Ein Appenzeller…

Ein Appenzeller namens Christen las jüngst, dass Hunderte Juristen in Appenzell zusammenkommen. Er sprach, zu wessen Nutz und Frommen dient eine Tagung dieser Meute? Das sind doch alles üble Leute, die unser gutes Recht verdrehen,

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Hr Eugen Auer Portraet für Gwondrig (Bild: Martina Basista)

Hr Eugen Auer Portraet für Gwondrig (Bild: Martina Basista)

Ein Appenzeller namens Christen

las jüngst, dass Hunderte Juristen

in Appenzell zusammenkommen.

Er sprach, zu wessen Nutz und Frommen

dient eine Tagung dieser Meute?

Das sind doch alles üble Leute,

die unser gutes Recht verdrehen,

auf Kriegsfuss mit der Wahrheit stehen

und uns mit Fremdwort-Texten plagen.

Mir schlägt es immer auf den Magen,

wenn ich von Normen hören muss,

die man dem Bürger zum Verdruss

so schwammig und komplex erlassen,

dass sie zur Anwaltsregel passen:

«Im Auslegen seid frisch und munter,

legt ihr nichts aus, so legt was unter.»

Wie gut, dass ich so ehrbar bin,

ging es dem Christen durch den Sinn,

denn wer das ist, muss sich nicht zanken.

Erfüllt von solcherlei Gedanken,

trat Christen friedvoll aus dem Haus,

glitt auf Bananenschalen aus

und brach dabei den Schenkelhals.

Die Summe des Verdienstausfalls,

rief Christen gleich, bezahlt die Stadt,

die schlechte Strassenkehrer hat,

und sollte sich der Stadtrat zieren,

will ich bis Lausanne prozessieren,

und zwar juristisch gut beraten

durch Advokaten.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist in Buchform

erschienen. «Ein Appenzeller namens…», Band 1 bis Band 3

sowie eine CD sind im Buchhandel oder unter

www.appenzellerverlag.ch erhältlich.