Ein Blog für den Polizeihund

Die Schweizer Polizeien rüsten in Sachen Soziale Netzwerke auf. Allen voran die Zürcher mit dem Facebook-Polizisten. Die Ostschweizer Polizeikorps haben eigene Pläne – die Stadtpolizei St. Gallen begleitet einen Welpen beim Aufwachsen.

Jana Rutarux
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Die Stadtpolizei St. Gallen ist seit Juni als erste Ostschweizer Polizei auf Instagram vertreten. (Bild: Print-Screen Instagram)

Die Stadtpolizei St. Gallen ist seit Juni als erste Ostschweizer Polizei auf Instagram vertreten. (Bild: Print-Screen Instagram)

Patrick Jean heisst der Zürcher Stadtpolizist, der seit zwei Monaten auf Facebook und Instagram seinen Polizeialltag mit der Öffentlichkeit teilt. Das Pilotprojekt namens «Internet Community Policing», kurz «iCoP», schlug ein wie eine Bombe. Der 33-Jährige hat bereits 2900 Facebook-Freunde. Dort postet der «Vorzeigepolizist» Kommentare, beantwortet Fragen und bewirbt so nebenbei die Polizeiarbeit.

In der Ostschweiz wird das Zürcher Projekt genau beobachtet. «Wir finden es innovativ und mutig», sagt Hanspeter Krüsi, Kommunikationschef der Kantonspolizei St. Gallen. Die Polizeien der Region gehen unterschiedlich mit ihren Internet-Auftritten um. Die Kantonspolizeicorps St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden sind einzig auf Facebook vertreten. Während ersteres primär Polizeimeldungen veröffentlicht, setzten die Thurgauer auf Prävention, die Appenzeller auf Personalwerbung. Die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden ist auf keiner Plattform vertreten.

Facebook, Twitter, Instagram

Einzig die Stadtpolizei St. Gallen kann seit kürzerem mit Profilen auf Facebook, Twitter und Instagram mit den Zürcher Kollegen mithalten. Im Jahr 2013 entschied sich die Stadtpolizei als erstes für Twitter. Erst seit Anfang Juni dieses Jahres stiess sie auf Facebook und Instagram dazu. Der Mehraufwand halte sich in Grenzen, sagt Kommunikationsleiter Roman Kohler.

Doch damit noch nicht genug. Vor sechs Monaten kam die Idee zu einem Projekt, welches im September starten soll. Es handelt sich um einen Blog, auf dem die Ausbildung eines Polizeihundes begleitet wird. Das Aufwachsen des etwa zehn Wochen alten Welpen soll über zweieinhalb Jahre festgehalten werden. «Damit schaffen wir mit einer positiven Thematik einen weiteren Einblick in die Polizeiarbeit», sagt Kohler.

«Am Puls der Bevölkerung»

Die vier Polizeien, welche Plattformen betreiben, sind sich einig: Niederschwellig erreichen sie so eine grosse Zahl an Menschen und den potenziellen Nachwuchs. Ausserdem würden heute bevorzugt schriftlich Fragen gestellt, als dass Leute anrufen oder persönlich nachfragen. Die Kantonspolizei St. Gallen ist beispielsweise bereits seit 2012 auf Facebook. Die Seite hat heute 17 000 Likes. «Hier spüren wir den Puls der Bevölkerung», sagt Kommunikationsleiter Krüsi. Allein die Vermisstmeldung des zweijährigen eritreischen Knaben in Wattwil vom April erreichte 787 000 Menschen. Der Beitrag wurde 12 891mal geteilt.

Keine negativen Erfahrungen

Die Ostschweizer Polizeien präsentieren sich – wenn auch nicht so eindeutig wie der Zürcher «iCoP» – als bürgernahe, auch humorvolle Korps. «Die Plattformen bieten Chancen, zu zeigen, dass bei der Polizei nicht alles statisch, streng und uniform ist», sagt Krüsi.

Kein «iCoP» in der Ostschweiz

Negative Erfahrungen haben die Polizeien mit den Sozialen Netzwerken noch keine gemacht. Bei der Kantonspolizei St. Gallen müssen einzig monatlich etwa zwei Kommentare gelöscht werden. Roman Kohler von der Stadtpolizei erwähnt ausserdem, dass vor der Veröffentlichung von Inhalten stets geprüft werden muss, ob Privatsphären verletzt oder Persönlichkeitsrechte tangiert werden. Trotzdem ist die Kantonspolizei Thurgau das einzige Korps, welches zurzeit eine Erweiterung der Kommunikationskanäle – in diesem Fall Twitter – prüft.

Der Einsatz eines «iCoPs» ist momentan für kein Ostschweizer Korps eine Option. «Der <iCoP> macht vor allem in einem grossstädtischen Umfeld Sinn – im Kanton Thurgau ist die Nähe zwischen Polizei und Bevölkerung viel stärker vorhanden», sagt Andy Theler, Informationschef der Kantonspolizei Thurgau. Bei der Stadtpolizei St. Gallen werden unter anderem personelle Gründe als Ursache genannt. «Wir können unsere Mitarbeiter an der Front nicht mit weiteren Aufgaben belasten», sagt Kohler.