«Ehrenzeller ist eine Übergangslösung»: Reaktionen der St.Galler Parteien zum Kandidaten für das HSG-Rektorat

Der 65-jährige Staatsrechtsprofessor Bernhard Ehrenzeller soll Rektor der HSG werden. Erste Reaktionen der politischen Parteien fallen zustimmend bis kritisch aus.

Adrian Vögele
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Bernhard Ehrenzeller, Professor für Öffentliches Recht an der HSG. (Eveline Beerkircher)

Bernhard Ehrenzeller, Professor für Öffentliches Recht an der HSG. (Eveline Beerkircher)

An der Universität St.Gallen läuft der Wahlprozess für die Nachfolge von Rektor Thomas Bieger ab Februar 2020. Anfang Woche hat der Senat Bernhard Ehrenzeller zur Wahl vorgeschlagen. Der Staatsrechtsprofessor war zuvor selber an der Kandidatensuche beteiligt gewesen: Wie die HSG-Kommunikationsstelle bestätigt, war der 65-jährige Ehrenzeller bis Oktober selber Mitglied der Findungskommission, gemäss der Studentenzeitung «Prisma» gar als deren Präsident.

Was sagen die politischen Parteien zu diesem Wahlvorschlag – nachdem die Universität in den vergangenen Monaten im Kantonsparlament zum Politikum geworden ist, insbesondere wegen der Turbulenzen rund um Spesenbezüge und Nebenbeschäftigungen von Professoren? Und wie beurteilen sie die Tatsache, dass Ehrenzeller aufgrund seines Alters höchstens vier Jahre als Rektor amtieren könnte?

Bernhard Ehrenzeller sei eine «integre und engagierte Persönlichkeit», sagt SP-Präsident Max Lemmenmeier. Problematisch sei sein Alter. Kantonale Beamte hätten mit 65 in Pension zu gehen. «Bernhard Ehrenzeller ist eine Übergangslösung zur Beruhigung», stellt Lemmenmeier fest, «er wird zurücktreten, sobald ein neues Universitätsgesetz vorliegt.» Für die SP sei entscheidend, dass dieses Gesetz möglichst rasch von unabhängiger Seite erarbeitet werde. Die Probleme und Schwachstellen der Universität seien im vergangenen Jahr breit diskutiert und aufgedeckt worden. Diese gelte es umfassend zu beheben. Zudem müsse die Öffentlichkeit über Massnahmen im Zusammenhang mit dem Spesenskandal und den Nebentätigkeiten vollständig informiert werden.

«Auch Externe sollten kandidieren können»

Auch FDP-Fraktionschef Beat Tinner betrachtet Ehrenzeller –falls er denn definitiv gewählt werden sollte – als Rektor des Übergangs. Welche Ziele Ehrenzeller verfolgen werde, lasse sich noch nicht abschätzen. «Ich bin allerdings der Meinung, dass das Universitätsgesetz auch externe Personen als Rektorinnen und Rektoren zulassen sollte», sagt Tinner. «Es ist zu hoffen dass diese Möglichkeit nun im Rahmen der Überarbeitung des Universitätsgesetzes geschaffen wird.» Heute ist vorgeschrieben, dass der Rektor «aus der Mitte der ordentlichen und der ausserordentlichen Professoren» der HSG gewählt wird.

«Hohes Ansehen innerhalb und ausserhalb der Uni»

Eine besondere Nähe hat Ehrenzeller zur CVP: In den 80er-Jahren war er Kandidat der Christlichdemokraten für ein Richteramt im Kanton Solothurn, später wurde er persönlicher Mitarbeiter von CVP-Bundesrat Arnold Koller. Die Partei äussert sich uneingeschränkt positiv zu Ehrenzellers Kandidatur als HSG-Rektor. Trotz seines Alters sei Ehrenzeller die richtige Person für das Amt, sagt Fraktionschef Andreas Widmer. Ein Wechsel im Rektorat sei jetzt dringend. «Es muss jetzt jemand her, der Ruhe in die ganze HSG bringt – gegen innen und gegen aussen.» Ehrenzeller sei eine gute Wahl, er kenne die Universität aufgrund seines Werdegangs. Auch Widmer betont, Bernhard Ehrenzeller sei eine sehr integre Persönlichkeit – «er geniesst hohes Ansehen innerhalb und ausserhalb der Universität».

Ehrenzellers Wahl durch den Universitätsrat und die Bestätigung der Regierung stehen noch aus. Es gilt aber als höchst unwahrscheinlich, dass der Wahlvorschlag des Senats abgelehnt wird.