Ehepaar verkaufte Heroin

Eine 48jährige Frau muss für über drei Jahre ins Gefängnis, weil sie mit Drogen gedealt hat. Ihr Mann wurde zu einer bedingten Strafe verurteilt. Beide sind seit rund 30 Jahren süchtig.

Claudia Schmid
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st. gallen. Seit drei Jahrzehnten heroinsüchtig, seit über 20 Jahren HIV-positiv: Das Leben der Drogenkonsumentin, die vor dem Kreisgericht St. Gallen stand, ist von der Sucht geprägt. Seine Mandantin sei durch den Heroinkonsum gezeichnet und doch sei ihr Gesundheitszustand erstaunlich gut, betonte der Verteidiger vor den Schranken.

Organisierter Drogenhandel

Die Anklage wirft der Italienerin vor, sie habe im Zeitraum von September 2008 bis zu ihrer Verhaftung Ende Oktober 2009 rund sechs Kilogramm Heroin verkauft. Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft wurden bei Ermittlungen gegen eine Gruppierung von serbischen Staatsangehörigen auf sie aufmerksam. Während des Verfahrens gerieten die Beschuldigte und ihr Lebenspartner in Verdacht, von der Gruppierung Heroin zu beziehen und weiterzuverkaufen.

Der Staatsanwalt forderte für die Frau eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Dies im Zusatz zu einem Urteil, welches das Kreisgericht St. Gallen Mitte Oktober 2009 ausgesprochen hatte. Kaum sei sie aus der Untersuchungshaft entlassen worden, habe sie bereits wieder mit Heroin gehandelt, erklärte der Staatsanwalt. Schwer wiege zudem, dass sie aus mehreren Vorstrafen nichts gelernt habe.

Gefängnis als Zäsur

Der Verteidiger beantragte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von nicht mehr als 32 Monaten. Seine Mandantin sei in einer anderen Situation als bei früheren Verstössen, argumentierte er. Sie verbüsse nun zum ersten Mal eine Strafe im Frauengefängnis Hindelbank. Diese Zäsur lasse hoffen, dass sie nach ihrer Entlassung Abstand von den Drogengeschäften nehme. Die Beschuldigte habe sich zudem keine «goldene Nase» verdient, sondern den Eigenkonsum von sich und ihrem Lebenspartner finanziert. Das Kreisgericht verurteilte die 48-Jährige zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Eine bedingt ausgesprochene Gefängnisstrafe von zehn Monaten wird widerrufen.

Am Nachmittag stand auch ihr Lebenspartner vor den Schranken. Der 43jährige Mann erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Er habe nur als Helfer bei den Drogengeschäften seiner Frau mitgewirkt, attestierte ihm das Gericht. Seit seiner Verhaftung habe er gezeigt, dass er willens sei, ein Leben ohne Drogen zu führen. Der Beschuldigte hatte ausgesagt, er habe ungern bei den Drogengeschäften mitgemacht, weil er seine Bewährung nicht habe gefährden wollen.