Ein Appenzeller . . .

Ein Appenzeller namens Dreyer fand nach gehabter Weihnachtsfeier mit Gaben, Baum und Kerzenschein, der Mensch lebt nicht vom Brot allein, gab sich entschlossen einen Ruck und hielt mit väterlichem Druck die Sippe an, des Nachts um zehn

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Ein Appenzeller namens Dreyer

fand nach gehabter Weihnachtsfeier

mit Gaben, Baum und Kerzenschein,

der Mensch lebt nicht vom Brot allein,

gab sich entschlossen einen Ruck

und hielt mit väterlichem Druck

die Sippe an, des Nachts um zehn

mit ihm zum Gottesdienst zu gehn.

Bis deren Unlust überwunden,

und jedermann sich eingefunden,

ertönte fern schon das Geläute,

und Dreyer packte seine Meute

in aller Eile in den Wagen.

Er parkte ohne lang zu fragen

beim Kirchplatz, wo auch andre standen,

und sich dazwischen Lücken fanden.

Als man mit Lied und Orgelklang

die Ankunft unseres Herrn besang,

war Dreyer fast etwas gerührt

und stimmte, wie sich gebührt,

ein in des Weltenherrschers Lob,

worauf sich alles Volk erhob

und bat, Gott möge seinen Segen

für heut auch auf die Menschen legen,

die diesen Gottesdienst entbehrten,

weil sie des Nachts dem Feuer wehrten,

sowie auch auf die Polizei,

die stets für uns im Dienste sei.

Als Dreyers schliesslich nach dem Amen

zu den parkierten Autos kamen,

fand man dort Zettel angebracht,

worauf zu dieser Weihnachtsnacht

die Polizei die Christen grüsste

und wegen Falschparkierens büsste.

Das stimmte Dreyer sehr verdrossen.

Er sprach, er habe sich entschlossen,

statt sich noch länger aufzuregen,

den frommen Wunsch für einen Segen,

der Himmel möge ihm vergeben,

aufzuheben.

Eugen Auer

Eine Auswahl der Glossen von Eugen Auer ist

in Buchform erschienen. «Ein Appenzeller namens . . .»,

Band 1 und Band 2, sind im Buchhandel oder

unter www.appenzellerverlag.ch erhältlich.

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