Ehefrau mit Hammer getötet

Ein 28jähriger Mann hat im Streit seine Frau mit einem Hammer erschlagen. Der Tragödie ging ein längeres Beziehungs- und Ehedrama voraus. Der Täter wurde gestern wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Claudia Schmid
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st. gallen. Die Tat geschah an einem Sonntagnachmittag im März 2007. Ein Nachbar informierte die Polizei, ein Mann schlage seine Ehefrau. Als die Beamten eintrafen, öffnete er die Türe und liess sich widerstandslos festnehmen. Seine Frau lag schwer verletzt in der Wohnung. Trotz den Rettungsversuchen der Sanitäter verstarb sie noch am Tatort.

In zweiter Ehe verheiratet

In der Anklageschrift ist die Vorgeschichte der Tragödie beschrieben. Während die Frau in erster Ehe verheiratet war, verliebte sie sich in einen anderen Mann. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es zuvor aufgrund unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit und dem traditionellen Mitbestimmungsrecht der Familien immer wieder zu Spannungen zwischen den Eheleuten kam. Einige Zeit danach wurde die arrangierte Ehe geschieden.

Obwohl sie sich weiterhin mit ihrem Liebhaber traf, heiratete dieser eine andere Frau. Wie es in der Anklageschrift weiter heisst, vermittelte die Familie des Opfers ihr den Kontakt zum späteren Ehemann aus dem Kosovo. Bereits nach kurzer Zeit verlobte sie sich freiwillig mit ihm. Nach der Heirat zogen sie in die Schweiz.

Auch die zweite Ehe stand nicht unter einem glücklichen Stern. Die Frau traf sich weiterhin mit dem Liebhaber, der an sie massive Besitzansprüche gestellt haben soll. Schliesslich meldete sie dem Einwohneramt die Trennung von ihrem Ehemann, kehrte einige Wochen später aber wieder in ihre eheliche Wohnung zurück.

Weiter mit Liebhaber getroffen

Die Dreiecksgeschichte ging allerdings weiter. Die Frau habe sich wohl in einem Konflikt befunden, erklärte der Staatsanwalt gestern an der Verhandlung vor dem Kreisgericht St. Gallen. Einerseits habe sie sich das Funktionieren ihrer Ehe gewünscht, anderseits ein Zusammenleben mit dem Liebhaber, das ihr aber verwehrt geblieben sei. Nachdem das Opfer ihrem Mann erneut gesagt hatte, sie werde ihn wegen ihres Liebhabers verlassen, kam es zur verhängnisvollen Eskalation. Der Staatsanwalt betonte die Schwere und Brutalität der Tat. Er forderte für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren wegen vorsätzlicher Tötung.

Demütigungen geschluckt

Es gehe um eine grauenhafte Tat, die es vom Gericht zu beurteilen gelte, erklärte der Verteidiger. Mehr als nachvollziehbar seien deshalb der tiefe Schmerz und die Erschütterung der Familie des Opfers. Die Tötung eines Menschen sei nie entschuldbar, doch müsse bei der Strafzumessung die Gemütsverfassung und langanhaltende seelische Belastung des Täters berücksichtigt werden. Sein Mandant habe immer alle Demütigungen geschluckt und gehofft, in der Ehe komme doch noch alles zum Guten. Der Beschuldigte sei bis zur Tat ein unbescholtener Mann gewesen. Auch für ihn bedeute die unbeschreibliche Tragödie eine Katastrophe für sein Leben.

Der Verteidiger beantragte einen Schuldspruch wegen Totschlags. Sein Mandant sei zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als sechs Jahren zu verurteilen.