Top-Transfer vom Rheinknie: Der neue St.Galler Kantonsbaumeister kommt aus dem berühmten Basler Büro Herzog & de Meuron

Er verantwortet die Roche-Türme, die höchsten Bürohochhäuser der Schweiz: Der 50-jährige Architekt Michael Fischer, Partner bei Herzog & de Meuron in Basel, wird ab Juni neuer St.Galler Kantonsbaumeister und damit Nachfolger von Werner Binotto.

Marcel Elsener
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Im Fussball würde man von einem sensationellen Transfer sprechen: Der Projektleiter der beiden neuen Roche-Türme, der höchsten Bürohochhäuser der Schweiz, wechselt von Basel nach St.Gallen. Michael Fischer, Partner beim Büro Herzog & de Meuron, wird neuer St.Galler Kantonsbaumeister. Der 50-jährige Architekt übernimmt als Nachfolger von Werner Binotto am 1. Juni die Leitung des Hochbauamtes. Die St.Galler Regierung hat den gebürtigen Aargauer an ihrer Sitzung vom Dienstag gewählt.

Den Leistungsausweis Fischers verdeutlichen einige Angaben in der Medienmitteilung der Staatskanzlei: Seit 2006 arbeitet er für Herzog & de Meuron, 2008 stieg er zum Associate und 2016 zum Partner auf; derzeit führt er ein Team von 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der an der Fachhochschule Nordwestschweiz diplomierte Architekt gehört dem Bund Schweizer Architekten (BSA) an und war zuvor als Assistenzprofessor an der Fachhochschule beider Basel tätig.

Bergrestaurant auf dem Chäserrugg gebaut

Die prominenten Bürohochhäuser des Basler Pharma-Riesen Roche – der zweite wächst bis 2021 in die Höhe - sind freilich nur zwei der teils grossen und komplexen Bauvorhaben, die Michael Fischer für das weltbedeutende Basler Büro verantwortete. So leitete er in der Region Basel den Bau des Actelion Business Center und des Ricola Kräuterzentrums, und aktuell betreut nebst dem Roche Bau 2 das Projekt Titlis 2030, das der Bergstation des Innerschweizer Gipfels zu neuem Prestige verhelfen soll.

Für Herzog & de Meuron war Fischer indes schon einmal im Gebirge tätig, und erst noch im Kanton St.Gallen – er plante das Bergrestaurant und die Gondelbahn auf dem Chäserrugg. Ein solch namhafter Baufachmann, der «schweizweit Zeichen setzte», sei für den Kanton in mehrfacher Hinsicht ein «Glücksfall», freut sich Baudirektor Marc Mächler. Tatsächlich widerlegt die Wahl jüngste Unkenrufe, wonach der Kanton St.Gallen in der Personalrekrutierung zunehmend Mühe habe und bei der Besetzung von Fachstellen gegenüber vergleichbaren Kantonen ins Hintertreffen gerate. Im Hochbau ist der Kanton mit seinem reichhaltigen Immobilien-Portfolio von 580 Bauten und Anlagen im Wert von 2,3 Milliarden Franken ganz offensichtlich attraktiv genug.

Freude auf Perspektivenwechsel und Handballstadt

Auf den künftigen Kantonsbaumeister warten grosse Bauprojekte wie die Universitäts-Erweiterung Platztor, die Bibliothek von Stadt und Kanton sowie der Campus Wattwil, für die im laufenden Jahr Wettbewerbe ausgeschrieben werden. Die Stelle eröffne ihm «einen Perspektivenwechsel mit neuen Herausforderungen», heisst es in der Mitteilung – im Management, in grundsätzlichen Fragen des Städtebaus oder in der Digitalisierung des Bauens.

Gebaut habe er viel, nun freue er sich auf die «andere Seite», sagt Michael Fischer auf Anfrage. Den Kanton St.Gallen schätze er für seine vielfältige Landschaft vom Toggenburg übers Rheintal bis an den Bodensee und die «bereits heute hohe Baukultur». Einen zusätzlichen Anreiz bot die Liebe: Fischers Lebenspartnerin wohnt in St.Gallen. Er zieht denn auch in die Gallusstadt, behält allerdings eine Wohnung in Basel, auch wegen seiner Söhne.

Amtsinhaber Werner Binotto, der seinen Nachfolger nicht näher kennt, zeigt sich «positiv überrascht» von der Wahl. «Ein Architekt ist ein gutes Zeichen und ein klares Statement des Kantons für architektonische Qualität und Baukultur.» Binotto übergibt nicht direkt an Fischer – er tritt Ende März in den vorzeitigen Ruhestand. Bis Ende Mai wird der stellvertretende Kantonsbaumeister Jürg Kellenberger das Hochbauamt leiten.

Und von wegen Fussball – der Aargauer Top-Transfer aus der FCB-Stadt bevorzugt Handball. Und hat schon früher gern Otmar verfolgt. Auch dies also beste Voraussetzungen.