EDK-Präsident setzt Thurgau unter Druck

Ob der Thurgau das Frühfranzösisch kippen kann, ist alles andere als sicher. Der Bund ist bereit einzugreifen, falls der Thurgau sein Vorhaben umsetzt. Der Präsident der kantonalen Erziehungsdirektoren, Christoph Eymann, signalisiert Unterstützung für eine Intervention.

Roger Braun
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Frühfranzösisch: Für den Thurgau unnötig, für die Westschweiz ein Bekenntnis zur vielsprachigen Schweiz. (Bild: Mareycke Frehner)

Frühfranzösisch: Für den Thurgau unnötig, für die Westschweiz ein Bekenntnis zur vielsprachigen Schweiz. (Bild: Mareycke Frehner)

Der Bund wägt derzeit ab, ob er in die Sprachenfrage eingreifen soll. Auslöser ist der Kanton Thurgau, der letzte Woche bekräftigt hat, dass er den Französischunterricht aus der Primarschule kippen wird. Bei der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) liegt gegenwärtig ein Schreiben von Innenminister Alain Berset. Der Bundesrat möchte wissen, ob die Kantone damit einverstanden sind, dass der Bund in der Sprachenfrage aktiv wird und eine zweite Landessprache in der Primarschule vorschreibt.

Harmonisierung gescheitert

Präsident der Erziehungsdirektoren ist Christoph Eymann, Bildungsdirektor aus Basel-Stadt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er den Moment für eine Bundesintervention gekommen sieht. Er sagt: «Der Bund ist nicht nur ermächtigt, sondern verpflichtet, einzugreifen, wenn die Kantone ihrer Pflicht zur Harmonisierung der Lehrpläne nicht nachkommen.» Noch hat die EDK nicht in diesem Sinne geantwortet. Eymann möchte das Thema vorher im Vorstand diskutieren, sagt aber bereits heute: «Für die Spitze der EDK ist klar, dass der Bund das Heft in die Hand nehmen muss, falls der Thurgau nicht von seinen Plänen abkommt.»

Widerstand aus der Ostschweiz

Einem Einschreiten skeptisch gegenüber stehen mehrere Ostschweizer Kantone. Der Innerrhoder Landammann Roland Inauen hebt die kantonale Hoheit bei der Bildung hervor. Greife der Bund ein, stelle er das bewährte föderale System in Frage. «Das ist mit allen Mitteln zu verhindern.» Die Thurgauer Bildungsdirektorin Monika Knill wehrt sich ebenfalls gegen die Bevormundung vom Bund. «Wir müssen aufpassen, dass wir den Bogen nicht überspannen – umso mehr als der Thurgau den Französischunterricht ja nicht schwächt, sondern nur auf die Oberstufe verschiebt.»

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 10. April.

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