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DROGEN: Koksen mit Stoff aus dem Darknet

In St. Gallen wird offenbar viel Kokain konsumiert, wie eine Untersuchung des Abwassers zeigt. Erklären kann das auch die Polizei nicht – ein grosser Teil des Handels spielt sich auch für sie im Verborgenen ab.
Johannes Wey
Nicht nur Angehörige der Drogenszene konsumieren Kokain. (Symbolbild: PD)

Nicht nur Angehörige der Drogenszene konsumieren Kokain. (Symbolbild: PD)

Johannes Wey

johannes.wey@tagblatt.ch

«Kokainmetropole St. Gallen» – das klingt unwirklich. Doch gemessen an den Spuren im Abwasser hat sich St. Gallen (zusammen mit Wittenbach und Teilen von Speicher, die ebenfalls an die ARA Hofen angeschlossen sind) zu einer Kokainhochburg entwickelt – zumindest in der Woche vom 22. bis 28. März 2017, während der die Daten erhoben worden sind. An Werktagen lag die ARA Hofen dabei auf dem vierten Rang nach namhafter Konkurrenz aus Barcelona, Antwerpen und Zürich. Am Wochenende lag Zürich an der Spitze und St. Gallen nach Barcelona bereits auf Rang 3. Sowohl bei der St. Galler Kantonspolizei als auch bei der Stiftung Suchthilfe kann man sich diesen Anstieg nicht anhand eigener Erfahrungen erklären.

Beim Stichwort Kokain denkt der Zeitungsleser wohl an «Aktion Ameise» und «Chügeli-­Dealer». Aber der Eindruck trügt: Dass sich der Kokainhandel in St. Gallen vor allem auf der Gasse abspielt und nur Angehörige aus der Drogenszene zur Kundschaft zählen, trifft laut Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli nicht zu. «Bei Ermittlungen zu grösseren Drogenringen stellen wir fest, dass die Abnehmer aus allen Bevölkerungsschichten kommen – vom Jugendlichen bis zum 60-Jährigen.» Daher gehe man davon aus, dass es bei den Konsumenten eine grosse Dunkelziffer gebe. Denn die Polizei bekomme es zumeist auf der Gasse oder aber im Rahmen von Verkehrskontrollen mit Kokain zu tun. In seinen rund 30 Jahren bei der Polizei, davon 10 Jahre bei der Betäubungsmittelabteilung, habe sich die Szene verändert, sagt Rezzoli.

«Früher war die Kokainszene klar von anderen Drogenszenen getrennt. Heute ist es für einen Dealer wichtig, dass er mehrere Substanzen anbieten kann.» Die Konsumenten, die nicht auf der Gasse kaufen und so auch nicht in Polizeimeldungen zur «Aktion Ameise» auftauchen, decken sich beispielsweise im Nachtleben oder in Privatwohnungen ein.

Auf HSG-Studenten zurückzuführen?

Ein St. Galler Clubbetreiber führt den nun gemessenen hohen Konsum auf HSG-Studenten zurück. «Ich habe schon viel gehört, dass Studenten echt gut konsumieren.» Er persönlich sei der Meinung, dass der Konsum in St. Galler Clubs schon grösser war. «Wir selber haben sicher auch viele Konsumenten», räumt er ein. Man versuche aber zu verhindern, dass im Club gedealt werde. In den vergangenen Jahren hat sich mit Online-Versandhändlern im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, ein neuer Vertriebsweg entwickelt. «In diesen Bereich müssen wir Ressourcen investieren. Das Internet organisiert alle Lebensbereiche neu, da ist es nicht verwunderlich, dass das auch den Drogenhandel betrifft», sagt Rezzoli. Ein Beispiel lieferte 2015 die Künstlergruppe Bitnik, die im Rahmen einer Ausstellung über das Darknet einen Computer selbstständig online einkaufen liess – und prompt ein Päckli Extasy-Tabletten geliefert bekam. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Ware.

Das meiste kommt im Flugzeug

In die Schweiz kommt das aus Südamerika stammende Kokain nach wie vor überwiegend auf dem Luftweg. «Entweder schlucken die Kuriere die Päckchen oder verstecken sie im Gepäck – etwa eingebaut in funktionstüchtigen Rasierschaumdosen. Der Erfindungsreichtum ist gross», sagt Kapo-Sprecher Rezzoli.

Die eidgenössische Zollverwaltung hat 2017 landesweit 118 Kilogramm Kokain sichergestellt, 2016 waren es 103. Eine Schätzung über die tatsächlich eingeführte Menge falle «nicht in die Zuständigkeit» der Zollverwaltung, zudem mache man «aus einsatztaktischen Gründen» keine Angaben über Schmuggelrouten, -gruppen und die Bedeutung des Onlinehandels.

Bei der Grenzwachtregion III, zuständig für die Kantone St. Gallen, beide Appenzell, Graubünden, Glarus und das Fürstentum Liechtenstein, spielt Kokain eine untergeordnete Rolle, erklärt Mediensprecher Martin Tschirren. «Heroin, das via Balkanroute in die Schweiz kommt, ist an Ostschweizer Grenzübergängen ein grösseres Thema.» Bedeutender sei der Schmuggel an der Nordwest- oder Südgrenze, wo das Kokain vom Atlantik her ankommt, oder eben an den Flughäfen. Die grössten Mengen würden im Tessin festgestellt. Trotzdem komme es vor, dass grössere Mengen Kokain, oft aufwendig in Autos verbaut, gefunden würden.

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