Ehemann wegen Totschlags angeklagt: Frau mit einem Schuhlöffel erschlagen

Am Dienstag steht ein Mann vor dem Kreisgericht St.Gallen. Ihm wird vorgeworfen, er habe seine Frau im Affekt erschlagen. Das Paar war seit 40 Jahren verheiratet und hatte fünf Kinder grossgezogen.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen
Der Beschuldigte schlug der Frau zuerst ins Gesicht und schlug dann mit einem metallenen Schuhlöffel immer wieder auf ihren Kopf ein.

Der Beschuldigte schlug der Frau zuerst ins Gesicht und schlug dann mit einem metallenen Schuhlöffel immer wieder auf ihren Kopf ein.

Bild: Shutterstock

Die tragische Tat geschah am Karfreitag 2019 in der gemeinsamen Wohnung des Ehepaares. Wie es in der Anklageschrift der St. Galler Staatsanwaltschaft heisst, erschlug der Beschuldigte seine Ehefrau im Affekt mit einem metallenen Schuhlöffel. Danach alarmierte er die Polizei. Das Paar war seit 40 Jahren verheiratet und hatte fünf Kinder grossgezogen.

In der Anklageschrift ist die Vorgeschichte der Geschehnisse beschrieben. Darin schildert der zuständige Staatsanwalt die Familienverhältnisse lange Zeit als intakt und harmonisch. Erst als alle Kinder erwachsen und aus dem Elternhaus ausgezogen waren, soll sich das Verhältnis zwischen den Eheleuten verschlechtert haben. Es habe den Anschein gemacht, dass die Mutter mit dem Wegzug der Kinder nicht klargekommen sei, schreibt der Staatsanwalt. «So begann sie, in ihrer als impulsiv, laut, redefreudig, teils sogar als aggressiv und streitsüchtig beschriebenen Art ihrem Ehemann zunehmend und mit der Zeit regelmässig Vorwürfe zu machen, ihn zu beschimpfen und zu erniedrigen und seelisch tief zu verletzen.»

Geduldig auf die Aggression der Frau reagiert

Die gemeinsamen Kinder hätten ihren Vater durchwegs als angenehme und ruhige Person beschrieben, heisst es in der Anklageschrift weiter. Er habe mit Ruhigbleiben, Schweigen, Ausharren und manchmal mit Weglaufen auf die Aggressionen seiner Frau reagiert. Nie sei er gegen sie laut oder tätlich geworden. «Obwohl der Beschuldigte die ständigen Anfeindungen seiner Frau äusserlich ruhig über sich ergehen liess und aushielt, litt er darunter. Er hatte die Hoffnung, dass sich die Situation mit der Zeit von selbst wieder bessern würde.»

Offenbar thematisierten die Kinder die sich verschlechternde Situation im Elternhaus. Sie hätten den Gedanken ausgetauscht, der Mutter würde wohl eine psychiatrische Behandlung guttun. Bei der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft gaben sie zu Protokoll, ihre Mutter sei eigentlich ein herzensguter Mensch gewesen, aber dann habe es Situationen gegeben, wie wenn ein Schalter umgelegt würde, und sie habe zu fantasieren begonnen. Auch soll eines der Geschwister den Vater etwa ein halbes Jahr vor der Tat auf die Möglichkeit einer Eheberatung oder Scheidung angesprochen haben. Der Beschuldigte habe aber abgelehnt.

Beschimpfungen wurden häufiger und intensiver

Am Karfreitag 2019 eskalierte schliesslich die Situation: Bereits am Morgen soll das Opfer den Ehemann wiederholt massiv beleidigt und erniedrigt haben. «Obwohl er bis dahin die Schimpftiraden und Beleidigungen seiner Frau stets besonnen und ruhig über sich ergehen liess, verhielt er sich diesmal anders als sonst. Die andauernden Vorwürfe und Beschimpfungen seiner Frau setzten ihm innerlich und von ihm nicht direkt wahrgenommen derart zu, dass in ihm die Provokationen an diesem Morgen eine unkontrollierte Reaktion auslösten», heisst es in der Anklageschrift.

Der Beschuldigte schlug der Frau zuerst ins Gesicht, ergriff dann einen metallenen Schuhlöffel und schlug damit immer wieder auf ihren Kopf ein. Danach rief er die Polizei an. Er erklärte, er habe seine Frau geschlagen und sie sei fast tot. Nach dem Eintreffen von Ambulanz und Polizei liess er sich offenbar widerstandslos festnehmen. Später sagte er aus, er habe nie den Gedanken in sich getragen, seine Frau umzubringen.

Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann wegen Totschlags an und beantragt dem Kreisgericht St.Gallen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und eine Landesverweisung von zehn Jahren. Die Gerichtsverhandlung wird am 29. September stattfinden. Aufgrund der Coronapandemie ist der Zugang zur Verhandlung nicht ohne Voranmeldung möglich und für die Öffentlichkeit grundsätzlich stark eingeschränkt.

Mehr zum Thema