Unsicherheit besteht auf beiden Seiten: auch bei den Floristen.

Eine Floristin aus der Region Toggenburg organisierte sich daher anders und baute einen kleinen Selbstbedienungsstand für ihre Kunden auf. Doch sie wurde, wie diverse andere Geschäfte auch, von der Kantonspolizei St.Gallen darauf hingewiesen, dass dies aufgrund der aktuellen Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus nicht erlaubt sei. Der Grat zwischen zulässigem und verbotenem Blumenhandel in Zeiten der Coronakrise ist schmal.

Bezahlung via Kässeli verboten

Auf Anfrage bestätigt die Polizei den Vorfall. Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, erklärt, dass eine Selbstbedienung, bei der die Blumen und Sträusse ausgelegt und via Kässeli bezahlt werden, nicht erlaubt ist. Er sagt:

«Das Gleiche gilt auch für alle Hofläden, bei denen auf diese Art und Weise Äpfel, Kartoffeln und Co. verkauft und bezahlt werden.»

Eine Ausnahme für Betriebe hingegen – und damit auch für Hofläden – ist laut Krüsi der Verkauf von Lebensmitteln und anderen unverzichtbaren Gegenständen des alltäglichen Lebensbedarfs. «In diesem Fall ist zwingend dafür zu sorgen, dass die Hygienemassnahmen des Bundes eingehalten werden können». 

Dennoch gibt es verschiedene Alternativen, wie die Produkte zu den Kunden gelangen können.

Die Geschäftsräume der Floristen dürfen nicht betreten werden

So können einerseits die Blumen in einem Selbstbedienungsautomaten angeboten werden. Anderseits kann bei den Floristen ein Blumenstrauss bestellt werden. Lieferungen oder Take-aways, welche vorbestellt wurden und zur Abholung bereitstehen, seien erlaubt.

Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine weitere Erläuterung verfasst, die über die Massnahmen zur Bekämpfung des Virus informiert. Darin heisst es, dass die Ware entweder an den Kunden versendet oder bei einer extra dafür eingerichteten Station abgeholt werden darf. Dabei gilt: Die Geschäftsräume dürfen keinesfalls betreten werden.

Wer derzeit Blumen will, muss sich sich zu helfen wissen. Denn im Laden gibt es diese momentan nicht zu kaufen.

Wer derzeit Blumen will, muss sich sich zu helfen wissen. Denn im Laden gibt es diese momentan nicht zu kaufen.



Bild: Bruno Kissling

Erwerb mittels Direktlieferung ist weiterhin erlaubt

Demnach soll auch die Bezahlung entweder elektronisch oder per Rechnung erfolgen. Oberste Priorität habe die Einhaltung der vom BAG erlassenen Präventionsmassnahmen und die Vermeidung von Menschenansammlungen, heisst es weiter.

Auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat eine Erklärung herausgegeben, in der steht, dass derzeit der Verkauf von Kräutern, Gemüse-Setzlingen, Beeren- und Fruchtpflanzen in den Einkaufsläden wie auf den Märkten nicht mehr gestattet ist. Gleichwohl sei der Erwerb von Gartenmaterial, wie etwa Pflanzensetzlinge, mittels Direktlieferung oder Abholung aber weiterhin erlaubt.

Viele Blumenarten sind derzeit nicht verfügbar

Auch bei Monika Stäheli läuft derzeit alles auf Bestellung. Die Floristin führt eine eigene Blumenwerkstatt namens Silberknospe in Ettenhausen. «Ich bin von den Massnahmen allerdings nicht ganz so betroffen wie etwa Blumenläden», sagt sie. «Denn ich bin Auftragsfloristin.»

So fertigt sie Gestecke für Trauerfeiern, Hochzeiten oder saisonale Dekorationen an. Doch auch sie erfährt derzeit einen Einbruch, vor allem im Ostergeschäft. Stäheli sagt: 

«Es wurde fast alles abgesagt»

Erhält sie eine Bestellung, würde sie eine Zeit, Ort und Art der Bezahlung ausmachen. Schwieriger sei es, an die Blumen zu kommen. «Ich kann zwar noch an die Blumenbörse in Wangen – auch hier wird viel per Bestellung gemacht», sagt sie. «Doch viele Blumen, vor allem aus dem Ausland, sind derzeit nicht verfügbar.»