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Serie

Durch den Kulm in eine andere Welt

Der Kulm trennt die Rheintalseite Liechtensteins von der Bergwelt. Heute fährt man durch den 1947 eröffneten Tunnel Gnalp-Steg. Den ersten Durchstich von 1867 benützen nur noch Wanderer und Biker – mit einer Ausnahme in diesem Sommer.
Günther Meier
Der alte Tunnel durch den Kulm, einem Bergrücken zwischen dem Rheintal und dem Saminatal, ist 48 Meter lang. (Bild: Beat Belser)

Der alte Tunnel durch den Kulm, einem Bergrücken zwischen dem Rheintal und dem Saminatal, ist 48 Meter lang. (Bild: Beat Belser)

Den auf einer Höhe von 1430 Metern über Meer gelegene, kleine Durchstich durch den Kulm passieren einzig Wanderer oder Biker, die den Aufstieg über das schmale, steile Strässchen auf sich nehmen. Der nur 48 Meter lange Tunnel, dunkel und mit rohen Felswänden, übt eine besondere Faszination aus. Wie ein Guckloch erlaubt er den Blick von der Talseite in die Bergwelt: Dem Betrachter erscheinen die Berggipfel wie ein Eintauchen in eine andere Welt.

In diesem Frühsommer fuhren allerdings auch Autos diese Strecke. Wegen Sanierungs- und Bauarbeiten war der «neue Tunnel» Gnalp-Steg aus dem Jahr 1947 vier Wochen lang gesperrt. Während dieser Zeit wurden Personenwagen über den «alten Tunnel» von 1867 umgeleitet.
Brandkatastrophen in verschiedenen Tunnels in Europa, wie etwa im Montblanc-Tunnel 1999 mit 39 Toten oder im Gotthardtunnel 2001 mit 11 Toten, hatten auch in Liechtenstein das Bewusstsein für die Sicherheit im Tunnel Gnalp-Steg geschärft.

Täglich fahren 1500 Fahrzeuge durch den Tunnel

Eine Sicherheitsprüfung ergab für den 1947 in Betrieb genommenen Tunnel, der das liechtensteinische Rheintal mit der Bergwelt verbindet, verschiedene Mängel, die dieses Jahr behoben wurden. Deshalb wurde der Tunnel, der eine Länge von 740 Metern hat, für vier Wochen gesperrt. Obwohl hinter dem Kulm, einem Bergrücken zwischen dem Rheintal und dem Saminatal mit der höchsten Erhebung auf 1472 Metern über Meer, nur gerade die beiden zur Gemeinde Triesenberg gehörenden Dorfteile Steg und Malbun liegen, weist diese Verbindung doch eine relativ hohe Verkehrsfrequenz auf. Den Tunnel auf dem Weg vom Tal in die Wander- und Wintersportgebiete und zurück benützen im Jahresdurchschnitt täglich rund 1500 Fahrzeuge.

Dass es diesen Tunnel überhaupt gibt, ist nicht gerade ein Zufall. Aber es spielten bei der Projektierung doch verschiedene Umstände mit, die nicht mit dem Verkehr zusammenhängen. Im Krisenjahrzehnt zwischen der Weltwirtschaftskrise und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs bot sich der Strassenbau als eine Massnahme zur Arbeitsbeschaffung und zur Verminderung der Arbeitslosigkeit an. Neben dem Bau des Binnenkanals, der zur Entwässerung der Rheinebene parallel zum Rhein ausgehoben wurde, liess die Regierung verschiedene Strassenabschnitte sanieren und Verbindungsstrassen neu errichten.

Im Parlament setzten sich die Abgeordneten speziell für ihre Heimatgemeinde ein, um den vielen Arbeitslosen etwas Arbeit zu verschaffen. Darunter auch ein Abgeordneter aus dem Walserdorf Triesenberg, der 1934 den Bau eines Tunnels anregte, der zwar früher schon diskutiert, aber aufgrund der knappen Mittel des Staatshaushalts nicht in Angriff genommen worden war.

Bauernsöhne trugen Gepäck der Feriengäste

Den erforderlichen Kredit von 600000 Franken für den Tunnelbau stellte das Parlament schon 1939 zur Verfügung, doch Geldmangel und Kriegswirtschaft verhinderten die Realisierung. Erst 1945, nur kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, befasste sich das Parlament wieder mit dem Tunnelbau, dessen Kostenvoranschlag inzwischen auf 1,2 Millionen Franken angestiegen war. Den Zuschlag für die Bauarbeiten erhielt die Churer Firma Stuag, die den Durchschlag des Stollens im Herbst 1946 schaffte.

Am 4. Dezember 1947, am Tag der Heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, erfolgte die Einweihung. Mit der besseren verkehrsmässigen Erschliessung erlebte der Tourismus in Steg und Malbun in der Nachkriegszeit einen Aufschwung. Zwar hatte der Sommertourismus schon mit dem Bau des Alpenkurhauses Malbun im Jahr 1908 begonnen, aber die Überwindung des Kulm war doch mit Mühen verbunden. Zeitweise betätigten sich kräftige Triesenberger Bauernsöhne als Gepäckträger für die Feriengäste, die in der Einsamkeit der noch unverbrauchten Bergwelt nach Erholung suchten.

Über den Winter gehörte das Tal den Geistern

Der Tunnel erlaubte es nach 1947 auch im Winter, die Bergwelt mit Privatauto oder Postauto zu erreichen, womit der Grundstein für den Wintertourismus gelegt wurde. Die bessere Verkehrserschliessung hatte auch Änderungen für die Landwirtschaft zur Folge. Vorher hatten die Bauern, Abkömmlinge eingewanderter Walser, jeweils an Allerheiligen das Vieh über den Kulm zu den Heuställen nach Steg und Malbun getrieben und es erst kurz vor Weihnachten wieder nach Triesenberg geholt – oft durch schmale, in den Schnee geschaufelte Wege.

Über den Winter gehörte nach dem damaligen bäuerlichen Verständnis das Malbuntal den Geistern, die man bis im Frühjahr nicht stören durfte. Zahlreiche Geistergeschichten entstanden im Laufe der Zeit und jagten gutgläubigen Menschen jenen Schauer ein, der ein Aufsuchen der Bergwelt hinter dem Kulm zwischen Weihnachten und Ostern verhinderte.

In der wärmeren Jahreszeit erfreute die Bergwelt aber schon damals viele Besucher, die teils über die Berggipfel aus Österreich kamen. Als Liechtenstein im Jahr 1924 mit der Schweiz den Zollanschlussvertrag abschloss, errichtete die Eidgenossenschaft deshalb in Steg eine eigene Zollstation für die Bewachung der Grenze Österreich–Liechtenstein, die – ausschliesslich mit Schweizer Grenzwächtern besetzt – erst 1972 aufgehoben wurde.

Schmale Röhre verursacht Angstschweiss

Für die durch den zunehmenden Autoverkehr verursachten Abnützungen reichten die regelmässigen Sanierungen des Tunnels nicht mehr aus, so dass die Regierung im Jahr 1988 eine Generalsanierung beschloss. Das Parlament genehmigte den erforderlichen Kredit von 6,8 Millionen Franken. Eine «Initiativgruppe Triesenberg» ergriff dagegen das Referendum, wollte das Sanierungsprojekt zu Fall bringen und lancierte das Projekt eines kompletten Neubaus.

Bei der Volksabstimmung sprachen sich aber nur die Stimmberechtigten von Triesenberg für einen neuen Tunnel aus: Die Tunnelröhre blieb damit schmal, erlaubt nur das Kreuzen von Personenwagen und erzeugt bei Erstbenützern oft ein paar Tropfen Angstschweiss. Für grössere Fahrzeuge gibt es eine automatische Ampelanlage, die zuweilen für Irritierung bei Autofahrern sorgt, die mit den lokalen Gegebenheiten nicht vertraut sind.

Mit der jüngsten Sanierung in diesem Sommer erhielt der Tunnel nach Angaben des Bauamtes aber den heute üblichen Sicherheitsstandard, mit entsprechender Beleuchtung, einer optischen Leiteinrichtung, vier SOS-Nischen sowie Tunnelfunk und durchgehende Mobilfunkverbindung.

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