Ein Appenzeller…

Freispiel

Drucken
Teilen

Ein Appenzeller namens Züst

verfolgte oft das Hott und Hüst

um Hamburgs Elbphilharmonie.

Er sagte sich, es gab wohl nie

ein derart leidvolles Projekt.

Die Kosten schienen ungedeckt,

das Budget zehnfach überschritten,

es wurde bitterlich gestritten,

doch aller Schmähungen zum Hohne

gilt das Ergebnis als Ikone.

Züst fand, es wäre sicher schlau,

dass man sich für den Klanghaus-Bau

exakt nach Hamburgs Beispiel richte,

erst Herzog Demeuron verpflichte,

dann zwanzig Millionen spreche,

die Arbeit mehrmals unterbreche,

damit auch mehrmals scheitere

und dann den Plan erweitere

zum Klangturm statt zur Klanghaus-Scheuer,

zweihundert Millionen teuer,

bis weit hinauf zum Iltios.

Die Wirkung wäre grenzenlos.

Drum frisch zur Tat im Grossen Rat.

Zum Streit ist ausgebracht die Saat.

Ein Scheitern hat schon stattgefunden.

Noch leckt sich mancher seine Wunden,

doch wird nun das Projekt erneuert,

verschleppt und dann der Bau verteuert,

so werden einst der Völker Scharen

zum Schwendisee statt elbwärts fahren,

denn Hamburg ist ja krass, doch krasser,

Unterwasser.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens …», Bände 2 bis 4 sowie eine CD, ist im Buchhandel oder unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich.