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Immer mehr Franken fliessen ins Montafon, das Lieblingstal vieler Ostschweizer

Das Montafon liegt fernab von Feldkirch, Dornbirn, Bregenz. Doch bei Ausflüglern und Feriengästen steht das südlichste Tal Vorarlbergs hoch im Kurs. Auch bei den Ostschweizern. Das «Pfüat di» haben sie längst verinnerlicht.
Regula Weik
Biken, Wandern, Klettern: 95 Prozent der Gäste reisen deswegen ins Montafon. Bild: Daniel Zangerl/Montafon Tourismus GmbH, Schruns

Biken, Wandern, Klettern: 95 Prozent der Gäste reisen deswegen ins Montafon. Bild: Daniel Zangerl/Montafon Tourismus GmbH, Schruns

45 Minuten. So lange dauere die Anreise aus der Ostschweiz ins Montafon. Die dortigen Wander- und Skigebiete lägen also quasi um die Hausecke. Das lassen einen die Vorarlberger Touristiker glauben. Erfolgreich. Golm, Gargellen, Silvretta Montafon – bei diesen Namen klingelt es manchem Ostschweizer Hotelier oder Bergbahnbetreiber in den Ohren. Nicht aber im Portemonnaie. Das Geld fliesst immer öfter ennet dem Rhein, ennet der Landesgrenze – eben im Montafon. 53 Minuten sind es schliesslich – inklusive Vignettenkauf – bis zur Talstation der Golmerbahn. Nach Lorüns öffnet sich das Tal und gibt den Blick auf die Berge frei. «Am Golm wird Bewegung zum Vergnügen», preist sich das Gebiet. Kein leeres Versprechen. Am «Bewegungsberg des Montafon» muss sich der Gast nicht zwingend selber bewegen, er wird bewegt – er saust die Rodelbahn hinunter, «fliegt» an einem Stahlseil über das Staubecken, rutscht durch Edelstahlrohre den Hang hinunter. An der Kasse ein Sprachengewirr, Deutsch, Englisch, Holländisch, St. Galler Dialekt. Naturerlebnis oder Rummelplatz? Die fünf älteren Männer, die im Garten des Restaurants Liftstüble beim Frühschoppen sitzen, schütteln ob der Frage verständnislos den Kopf. Die vielen Angebote seien doch toll. Solches sei nötig im Tal. Nur so kämen die Gäste.

Die Männerrunde ist keine Ausnahme. Im Tal finden sich kaum kritische Stimmen zum Tourismus. «Gegen die Hauptlebensader des Montafon», wie ihn der Gaschurner Altbürgermeister Heinrich Sandrell kürzlich gegenüber Vorarlberg online bezeichnete. Touristen sind im Tal gerne gesehen. Sommers wie winters. Touristische Projekte haben bei der Bevölkerung in der Regel leichtes Spiel. Eine der seltenen Ausnahmen ist der geplante Speichersee der Bergbahnen Silvretta Montafon. Naturschützer und Grüne wehren sich gegen das Vorhaben im Skigebiet. Mit geringer Aussicht auf Erfolg.

Schnaps mit Jägern und «Fiesta»

Jahrzehntelang war das Montafon eine klassische Sommerdestination. Doch längst hat der Winter den Sommer überholt. «65 Prozent der insgesamt zwei Millionen Logiernächte entfallen heute auf den Winter», sagt Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus. Das Tal will sich als Ganzjahresdestination positionieren. Der Fokus liege deshalb seit einigen Jahren auf dem Ausbau des Sommerangebots, sagt Bitschnau und nennt einige Attraktionen: 14 Klettersteige, zwei Waldseilparks, Alpine Coaster, Aktivpark Montafon. Seine Aufzählung ist damit längst nicht abgeschlossen. Einer der jüngsten Würfe der Tourismusorganisation: das Montafoner Du. Jeder Gast wird per Du begrüsst, es sei denn, er lehnt dies explizit ab. Die Kampagne kommt nicht bei allen Einheimischen gut an. Auch nicht bei Heinrich Sandrell. Das Du sollte man vom Gast angeboten bekommen und nicht umgekehrt. Doch vielleicht sei er auch einfach ein «altmodischer Dodel». Nach den touristischen Schwerpunkten gefragt, antwortet Direktor Bitschnau: «Wandern, Biken, Klettern. Diese Angebote sind für 95 Prozent unserer Gäste das Reisemotiv.» Wo sieht er das grösste Potenzial, neue Gäste zu gewinnen? «Klettern ist die am schnellsten wachsende Sommeraktivität.» Ist Kraxeln auch bei den Schweizer Gästen hoch im Kurs? «Für den Schweizer Markt ist das Segment Wellness, verbunden mit Kulinarik, ungemein wichtig und wächst sehr stark.»

Das Montafon erstreckt sich über 39 Kilometer von Bludenz bis zur Bielerhöhe. Die Ill durchfliesst das Tal in umgekehrter Richtung. Nächster Stopp: Schruns, Hauptort des Montafon. Nächste Adresse: Haus des Gastes. Hierzulande wäre das Gebäude mit Touristinformation angeschrieben. Vom Schrunser Winter schwärmt im Untergeschoss ein prominenter Gast: «... und glitten endlos im stillen Zischen des körnigen Pulverschnees.» Es ist Ernest Hemingway. Der amerikanische Schriftsteller verbrachte in den Wintern 1924/25 und 1925/26 mehrere Monate im Montafon und gastierte oft im Hotel Taube in Schruns. Dort schrieb er die Kurzgeschichte «Ein Gebirgsidyll», dort entstand die Endfassung von «Fiesta». Schruns sei «ein guter Ort zum Arbeiten», stellte Hemingway fest. Ob die Schnapsrunden mit den Holzfällern und Jägern dabei geholfen haben, bleibt offen. In «Schnee auf dem Kilimandscharo» reflektierte der Schriftsteller später seine Schrunser Zeit.

Der Ort sei nicht nur der bekannteste im Tal. Er sei auch Treffpunkt der Schönen und Reichen – «oder jener, die sich dafür halten», sagt ein Einheimischer. Schaut das Tal manchmal neidisch auf die mondänen Orte Lech und Zürs? Tourismusdirektor Bitschnau schüttelt den Kopf: «Das Montafon und das Arlberg-Gebiet sind völlig unterschiedlich positioniert und haben unterschiedliche Gäste.» Ein Zusammenschluss sei «überhaupt kein Thema». Profitiert hätten das Montafon wie auch seine Gäste von der Erweiterung des eigenen Verbunds um das Skigebiet Brand. «Noch nie zuvor sind so viele Saison- und Mehrtageskarten verkauft worden.» Silvretta Montafon, der grösste Bergbahnbetreiber im Tal, erzielt 95 Prozent des Umsatzes im Winter. Im Montafon gibt es über 60 Seilbahn- und Liftanlagen und nahezu 250 km markierte Abfahrten. Wanderwege sind es über 1100 km. Wer im Sommer einen Adrenalinkick sucht, findet ihn auf dem Hochjoch auf rasanter Fahrt mit dem «Monsterroller» oder auf dem «längsten Klettersteig Vorarlbergs». Geschichtsträchtig, pionierhaft, bäuerlich, tüchtig, eigenwillig: So wird im Haus des Gastes das Montafon charakterisiert. Hinter Schruns nimmt die Zahl der Zimmereien, Tischlereien und Schnitzerwerkstätten zu, die Betriebsamkeit ab. Gargellen «Anlagen ausser Betrieb». Grasjochbahn «Ab 7.7. Wochenendbetrieb». Garfreschabahn «Ausser Betrieb». In Gaschurn beginnt das Bahnvergnügen dieses Wochenende. Anders in Partenen, die dortige Tafamuntbahn läuft bereits seit Mitte Mai. Der Luftkurort ist belebt. Ausflügler, Einkehrer, Golfer, Wanderer. Enttäuscht werden einzig ambitionierte Treppensteiger: Die Europatreppe mit ihren 4000 Stufen ist gesperrt. Das «höchste Fitnessgerät der Welt» überwindet 700 Höhenmeter.

Zuhinterst, aber vor dem Fürstentum

Gaschurn, dazu zählt auch Partenen, ist die südlichste Gemeinde des Montafon. Sie liegt zuhinterst im Tal, steht aber zuvorderst auf der Vorarlberger Gemeinderangliste, wenn es um die Fläche geht. Das Gebiet von Gaschurn umfasst 176 Quadratkilometer – und übertrifft damit das Fürstentum Liechtenstein. Auch die grösste St.Galler Gemeinde, Pfäfers, kann mit 129 Quadratkilometern nicht mithalten. Hinter Partenen geht es steil bergan. In 34 Kehren windet sich die Silvretta- Hochalpenstrasse auf die Bielerhöhe, um dann ins Tirol, ins Paznauntal abzufallen. Doch derzeit ist kein Durchkommen. Noch gilt die Wintersperre; sie soll dieser Tage aufgehoben werden. Und plötzlich erklärt sich das Motto von Tourismusdirektor Bitschnau auf der Homepage seiner Organisation «Jeder Gast ist ein Geschenk» neu. Geschenke werden nicht weitergegeben, und so gibt es südwärts kein Entkommen aus dem Tal. Pfüat di, Montafon.

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