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Edles für die Ehrendamen

ST.GALLEN. An der Eröffnungsfeier des Eidgenössischen Musikfestes im Juni werden die acht Ehrendamen kostbare Stickereikleider tragen. Entworfen und umgesetzt haben diese zwei St. Gallerinnen.
Nina Rudnicki
Karin Bischoff und Kathrin Baumberger (rechts) mit einem von acht Ehrendamen-Kleidern. (Bild: Michel Canonica)

Karin Bischoff und Kathrin Baumberger (rechts) mit einem von acht Ehrendamen-Kleidern. (Bild: Michel Canonica)

St. Gallen. Das Atelier Karin Bischoff Couture liegt in einem kleinen Innenhof, in der Nähe des St. Galler Marktplatzes. Der Showroom im Erdgeschoss ist hellgestrichen und mit weissen Möbeln eingerichtet. In einer Ecke steht eine Büste, darüber hängt ein schwarzweisses Stickereikleid.

Die Couture-Schneiderin Karin Bischoff streicht über den Stoff. «Das ist eines der Kleider, welche die Ehrendamen an der Eröffnung des Eidgenössischen Musikfestes tragen werden», sagt die 35-Jährige. Sie hat zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Kathrin Baumberger die insgesamt acht Kleider entworfen und umgesetzt. «Seit März haben wir dafür viel Zeit oben im Atelier verbracht», sagt sie.

Freie Hand bei Entwürfen

Im Atelier ist es nicht so ordentlich wie unten im Showroom. Zwischen Regalen voller Kartonkisten, Stoffen und Knöpfen, Bügelbrettern und Tischen, übersät mit Nadeln, Scheren und Massbändern, sitzen zwei Lehrtöchter über ihre Nähmaschinen gebeugt. An einer Kleiderstange hängen die übrigen sieben Kleider der Ehrendamen. «Beim Entwurf der Kleider hatten wir freie Hand», sagt Karin Bischoff. Einzige Vorgabe: Die Kleider sollten schön aussehen. «Wir wollten aber unbedingt etwas St. Gallen-typisches einbeziehen. So kamen wir auf die Idee mit den Stickereien.»

Im Stil der 50er-Jahre

Die Idee überzeugte auch den Textilverband und drei Textilfirmen, welche die Stickereien kostenlos zur Verfügung stellten. Die beiden Frauen entschieden sich für Stickereien in den Farben des Musikfestes – Schwarz, Weiss und Rot. Die Kleider entwarfen sie im Stil der 50er-Jahre. «Das ist zurzeit auch auf den internationalen Laufstegen Trend», sagt Kathrin Baumberger. An der Eröffnungsfeier müsse der Auftritt der Ehrendamen perfekt und Frisuren, Schuhe, Accessoires und Make-up müssten aufeinander abgestimmt sein. «Wir werden hinter den Kulissen aufpassen, dass alles richtig umgesetzt wird», sagt sie.

Mit dem Stoff an die Büste

Zehn Meter Tüll allein für einen Unterrock, Stoffe und Stickereien im Wert von bis zu 1000 Franken pro Meter – die beiden St. Gallerinnen haben bis zu vierzig Stunden an jedem einzelnen der Kleider gearbeitet.

Die Modedesignerin Kathrin Baumberger war für die Entwürfe zuständig. «Die Arbeit war so aufwendig, weil ich nicht nach Schnittmustern, sondern direkt mit dem Stoff an den Büsten gearbeitet habe», sagt sie. Die Stickereien habe sie direkt an die Büste gehalten, zugeschnitten und mit Nadeln festgesteckt.

Karin Bischoff hat die Entwürfe umgesetzt. «Die Herausforderung dabei war, die Stickereien so aufzunähen, dass die Nähte von blossem Auge nicht mehr sichtbar sind», sagt sie. Diese Fertigkeit zu erlangen, brauche viele Jahre Übung.

Die Kleider für die Musikfest-Ehrendamen sind ein Spezialauftrag. Ansonsten entwerfen und schneidern die beiden Frauen ganz normale Alltagskleider, Arbeitsbekleidung für Hotelangestellte oder setzen für das Theater Kostümbilder um. «Vom T-Shirt bis zum Hochzeitskleid machen wir alles», sagt Kathrin Baumberger. Das Schneidern bezeichnet sie als ihre Leidenschaft. «Immerhin beschäftige ich mich seit fast 20 Jahren damit, und es macht mir noch immer Freude», sagt sie.

Liebe zu Textilien

Karin Bischoff ist die Liebe zu Textilien in die Wiege gelegt. Als Enkelin des Gründers der Bischoff Textil AG wächst sie in einer Textilerfamilie auf. Stoffe faszinieren sie seit ihrer Kindheit. Deshalb sei sie auch froh, dass die Kleider der Ehrendamen nach dem Fest im Archiv des Textilverbandes aufbewahrt werden. «Da bleiben sie, bis neue Ehrendamen sie an einem anderen Fest tragen werden.»

Bild: Nina Rudnicki

Bild: Nina Rudnicki

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