Ein Austauschsemester in St. Gallen

ST.GALLEN. Drei Studentinnen aus China, Norwegen und Brasilien haben für ein Semester an der Universität St.Gallen studiert. Im Vorfeld besuchten sie gemeinsam einen Deutschkurs. Nun schlagen sie aber unterschiedliche Wege ein.

Roman Hertler
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Bi Yingyao sucht nach ihrem Austauschsemester an der HSG ein Praktikum in der Schweiz. Kristin Schønberg-Moe und Isabella Rossi (v. l.) zieht es zurück in ihre Heimat. (Bilder: Urs Bucher, Michel Canonica)

Bi Yingyao sucht nach ihrem Austauschsemester an der HSG ein Praktikum in der Schweiz. Kristin Schønberg-Moe und Isabella Rossi (v. l.) zieht es zurück in ihre Heimat. (Bilder: Urs Bucher, Michel Canonica)

Sie lernten sich in der Summer School in Konstanz kennen, einem Sprachkursangebot der Internationalen Bodenseehochschule (Kasten). Mittlerweile haben Bi Yingyao, Kristin Schønberg-Moe und Isabella Rossi die Prüfungen an der Universität St.Gallen (HSG) und damit ihr Austauschsemester abgeschlossen. Damit hat es sich auch schon mit den Gemeinsamkeiten der drei Studentinnen.

Harte Arbeit

Kristin Schønberg-Moe, aufgewachsen in Oslo, ist 22 Jahre alt und kommt aus Kristiansand, einer Hafenstadt ganz in Süden Norwegens. Sie studiert Betriebswirtschaft und Ökonomie im fünften Semester. Den Bachelor möchte sie nächsten Sommer abschliessen und mit dem Masterprogramm «Strategic Economy» beginnen. In St.Gallen studiert sie «ein bisschen von allem»: Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Recht. «An der HSG gefällt mir besonders der enge Kontakt zwischen der Hochschule und Unternehmen», sagt Schønberg-Moe. «Die vielen Gastdozenten aus der Privatwirtschaft sprechen über die Praxis. Wir verlieren uns also nicht in blosser Theorie.» Die Atmosphäre an der HSG gefällt ihr. Es sei zwar viel harte Arbeit, dafür stimme die Qualität der Lehrangebote. Am Anfang war es für sie nicht immer leicht, Leute kennenzulernen, weil viele Schweizer Studenten übers Wochenende in ihre Heimatstädte fahren. Nun bedauert sie aber, dass das Semester schon um ist. «Ich fange gerade an, mich hier wohl zu fühlen», sagt sie. «Vielleicht komme ich im nächsten Sommer wieder zurück.»

Zum ersten Mal Schnee

Isabella Rossi weiss, dass sie nächsten Sommer nicht zurückkommen wird. Die 28-Jährige aus der brasilianischen Metropole São Paolo hat ihr Studium bereits vor einigen Jahren abgeschlossen und unterhält mittlerweile ein Anwaltsbüro in ihrer Heimat, wo sie sich hauptsächlich mit Gesellschaftsrecht befasst. Ausserdem hält sie Vorträge an verschiedenen Hochschulen in Brasilien. «Ich bin nicht hier, um Punkte zu sammeln», sagt sie. «Ich bin hier, um mich punktuell weiterzubilden, etwa in internationalem Steuerrecht, Zentralbankenrecht, öffentliches Recht.»

Nach St.Gallen kam Rossi über die Lemann-Foundation. Jorge Paul Lemann ist schweizerisch-brasilianischer Investor, reichster Mann Brasiliens und massgeblich an der Fusion von Heinz Ketchup und Kraft Foods beteiligt. Die Stiftung finanziert einen Lehrstuhl an der Universität in São Paolo und ermöglichte Rossi den Austausch. Dank des Buddy-Systems, bei dem ein einheimischer Student sich regelmässig mit einem Austauschstudenten trifft, hat sie hier schnell Anschluss gefunden. Sie schwärmt vom Fondue im «Papagei», von der «Focacceria», vom Weihnachtsmarkt mit Glühwein in Konstanz. Und vom Schnee, den sie auf einem Ausflug nach Laax zum ersten Mal in ihrem Leben gesehen hat.

Die Welt, ein Dorf

«Finance», antwortet Bi Ying- yao freundlich lächelnd auf die Frage nach ihrem Interessengebiet. Ihr drittes Mastersemester wollte sie im Ausland verbringen. Schon im Bachelor absolvierte sie Austauschprogramme in Hongkong und Israel. «Ich wollte in die Schweiz. Die Universität Peking hat mit der HSG ein Abkommen, darum bin ich jetzt hier», erzählt Bi. In St. Gallen habe sie ihr Bild über Austauschsemester etwas revidiert. «Die Austauschstudenten, die nach Peking kommen, machen meistens nur Party von früh bis spät», sagt sie. «Nicht, dass hier nicht auch gefeiert würde, aber hier sind die Studenten auch sehr diszipliniert. Die Arbeitsplätze in der Bibliothek sind immer besetzt.» Bi wohnt während ihres Austauschsemesters im Studentenheim. «Hier trifft sich die ganze Welt, quasi ein <global village>», sagt sie. «Am Abend sitzen wir jeweils zusammen, jeder kocht ein traditionelles Gericht aus seiner Heimat.»

Bi gefällt es in der Schweiz, im Moment sucht sie nach einer Praktikumsstelle über den Winter. «Ein Freund aus der Schweiz sagte mir, die Leute hier seien manchmal etwas kalt», sagt sie. «Aber das stimmt nicht, die Leute sind sehr freundlich, auf jeder Busfahrt werde ich angesprochen und gefragt, woher ich komme und ob es mir hier gefalle.» Einzig, dass am Sonntag alle Läden geschlossen sind, befremdet sie ein wenig. In China ist Sonntag immer Einkaufstag.

Studentinnen der IBH an der HSG (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Studentinnen der IBH an der HSG (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Studentinnen der IBH an der HSG (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Studentinnen der IBH an der HSG (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

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