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Kommentar

Eidgenössische Wahlen: Für die Innerrhoder CVP wird es eine Zitterpartie

Die Innerrhoder CVP befindet sich in einer ungemütlichen Lage: Das Risiko, dass sie am 20. Oktober ihren Sitz im Nationalrat verliert, ist gross. Am Ende wird die in Innerrhoden dominierende Partei aber trotzdem als Siegerin vom Platz gehen.
Claudio Weder
Claudio Weder, Redaktor Appenzeller Zeitung. (Bild: Urs Bucher)

Claudio Weder, Redaktor Appenzeller Zeitung. (Bild: Urs Bucher)

2019 ist für die Innerrhoder Wählerinnen und Wähler ein besonderes Jahr. Gleich vier Kandidaten streben den Nationalratssitz an – so viele, wie seit Jahren nicht mehr. Spannend ist die Ausgangslage vor allem deshalb, weil sich die in Innerrhoden dominierende CVP in einer ungemütlichen Lage befindet. Da Thomas Rechsteiner seine Kandidatur aufrechterhält, obwohl die Partei offiziell Antonia Fässler nominiert hat, ist das Risiko, dass die CVP den Sitz verliert, gross.

Rechsteiner, der ehemalige Säckelmeister, musste sich für diesen Entscheid zunächst den Vorwurf seiner Partei anhören, er kandidiere aus blossem Eigeninteresse. Sein Sololauf dürfte ihn tatsächlich Stimmen kosten. Dennoch ist Rechsteiner für Fässler ein starker Konkurrent. Nicht nur, weil er auf die Unterstützung des Gewerbeverbands zählen kann, der in Innerrhoden eine starke politische Stimme ist. Während Jahren leistete er gute Arbeit als Exekutivmitglied. Zudem tritt er rhetorisch stärker auf als Fässler. Letzteres könnte ihm aber auch zum Verhängnis werden: Passt sein Auftreten, das fast schon zu perfekt und «geschniegelt» wirkt, zu den bodenständigen Innerrhodern?

Antonia Fässlers Darbietungen hingegen sind rhetorisch nicht immer ganz perfekt, sie wirkt aber insgesamt bodenständiger als Rechsteiner. Zudem gibt es doch einige relevante politische Unterschiede. Während Rechsteiner am rechten Rand der CVP politisiert, positioniert sich Fässler als typische Mittepolitikerin. Profitieren kann Fässler zudem vom Frauenbonus. Aber nicht nur: Seit neun Jahren ist sie Mitglied der Standeskommission – was in Innerrhoden ein Vorteil ist. Punkten kann Fässler zudem mit fundierten Kenntnissen in der Gesundheits- und Sozialpolitik. An Podien beweist sie, dass sie auch bei nationalen Vorlagen sattelfest ist. Ihr Nachteil könnte aber sein, dass sie sich als Vorantreiberin des Spitalneubaus Gegner gemacht hat. Und die Diskussionen um den Spitalneubau sind noch längst nicht Geschichte.

Wie nervös die CVP im Wahlkampf agiert, zeigte sich jüngst in der Diskussion um die Wahlplakate von SVP-Kandidat Ruedi Eberle. Der amtierende Säckelmeister wurde dafür kritisiert, dass er mit seiner Kampagne gegen eine politische Tradition Innerrhodens verstossen würde. Dass sich gerade die CVP am meisten über Eberles Verhalten ärgerte, ist nachvollziehbar. Schliesslich ist Eberle, der vom Stimmensplitting profitieren und der lachende Dritte sein könnte, für die Christlichdemokraten ein ernstzunehmender Konkurrent. Wie Antonia Fässler profitiert auch Eberle vom «Regierungsbonus». Zudem bringt er Erfahrung in der Landwirtschaft sowie als Tourismusunternehmer mit und sammelt mit seiner bodenständigen Art Sympathiepunkte. Ein Nachteil könnte seine Parteizugehörigkeit sein. Die SVP hat in Innerrhoden nämlich weiterhin Mühe, Fuss zu fassen.

Weniger fürchten muss sich die CVP vor Martin Pfister. Der SP-Präsident kandidiert bereits zum dritten Mal für den Nationalrat – obwohl er weiss, dass er die politische Mehrheit des Kantons gegen sich hat. Pfisters Kampfgeist verdient Anerkennung. Doch letztlich wird es für den Schulsozialarbeiter auch 2019 nicht reichen. Dass er vom Innerrhoder Lokalblatt «Appenzeller Volksfreund» als «radikaler Linker» eingestuft wird, zeigt, wie schwierig für ihn das konservative Pflaster ist. Pfisters Politik – pointiert links zwar, von Radikalismus aber weit entfernt – wird als Affront gegen das bürgerliche Establishment gewertet.

Letztlich wird die CVP am 20. Oktober ihren Sitz wohl verteidigen können. Und vielleicht bahnt sich sogar Historisches an: Das Stimmvolk hätte mit der Wahl von Antonia Fässler die Gelegenheit, zum ersten Mal in der Geschichte Innerrhodens eine weibliche Vertretung nach Bern zu schicken. Innerrhoden könnte damit ein Zeichen setzen, dass derjenige Kanton, der das Frauenstimmrecht 1990 als letzter in der ganzen Schweiz einführte, sich längst von der Überzeugung befreit hat, Politik sei reine Männersache.

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