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E-MOBILITY: E-Töffs nehmen keine Fahrt auf: "Für richtige Töffler muss es lärmen und stinken"

Viele sind es noch nicht, doch die Zahl der Elektroautos wächst stetig. Viel versprach man sich einst auch von E-Motorrädern. Doch der Funke springt nicht über, viele Händler haben aufgegeben.
Kaspar Enz
Motorräder mit Elektromotor sind auf Schweizer Strassen selten zu sehen. (Bild: Matthew Richardson/Alamy)

Motorräder mit Elektromotor sind auf Schweizer Strassen selten zu sehen. (Bild: Matthew Richardson/Alamy)

Kaspar Enz

kaspar.enz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

In den Schlagzeilen geht es mit der elektrischen Mobilität schnell voran. US-Hersteller Tesla kommt nicht aus ihnen heraus, ob mit hohen Börsenwerten oder geschönten Unfallstatistiken. Aber auch in der Ostschweiz wird Strom gegeben: Letzte Woche richteten die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke die 66. Ladestation im Kanton ein. Und Forscher des NTB Buchs waren an der Konstruktion des grössten Elektrofahrzeugs der Welt beteiligt, einem Muldenkipper.

Nicht ganz so elektrisch geht es auf den Strassen zu. 1299 E-Autos wurden im ersten Quartal 2018 neu zugelassen – gerade mal 1,8 Prozent aller Neuzulassungen (siehe Grafik). Immerhin: Der Trend zeigt nach oben. Ganz anders sieht es bei E-Motorrädern aus. Die Zahl der verkauften Motorräder mit Elektroantrieb sank 2017 erneut. 1001 wurden letztes Jahr gekauft, gerade mal 38 in der ganzen Ostschweiz. Und die Zahl könnte weiter sinken. Grösster Kunde war lange die Post, die ihre Lieferfahrzeugflotte auf dreirädrige E-Motorräder des Schweizer Herstellers Kyburz umstellte. Der Umbau ist nun abgeschlossen.

Gedämpfter Optimismus

Dabei herrschte einst Optimismus. Vor zehn Jahren wies eine Studie der Empa den E-Scootern – wie Elektrotöffs auch genannt werden – ökologische Spitzenplätze zu. «E-Scooter schneiden bezüglich CO2-Bilanz nach E-Bikes am besten ab», sagt Bernhard Schneider von New Ride, dem Schweizer Kompetenzzen­trum für Elektrozweiräder. Ein Vorteil, den die Organisation in den letzten Jahren bekanntmachen wollte: Sie stellte Gemeinden und Unternehmen Fahrzeuge zum Test zur Verfügung und unterstützte Förderprogramme in Gemeinden. So auch in der Stadt St.Gallen. Von 2010 bis 2014 förderte die Stadt auch den Kauf von E-Motorrädern, insgesamt 22-mal. Weiterhin fördert sie E-Autos. 26 Gesuche bewilligte die Stadt allein im letzten Jahr.

Doch mit den Verkaufszahlen nahmen auch die Aktivitäten von New Ride ab. Bernhard Schneider gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf. «Ich spüre Dynamik», sagt er. Es seien attraktive Modelle auf dem Markt. «Bei den E-Bikes ging es zehn Jahre, bis die Entwicklung richtig in Schwung kam. Bei E-Scootern könnte es plötzlich schnell gehen.» Doch dafür müssten die Händler mitmachen. Ein wunder Punkt, gibt Schneider zu. «Verschiedene Händler, die mit viel Optimismus auf E-Scooter setzten, haben aufgegeben.» Auch der St.Galler Zweiradspezialist Velo Pfiffner verkauft seit einiger Zeit keine E-Motorräder mehr. «Ich glaube weiterhin an die E-Mobility», sagt Bruno Pfiffner. «Aber wir müssen die Fahrzeuge haben dafür.» In China verdrängen die E-Töffs zwar die Benziner. «Aber die Qualität reicht nicht für den europäischen Markt. Damit vergraule ich nur die Kunden», sagt Pfiffner. Und weil der Markt nicht in Fahrt kommt, geben Importeure und kleinere europäische Hersteller oft bald wieder auf. «Mit E-Scootern lässt sich noch kein Geld verdienen.» Diese unsichere Situation hat auch Pfiffner vorsichtig gemacht. «Bevor ich etwas ins Angebot nehme, müsste ich das Produkt genau prüfen.» Etablierte Anbieter rücken erst langsam nach. BMW habe zwar ein gutes Modell, «aber preislich ist das nicht für jedermann». Interessant wäre für Pfiffner die schon lange angekündigte elek­trische Vespa. «Doch da kommt wohl vor nächstem Jahr nichts.»

Ein bisschen stinken muss es

Kommt hinzu: «Für richtige Töffler muss es lärmen und stinken», sagt Pfiffner. Dabei sei es ohne eigentlich ganz angenehm. Gerade für Pendler seien E-Scooter eine gute Alternative zu jedem Transportmittel. «Ich habe viele Kunden, die in der Region pendeln. Dafür reichen die Reichweiten aus.» Zwar sei der Anschaffungspreis noch höher. «Aber auf 10000 Kilometer zahle ich mit einem Töff 1200 Franken für Benzin. Der Strom dafür kostet nicht mal 100 Franken.»

Die Zeit spielt den E-Scootern in die Hände. Die Abgaswerte würden laufend verschärft, «Mofas haben langfristig keine Zukunft», sagt Bernhard Schneider. «Die Frage ist, ob die Töfflibuben auf E-Scooter umsteigen.» Elegante Modelle gäbe es durchaus. Aber diese hätten mit den E-Bikes schon eine starke Konkurrenz. «Wichtig wäre es, wenn die öffentliche Hand auf elektrische Fahrzeuge setzt. Das könnte eine Vorbildwirkung haben.»

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