Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Dürfen Turnhallen ungestraft einstürzen?»

ST.GALLEN. Die Einstellung des Strafverfahrens zur St. Galler Riethüsli-Turnhalle ist für Experten sinnvoll und nachvollziehbar. Zwar ist weitgehend rekonstruiert, wo der Fehler passiert ist. Eine Verurteilung wäre aber trotzdem keineswegs zwingend.
Daniel Klingenberg
Turnhalle St. Gallen-Riethüsli: Weil an den Dachträgern verstärkende Bauteile weggelassen wurden, stürzte sie im Februar 2009 ein. (Bild: Ralph Ribi)

Turnhalle St. Gallen-Riethüsli: Weil an den Dachträgern verstärkende Bauteile weggelassen wurden, stürzte sie im Februar 2009 ein. (Bild: Ralph Ribi)

«Dürfen Turnhallen ungestraft einstürzen?» fragt ein Leserbriefschreiber. Das Rechtsempfinden der Volksseele sagt klar: Nein. Die Einstellung des Strafverfahrens gegen zwei Personen, die am Bau der St. Galler Riethüsli-Turnhalle beteiligt waren, ist aus dieser Sicht schwer verständlich. Der Vorwurf, Recht und Politik wollten gar nicht genau wissen, was geschah, ist dann nicht mehr weit. Genau dem widerspricht ein Baurechtsexperte: «Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft zeigt, dass die zum Fehler führenden Abläufe weitgehend rekonstruiert wurden», sagt Christoph Bernet (siehe Kasten).

Geringes öffentliches Interesse?

Wenn aber nahezu klar ist, was geschah – warum hat die Staatsanwaltschaft dann das Verfahren eingestellt? Die Antwort ist: Aus der Rekonstruktion der Abläufe folgt eben nicht zwingend eine strafrechtliche Verurteilung. Das sind zwei Paar Schuhe. Offensichtlich war die Beweislage nicht eindeutig. Es bestand für die Staatsanwaltschaft nach Ansicht von Bernet das Risiko eines langen Verfahrens mit hohem Kostenrisiko für alle Beteiligten. An dessen Ende ein Freispruch hätte stehen können. Und weil der Schadenplatz vorerst nicht freigegeben worden wäre, hätte nicht neu gebaut werden können.

Für die Staatsanwaltschaft ergab sich damit folgende Ausgangslage: Der Schaden ist durch die Zahlung der Versicherung gedeckt, der Kanton als Geschädigter verzichtet auf die Strafverfolgung – und es bestand das Risiko eines Freispruchs und einer langen Wartezeit. Damit legte sich die Einstellung des Verfahrens, wie dies Artikel 53 des Strafgesetzbuches als Möglichkeit vorsieht, nahe. Eine weitere Bedingung war aber abzuwägen: Das «geringe Interesse der Öffentlichkeit» an der Strafverfolgung. «Die Staatsanwaltschaft hat <prozessökonomische> Gesichtspunkte bei geringem öffentlichen Interesse an der Klärung der Schuldfrage höher gewichtet», sagt Christoph Bernet. Anders gesagt: Statt irgendwann vielleicht Schuldige für die Volksseele zu haben, wird die Halle mit geringen Kosten für den Kanton wieder aufgebaut.

«Jetzt kann geredet werden»

Auch für Thomas Vogel, ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion, ist klar: «Das ist ein typischer Fall der sinnvollen Anwendung des Artikels 53.» Wobei für Bernet wie für Vogel ebenso klar ist: Wären Menschen zu Schaden gekommen, wäre eine Einstellung des Verfahrens nicht denkbar.

Aber wird der Lerneffekt aus der Riethüsli-Havarie durch die Einstellung des Verfahrens nicht vermindert? Thomas Vogel verneint. Die technische Ursache – das Fehlen von Bauteilen – sei klar und das Riethüsli werde «in allen Vorlesungen für die Fachwelt vorkommen». Anders ist es beim «Projekt-Management», bei den Gründen, wie es zum Fehler kam. Diese Sensibilisierung für die Qualitätssicherung könne erst beginnen. «Weil der Fall rechtlich abgeschlossen ist, kann nun in der Fachwelt ohne Angst vor Verurteilung gesprochen werden.»

Keine Wiederaufnahme

Die Wiederaufnahme des Strafverfahrens ist wohl auszuschliessen: Diese ist nur möglich, wenn neue Erkenntnisse auftauchen, die sich nicht aus den jetzt vorhanden Akten ergeben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.