Ein Banker zieht in die Pfalz ein

Marc Mächler heisst der siebte St. Galler Regierungsrat. Der Freisinnige konnte auf die Unterstützung der CVP zählen – eine befristete Liaison. Bei der Departementsverteilung wird die CVP wieder die eigenen Regierungsräte in Position bringen.

Regula Weik
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Eine Umarmung von Ehefrau Chantal und Applaus von Familie, Freunden und Parteikollegen: Marc Mächler gestern nachmittag im Pfalzkeller. (Bilder: Michel Canonica)

Eine Umarmung von Ehefrau Chantal und Applaus von Familie, Freunden und Parteikollegen: Marc Mächler gestern nachmittag im Pfalzkeller. (Bilder: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Marc Mächler ist auch im Moment des Sieges wie in den vielen Wochen des Wahlkampfs: nicht überschwenglich, eloquent – und realistisch. Er habe mit einem knappen Resultat gerechnet, sagt er, «und meine Einschätzung war richtig». Ein Musterschüler eben. Die Gegner hatten ihm dieses Attribut immer wieder übergestülpt und er konnte es nie ganz abschütteln. So weiss er auch, dass es im Moment des Wahlerfolgs zu danken gilt, den eigenen Leuten und den parteifremden. «Ein grosses Dankeschön gilt der CVP», sagt der frisch gewählte Regierungsrat. Sie hatte den Freisinnigen offiziell zur Wahl empfohlen.

Das Bekannteste an Mächler ist seine Finanzkompetenz. Er strich diese hervor, bis SVP-Kontrahentin Esther Friedli auftauchte. Mit ihr wurde die Frauenvertretung zum Wahlkampfthema. Mächler reagierte auf die veränderte Wahlkampfsituation; fortan strich er sein Engagement für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hervor. Ganz ohne Liebesbrief und Wollsocken – und damit anders als das Promi-Paar Brunner-Friedli – erfuhr die breite Öffentlichkeit dennoch, dass Mächlers Ehefrau Logopädin ist und Teilzeit arbeitet.

«Bekannt, wofür er einsteht»

Was gab den Ausschlag für Mächlers Erfolg? «Er ist seit Jahren aktiv in der St. Galler Politik: Es ist bekannt, wie er politisiert und wofür er einsteht», sagt Sven Bradke, Interimspräsident der Freisinnigen.

Mächler gehört seit 16 Jahren dem Kantonsparlament an und steht seit 2005 der Kantonalpartei vor. Die St. Galler FDP muss sich seit gestern definitiv nach einem neuen Präsidenten umschauen. Und Mächler, Direktionsmitglied der UBS, bleiben einige wenige Wochen, seinen Job bei der Bank zu übergeben.

Wird Mächler Bauchef?

Mächlers bisheriger politischer Schwerpunkt, die Finanzpolitik, prädestinierte ihn für das Finanzdepartement. Doch einiges deutet darauf hin, dass er das Baudepartement leiten wird. Die CVP – das ist kein Geheimnis – hielte die Finanzen gerne auch künftig in den Händen, und der derzeitige Regierungspräsident Beni Würth scheint einem Departementswechsel nicht abgeneigt.

CVP und FDP halten im Kanton St. Gallen traditionell das Bauen und die Finanzen, die beiden Departemente mit wohl der stärksten öffentlichen Wahrnehmung. Doch ebenso ungeschriebenes St. Galler Gesetz ist: Keine der beiden stellt beide Departementschefs. Und so dürfte der im Februar neu gewählte CVP-Regierungsrat Bruno Damann von Würth das Volkswirtschaftsdepartement übernehmen – und die Freisinnigen mit Mächler den neuen Bauchef stellen.

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