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«Ich habe nicht damit gerechnet, es gibt schönere Abgänge»: Drei St.Galler Nationalräte wurden abgewählt

Drei St.Galler Nationalräte der SVP und der CVP werden abgewählt. Speziell bitter ist es für Thomas Ammann, der Listenpech erleidet.
Marcel Elsener
Thomas Müller (SVP) versucht seine Niederlage zu erklären.Thomas Müller (SVP) versucht seine Niederlage zu erklären.
Da hoffte er noch: Thomas Ammann (CVP) im Pfalzkeller.Da hoffte er noch: Thomas Ammann (CVP) im Pfalzkeller.
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Ausgebootet von den Eigenen

Nein, sorry, nicht gesehen, nirgends. Sagen im Pfalzkeller alle, die man auf die Abgewählten anspricht. Ob sie im Pfalzkeller überhaupt auftauchen? Drei hat es erwischt, zwei von der SVP, einen von der CVP. Nicht wieder gewählt, der Sitz in Bern schlagartig weg, die bittere Pille muss geschluckt und verdaut werden. Nicht jedermanns Sache, das in aller Öffentlichkeit zu tun, auch wenn im Spiessrutenlauf allerhand Trost wartet, um nicht zu sagen Kondolenz.

«Tut mir leid, Thomas», das hört man dann, kaum ist der Jubel über die zwölf Gewählten verklungen, vielfach, aus allen möglichen Parteirichtungen und teils wohl auch von gespaltenen Zungen. Tatsächlich sind sie beide erschienen, die beiden abgewählten Thomas, der Rorschacher Müller von der SVP solo, der Rüthner Ammann von der CVP mit Gattin Gabi. Sie stellen sich nun Freund und Feind und müssen innert Minuten Sätze finden, Ansätze von Erklärungen, die im Schock halbwegs Gelassenheit vermitteln. Die dritte nicht wieder gewählte Nationalrätin, Barbara Keller Inhelder von der SVP, bleibt abwesend. Weder im Pfalzkeller noch später am Wahlhöck ihrer Partei im «Marktplätzli» wird die Kesb-Kritikerin von ennet dem Ricken gesichtet.

Müller nimmt es sportlich und spricht von Generationenwechsel

«Ich habe nicht damit gerechnet, es gibt schönere Abgänge», sagt Thomas Müller.

«Es waren lange, spannende Jahre und eine gute Lebensschule.»

Im Gegensatz zu Inhelder und Ammann, die ihren Sitz erst 2015 errangen, sitzt der Rorschacher Stadtpräsident seit 2006 im Nationalrat, zunächst für die CVP, seit seinem Parteiwechsel 2011 für die SVP. Nun habe er nach vielen gewonnenen Wahlen «halt eine verloren, es ist wie im Fussball», meint der ehemalige FC-St.Gallen-Präsident. Von Fehlern, Unterlassungen, polemischen Ausrutschern will Müller nicht reden, auch Werbung habe er genug gemacht («und teure!»), seine Nicht-Wiederwahl sei «eine innerparteiliche Sache» und eine Altersfrage: «Es ist Zeit für die nächste Generation», sagt Müller, der am 1. Dezember 67 wird und Ende Jahr als Stadtpräsident abtritt.

Am meisten reuten ihn die Millionenprojekte für Rorschach, für die er in Bern gern noch geweibelt hätte. Man solle ihn wählen, dann rede am 1. August wieder ein Bundesrat am See, hat er den Region eingetrichtert. «Nun muss ich keinen mehr bringen», lacht er etwas gequält. «Aber ich habe da schon vorgespurt.» Ein zweiter Lacher gilt seinem ersten Ersatzplatz:

«Ich würde nachrücken.»

Weitaus bitterer als für Müller, der von Esther Friedli um 2400 Stimmen abgehängt wurde, ist der Sitzverlust für Thomas Ammann. Der 55Jährige ist «überrascht und enttäuscht, ich ging von der Wiederwahl aus». Er hadert unverhohlen mit dem Pech der Süd-Ost-Liste seiner Partei: Mehr Stimmen als 2015 habe er erzielt, und 4300 Stimmen mehr als sein wiedergewählter Ratskollege Nicolo Paganini, «nun jubelt die GLP, derweil die BDP fast inexistent war». Fragwürdige Listenpartner, aber «so ist die Politik».

Ammann tröstet sich mit Heimat- Resultat und Restmandat-Pech

Er habe ein Restmandat gewonnen, nun müsse er mit dem bitteren Verlust leben, «wie damals bei Lucrezia Meier-Schatz». Der Trost geht in die ähnliche Richtung, immer wieder klopft ihm jemand auf die Schulter, «absoluter Scheiss, gewonnen und doch verloren», und ein anderer ruft «Ich zweifle nicht an deiner Person!». Ammann tröstet sich mit seinem «Topresultat» im heimatlichen Rheintal und mit dem Wissen, dass er gute Arbeit geleistet habe, «speziell in der Verkehrspolitik habe ich einiges aufgegleist, auch mit Paul Rechsteiner». Was er, Inhaber eines Beratungs- und Treuhandbüros, nun mit der gewonnenen Zeit anfangen werde, wisse er nicht. Würde ihn die St.Galler Regierung reizen? «Die Politik ist offen», sagt er, wobei er kommunale Mandate ausschliesst.

Trost spenden auch politische Gegner. Und im Fall des Rorschacher Stadtpräsidenten Stadtratskollegen, die im Pfalzkeller anwesend sind. Ronnie Ambauen, stellvertretender Stadtpräsident und selber chancenloser Nationalratskandidat der Umweltfreisinnigen, spricht von einem «herben Verlust» für die Region Rorschach: Die Stadt verliere «einen nicht zu unterschätzenden Zugang zu Themen, die auf Bundesebene ausgehandelt werden», wie Infrastrukturvorhaben oder Aggloprogramme. Etwas anders klingt es bei Guido Etterlin (SP), der seine Worte auf die Goldwaage legt:

«Damit endet die Müller-Ära abrupt. Für Rorschach wird der Fokus auf regionalen und kantonalen Themen liegen. Da bin ich sehr gespannt darauf. Ich wünsche Thomas Müller einen guten Abschluss und wer weiss, vielleicht wird er ja tatsächlich einen längeren Aufenthalt in seiner Wahlheimat Brasilien geniessen.»

Und Barbara Keller-Inhelder? In der gedämpften Stimmung des SVP-Wahlhöcks, wo auch Müller sein Bier trinkt, zucken alle nur die Schulter. Abgetaucht, nichts gehört. Sie habe gute Arbeit geleistet, «aber sich zu wenig gezeigt», sagt einer aus dem Fürstenland.

«Sie war nicht nah genug bei den Leuten, im Gegensatz zu Mike Egger und Lukas Reimann. Das ist bei uns noch wichtiger als bei den andern.»

Da konnte auch der gemeinsame Werbeauftritt mit Reimann nichts mehr ausrichten.

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