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E-VOTING: Hacker-Wettbewerb als «Basis für echte Diskussion»

Der St. Galler Nationalrat Marcel Dobler wehrt sich gegen die Kritik aus der «Sonntags-Zeitung». Er verteidigt die Idee, Hacker zu belohnen, die das E-Voting-System des Bundes knacken.

«Meine Kernaussage ist, dass heute eine rein ideelle Diskussion über die Gefahren von E-Voting stattfindet», sagt der St. Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Ein Hacker-Wettbewerb, wie er ihn vorschlage, «würde Basis schaffen für eine echte Diskussion, ob man das Ganze beenden muss oder ob man auf dem richtigen Weg ist». Damit reagiert Dobler auf die Kritik aus der «Sonntags-Zeitung» an seinem Vorstoss. Darin fordert Dobler, dass Hacker, denen es gelingt, eines der zwei Schweizer E-Voting-Systeme zu knacken, bis zu einer Million Franken erhalten sollen. Den Vorstoss hat der 37-jährige Digitec-Gründer in der zurückliegenden Herbstsession eingereicht. Der Bund solle einen entsprechenden Wettbewerb ausschreiben. Dank des hohen Preisgeldes würden «erstklassige Hacker oder ganze Hackergruppen reelle Angriffe durchführen», ist Dobler überzeugt. Weltkonzerne wie Google oder Tesla würden ebenfalls auf diese bewährte Testart setzen.

In der aktuellen Ausgabe der «Sonntags-Zeitung» hat der Vorstoss Dobler den Ruf eines Befürworters eingebracht, der trotz vieler kritischer Stimmen das E-Voting «auf Teufel komm raus durchboxen» wolle. «Doblers Wette ist der Versuch, endlich auch den letzten Skeptikern von E-Voting den Wind aus den Segeln zu nehmen.» Gelinge es niemandem, das System zu knacken, sei aus Sicht von Dobler der Beweis erbracht, dass das System sicher sei, heisst es weiter. Dobler weist die Darstellung, dass er E-Voting durch alle Böden durchdrücken wolle, auf Anfrage zurück.

Seit 2004 hat laut dem Bund ein Teil der Stimmberechtigten in insgesamt 14 Kantonen in über 200 Urnengängen die Möglichkeit zum E-Voting gehabt. Im September konnten die Bürger von vier St. Galler Pilotgemeinden erstmals elektronisch ihre Stimmen abgeben. Bei eidgenössischen Vorlagen können mit den heute zugelassenen Systemen des Kantons Genf und der Post laut Bund maximal 30 Prozent des jeweiligen kantonalen Elektorats ihre Stimme elektronisch abgeben.

In 14 Kantonen können Auslandschweizer elektronisch abstimmen. Jeweils bis zwei Drittel nutzen das Angebot. Im Frühjahr hat der Bundesrat beschlossen, das E-Voting schrittweise flächendeckend einzuführen. Bis 2019 sollen es zwei Drittel der Kantone anbieten. Eine Expertengruppe unter Führung der Bundeskanzlei erarbeitet die Grundlagen.

Experte nennt Risiko untragbar

Laut der «Sonntags-Zeitung» ­haben Mitarbeiter der Bundeskanzlei einen Maulkorb bekommen, kritisch über das Projekt zu reden. Zudem kursiere in Bundesbern ein Dokument mit dem Titel «Das Ende der Demokratie». Verfasst habe es der Ex-­Militär und ETH-Ingenieur René Droz. Sein Fazit: Das Risiko, dass E-Voting von Dritten gehackt werde, sei angesichts der Vorteile, das dieses für den Bürger bringe, untragbar. Droz nimmt dabei das Beispiel der Masseneinwanderungs-Initiative, die mit 20000 veränderten Stimmen gekippt wäre. Ein anderer zitierter Experte bezweifelt, dass Hacker aus Geheimdienstkreisen anderer Staaten sich an einem Wettbewerb beteiligen würden – sondern allfällige Sicherheitslecks für sich behalten.

«Solche Aussagen ohne stichhaltige Beweise für die Anfälligkeit des E-Voting-Systems sind eine totale Kapitulation beim Thema digitale Sicherheit», sagt Dobler. Dann müsse man auch das E-Voting für Ausland-Schweizer sofort wieder abschaffen.

Pascal Büsser

ostschweiz@tagblatt.ch

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