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Dürre in der Ostschweiz: Die wichtigsten Fakten im Überblick

Noch nie war es von April bis Juli so warm wie dieses Jahr. Auch der Regen fiel so knapp aus wie kaum je seit Messbeginn. Wassermangel und Waldbrandgefahr in der Ostschweiz werden sich nächste Woche weiter verschärfen.
Adrian Vögele
Trockenes Feld bei Züberwangen. (Bild: Ralph Ribi)

Trockenes Feld bei Züberwangen. (Bild: Ralph Ribi)

Allmählich wird es brenzlig. Die Trockenheit in der Ostschweiz hält an, die Waldbrandgefahr nimmt zu. Die Entwicklung reicht weiter zurück, als man vielleicht meinen könnte: Erste Vorboten machten sich bereits im April bemerkbar. Damals geriet in Dicken bei Degersheim ein Wald in Brand. Forstarbeiter hatten auf einer Wiese nebenan Restholz angezündet. Das Feuer griff auf die Bäume über und zog eine 60 Meter lange Schneise in den Wald. Die Sache ging glimpflich aus – die Feuerwehr war rasch zur Stelle, der Brand blieb eine Randnotiz im Tagesgeschehen. Doch der Vorfall zeigt: Schon damals herrschte Trockenheit in der Ostschweiz – und seither hat sich die Situation stetig verschärft.

So wenig Regen wie zuletzt vor 150 Jahren

  • Seit April hat es im ganzen Land vergleichsweise sehr wenig geregnet, wie Meteo Schweiz bestätigt. Nur 65 Prozent der normalen Niederschlagsmenge wurden erreicht. Seit Messbeginn im Jahr 1866 kam es nur dreimal vor, dass die April-Juli-Periode noch trockener war als die jetzige.
  • In der Ostschweiz ist die Trockenheit noch ausgeprägter als schweizweit. An der Messstation St.Gallen sind seit April 344 Millimeter Regen gefallen, wobei ein Millimeter einem Liter pro Quadratmeter entspricht. Das ist der zweittiefste Wert seit Messbeginn. Nur im Jahr 1870 gab es im selben Zeitraum noch weniger Niederschlag. Das langjährige Mittel beträgt 570 Millimeter.
  • Den tiefsten Niederschlagswert der Ostschweiz hat Meteo Schweiz in Eschenz gemessen: Hier fielen seit April nur 159 Millimeter Regen. Die nächsttrockensten Messorte sind Wartau (166 Millimeter), Aadorf (190 Millimeter), Salez (198 Millimeter) und Flawil (212 Millimeter).
  • Weniger stark betroffen als der Rest der Ostschweiz sind Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden. Das Dorf Appenzell hat mit 380 Millimetern den höchsten Niederschlagswert der Region. Auf dem Säntis waren es 372 Millimeter seit April. Wegen Staulagen am Alpstein regnete es in den beiden Appenzell mehr als in der übrigen Ostschweiz.

Höhere Temperaturen als im Hitzesommer 2003

  • Der Sommer 2018 hat bereits erste Temperaturrekorde des Jahrhundertsommers 2003 gebrochen. Die Durchschnittstemperatur der Schweiz in den Monaten April bis Juli lag damals bei 11,8 Grad. Jetzt sind es bereits 12 Grad – der höchste Wert seit Messbeginn 1864. Die langjährige Norm beträgt 9,6 Grad. Die hohen Temperaturen führen dazu, dass deutlich mehr Wasser als gewöhnlich verdunstet, was die Trockenheit zusätzlich verschärft.
  • Auch die Messstation St.Gallen verzeichnet einen Temperaturrekord: Im Jahr 2003 betrug die Durchschnittstemperatur der Monate April bis Juli 15,1 Grad. Heuer sind es 15,6 Grad.

Diese Massnahmen ergreifen die Ostschweizer Kantone

  • Die Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden haben ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe erlassen. In allen vier Kantonen gilt die zweithöchste Waldbrand-Gefahrenstufe (Stufe 4 von 5).
  • Die Wassernutzung wurde in Teilen der Ostschweiz eingeschränkt: Im Thurgau ist die Wasserentnahme aus Gewässern seit dem 13. Juli verboten, ausgenommen sind Rhein und Bodensee sowie Grund- und Quellwasser. In St.Gallen gilt seit dem 24. Juli ein Wasserentnahmeverbot für kleine Gewässer.

Bodenseepegel 80 Zentimeter tiefer als normal

  • Der Wasserstand des Bodensees ist rekordverdächtig tief. Der Pegel des Untersees bei Berlingen ist rund einen Meter niedriger als normalerweise Ende Juli. Am Obersee (Romanshorn) fehlen etwa 80 Zentimeter. Die Pegel sind seit Mitte Juni um über 70 Zentimeter gesunken.
  • Die niedrigen Pegel beeinträchtigen die Schifffahrt. Bereits eingeschränkt ist der Verkehr auf Untersee und Rhein, zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein ist er seit Montag komplett eingestellt. Voraussichtlich wird auch die Strecke Rorschach–Rheineck bald nicht mehr bedient.

Entspannung wohl frühestens ab Mitte August

  • Längere Regenfälle sind in den kommenden Tagen nicht in Sicht. Wassermangel und Trockenheit werden sich weiter zuspitzen.
  • Meteo Schweiz prognostiziert noch bis zum 19. August überdurchschnittliche Temperaturen.
  • Mit deutlich feuchterem Wetter ist frühestens ab Mitte August zu rechnen.

Wie reagiert die Feuerwehr bei einem Waldbrand?

Markus Wenk, Kommandant der Feuerwehr Wildhaus, blickt den 1.-August-Feiern kritisch entgegen. Wenn ein Funkenflug oder auch ein Blitzeinschlag in einem Wald ein Feuer entfacht, sind Wenk und sein Team gefordert. Erst müsse man überprüfen, ob es sich wirklich um einen Waldbrand handle. «Spiegelt sich das Abendrot in einem Blechdach, sieht das einem Feuer im Wald sehr ähnlich.» Gilt es aber ernst, müsse man rasch klären, ob man in die Nähe des Brandherdes zufahren könne. Wo kann Wasser gefasst werden zum Löschen? «Mit unseren Schläuchen können wir über eine Distanz von 600 Metern Wasser pumpen.» Sei der Brandherd in unwegsamem Gebiet und könne nicht vom Boden aus bekämpft werden, müsse man Helikopter aufbieten. Diese können einen Waldbrand mit Löschsäcken bekämpfen. Auch hier stellt sich aber die Frage, wo das Wasser herkommt. «Zum Glück haben wir drei Seen oberhalb von Wildhaus», sagt Wenk. Um im Notfall richtig reagieren zu können, haben die Toggenburger Feuerwehren Weiterbildungen mit Fokus auf die Bekämpfung von Waldbränden absolviert. «Wir können nun bei Bedarf spezielle Ausrüstung des Militärs beziehen.» Bei der Schulung sei das Augenmerk aber auch auf eine unterschätzte Gefahr gelegt worden: «Ist der Brand gelöscht, muss der Boden akribisch abgesucht werden. Denn es kann sein, dass sogenannte Wurzelfeuer unterirdisch weitermotten», so Wenk. Die beste Versicherung, um einen Waldbrand zu verhindern, sei aber immer noch, wenn die Bevölkerung das aktuelle Feuerverbot in den Wäldern befolge. (sab)

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