Drogen und Erpressung im Mammutprozess

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Zeugenaussagen Die Verhandlung im Fall Kümmertshausen ist fortgesetzt worden. Diesmal ging es um Kokain, Schulden und gewaltsame Geldbeschaffung – ein Nebenaspekt im Mammutprozess. Über den gewaltsamen Tod eines 52-jährigen IV-Rentners in Kümmertshausen wird im Herbst verhandelt. Das Bezirksgericht Kreuzlingen hat gestern einen 25-jährigen Maschinenführer vorgeladen. Er erzählte von der Zeit vor sechs Jahren, in der er täglich schnupfte. Das sei vorbei. Das Koks habe er sich vor allem von Schwarzafrikanern, aber auch von den kurdischen Türken besorgt. Die Umschlagplätze waren Rheineck und Diepoldsau.

Geld auf Party mit Polin verprasst

Als Zeugen waren auch zwei Türken aus Innsbruck geladen. Es sind Freunde, die bei der St. Galler Bande Schulden hatten. Einigen Mitgliedern wird der Mord an dem IV-Rentner vorgeworfen. Osman S., einer der Angeklagten, soll den Freunden im Frühjahr 2011 etwa 50 Gramm Kokain übergeben haben und später 70 Gramm für die polnische Geliebte des einen. Der Plan war, das Koks weiter zu verkaufen und vom Erlös die alten Schulden zu bezahlen. Stattdessen habe er mit der Polin Party gemacht und nach einer Woche weder Kokain noch Geld gehabt, sagte einer der Zeugen. Das rief Osman S. und Nasar M. auf den Plan, die öfters in Innsbruck auftauchten. Nasar M. habe unter anderem gedroht, den Sohn des Schuldners zu entführen. Nicht ganz schlüssig sind die Aussagen darüber, wie heftig die Einschüchterung war. Der Satz «Ich bin Kurde und mein Freund ist Kurde» von Nasar M. habe gereicht, um Angst zu verbreiten.

Als Auskunftsperson war auch einer der Beschuldigten geladen: Kronzeuge Yilmaz B. Er schilderte, wie er geholfen habe, 80 Kilo Streckmittel in einen Keller in Herisau zu laden, und relativiert die Aussagen, die er vor fünf Jahren gemacht hat. Es sei ihm damals psychisch nicht gut gegangen. Das Gericht hat für die Drogengeschäfte und die Erpressungen drei weitere Tage reserviert. (san)

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