Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ehemaliger Kantonsrichter: «Mord darf nicht mehr verjähren»

Walter Hauser plädiert dafür, ungelöste Morde nicht auf sich beruhen zu lassen. In seinem jüngsten Buch zeichnet der ehemalige Kantonsrichter so akribisch wie eindringlich die schwersten Fälle aus der Ostschweiz nach. Und wirbt für Aufklärung.
Reinhold Meier
Im Hartmannswald, wo Ylenias Leiche am 15. September 2007 von einer Privatperson gefunden wurde, existiert seitdem eine kleine Gedenkstätte. (Aufnahme: 27. Juli 2017; Bild: Umberto W. Ferrari)

Im Hartmannswald, wo Ylenias Leiche am 15. September 2007 von einer Privatperson gefunden wurde, existiert seitdem eine kleine Gedenkstätte. (Aufnahme: 27. Juli 2017; Bild: Umberto W. Ferrari)

Die Begegnung mit Walter Hauser an seinem Wohnort Weesen lässt bald spüren, dass dem Mann Gerechtigkeit über alles geht. Vor allem, wenn Morde ungeklärt bleiben. Dann sagt er schon mal Sätze wie «Die Angehörigen schreien förmlich nach Auflösung, sie leiden unter der Ungewissheit». Darum hat sich der Präsident der Anna-Göldi-Stiftung denn auch über vier Jahre hinweg aufgemacht, um Beteiligte, Zeugen sowie Angehörige zu besuchen und zu befragen.

«Mich interessiert, wie die Personen vor Ort mit der Last der ungeklärten Tat umgehen.»

Der Kristallhöhlenmord von Kobelwald liegt 36 Jahre zurück. «Aber die Erinnerung an das Drama ist präsent und kommt immer wieder hoch.» Damals verschwinden zwei Mädchen und werden später in der Nähe der Höhle aufgefunden. Der Fundort lässt auf gute Ortskenntnis des Täters schliessen. Es gibt Verdächtige. Doch die Ermittlungen laufen ins Leere. Ein Trauma für die Angehörigen. Hauser trifft einen Polizisten, der die Strafverfolgung als Fiasko beurteilt. Aber auch einen Profiler, der überzeugt ist: «Man könnte das Verbrechen heute noch aufklären.» Das geht heute jedoch nicht mehr, weil der Mord seit 2012 verjährt ist. «Das Trauma im beschaulichen Kobelwald besteht weiter», so Hauser.

Rätselhafter Zoomord von Bad Ragaz

Walter Hauser will Aufklärung zugunsten der Opfer: «Moderne Beweistechniken machen das möglich.» Bild: Reinhold Meier

Walter Hauser will Aufklärung zugunsten der Opfer: «Moderne Beweistechniken machen das möglich.» Bild: Reinhold Meier

Ähnlich empfinden Betroffene beim «Mord im Heidiland», der auch als Zoomord von Bad Ragaz bekannt wurde. Ein Kollege des Betreibers findet das Opfer tot auf. Es war in der Nacht zuvor brutal umgebracht worden. Gleichentags kommt es auf einem Hof im nahen Vilters zu einem zweiten Todesfall.

«Auch nach sechs Jahren sind beide Fälle mysteriöser denn je.»

Spielte ein Fleischdiebstahl bei Landquart eine Rolle? Zwielichtige deutsche Kollegen des Zoo-Opfers? Tierschützer gar? Oder jener Mann, der am Vorabend von der Überwachungskamera gefilmt wurde?

Äusserlich sei die Welt wieder intakt, bekundet Hauser nach Interviews vor Ort. «Doch der Schein trügt.» Hinter vorgehaltener Hand tuschle man weiter, Angehörige wie Betroffene litten. Auch unter dem ungeklärten Todesfall von Vilters, auf dem Hof von Ex-Nationalrat Bigger: Er hatte wegen der damals in Turbulenzen geratenen Produzenten-Milchorganisation Todesdrohungen erhalten. War der Anschlag ein Unfall oder galt er ihm? Fragen bleiben bis heute offen. «Es darf aber nicht sein, dass ein Todesfall einfach ad acta gelegt wird», sagt eine Freundin des Zoo-Opfers.

«Gewissheit für die Opfer»

Das sehen auch die Betroffenen im Fall Ylenia so, der 2007 die Ostschweiz schockierte. Eine Fünfjährige verschwindet und wird später tot aufgefunden. Auch der mutmassliche Täter wird tot aufgefunden, er hatte sich selbst gerichtet. «Doch dunkle Hintergründe blieben ungeklärt», kritisiert Hauser. Etwa, ob es Verbindungen zu einer Verbrechensserie in den Achtzigern gab. Damals wurden binnen zehn Jahren in acht Kantonen elf Kindern entführt. Sie wurden tot aufgefunden oder blieben spurlos verschwunden. Im Umkreis von 30 Kilometern vom Fall Ylenia waren es allein vier Fälle.

Hausers Buch ist ein brennendes Plädoyer gegen die Verjährung von Mord und vorsätzlicher Tötung.

Täter dürften sich nicht nach 30 Jahren sicher fühlen. Und Angehörige bräuchten Klärung. Mit heutigen kriminaltechnischen Mitteln könnten auch «kalte Fälle» aufgeklärt werden. Die Verjährungsregel schütze bisher die Täter und nicht die Angehörigen. Sie sei willkürlich und werde dem Bedürfnis nach Aufklärung nicht gerecht.

Ein Wiederaufleben der «Rachejustiz» durch die, mit der Zeit angeblich unsicher werdende Beweislage sei nicht zu befürchten. Beweise würden dank neuer Methoden immer zuverlässiger. «Es geht weniger um die Bestrafung und Vergeltung, als vielmehr um die gesetzliche Möglichkeit der Aufklärung», fordert Hauser. Die Opfer hätten Gewissheit verdient.

Lesungen des Autors

«Hoffen auf Aufklärung», von Walter Hauser, im Limmatverlag, erscheint am kommenden Montag. Der Autor ist mit Lesungen in der Ostschweiz präsent am 25. September im Schloss Rapperswil, Kleiner Rittersaal, am 27. September in der Kulturhalle St. Margrethen, ab 11. Oktober an der Olma in St. Gallen und am 16. November im Hotel Sonne, Altstätten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.