Kreisgericht St.Gallen
Drei Männer wegen Schändung angeklagt

In einem zwei Tage dauernden Prozess müssen sich zwei Somalier und ein Äthiopier wegen Schändung vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten.

Claudia Schmid
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Es fühle sich an wie eine Wunde, die nicht richtig zuwachse, sagte das Opfer vor Gericht.

Es fühle sich an wie eine Wunde, die nicht richtig zuwachse, sagte das Opfer vor Gericht.

Bild: Tinnakorn Jorruang / Eyeem / EyeEm

Den drei Beschuldigten wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 2018 in der Wohnung von einem der Männer Alkohol und Kokain konsumiert zu haben. Mit dabei war eine junge Frau, die sie tagsüber in der Stadt St.Gallen kennen gelernt hatten. Im Laufe der Nacht hatten alle drei ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem Opfer. Die Frau sei aufgrund des Alkohol- und Drogenkonsums nicht in der Lage gewesen, sich gegen den ungewollten Sex zu wehren, lautete der Vorwurf der Anklage. Einem der beiden Somalier wirft die Staatsanwaltschaft zudem vor, eine 16-jährige Bekannte vergewaltigt zu haben.

Anklage fordert hohe Haftstrafen

Die Staatsanwaltschaft beantragte für zwei Beschuldigte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und für den dritten von zwölf Jahren. Zudem seien alle mit einer Busse und einer zusätzlich mit einer Geldstrafe zu sanktionieren. Die Männer im Alter zwischen 24 und 31 Jahren seien für 15 Jahre aus der Schweiz zu verweisen.

In der Befragung des vorsitzenden Richters erzählten die drei Beschuldigten, dass sie in jungen Jahren ihre Heimat aufgrund von katastrophalen Verhältnissen im Land verlassen hätten. Alle bejahten, mit der jungen Frau Sex gehabt zu haben. Jedoch wiesen sie den Vorwurf der Schändung zurück. Niemand habe die Frau vergewaltigt. Sie habe angefangen zu tanzen, zu küssen und den Geschlechtsverkehr zu wollen. Sie sei zu keinem Zeitpunkt wehrlos oder apathisch gewesen. Am nächsten Tag sei sie zurückgekommen und habe Kokain verlangt. Sie habe gesagt, sie gehe zur Polizei, wenn sie keines erhalte.

Angezogen auf Matratze gelegt

Das Opfer wurde vom Kreisgericht als Auskunftsperson befragt. Am Tattag habe sie psychische Probleme gehabt und sich deshalb in der Stadt St.Gallen auf die Suche nach Kokain gemacht, erzählte sie. Dadurch sei der Kontakt mit den Beschuldigten entstanden. In der Wohnung des einen habe sie ziemlich viel Alkohol getrunken und Kokain geschnupft. Irgendwann sei es ihr schlecht und schwindlig geworden, körperlich sei es ihr gar nicht mehr gut gegangen. Sie habe deshalb gefragt, ob sie sich im Nebenzimmer auf die Matratze legen dürfe.

Laut ihren Aussagen lag sie angezogen auf der Matratze, als einer der Männer ins Zimmer kam und sie betatschte. Sie habe ihn weggeschoben und sich weggedreht. Es sei ihr so schlecht gewesen, dass sie nichts anderes als Ruhe gewollt habe. Zu weiteren Reaktionen sei sie aufgrund ihres Zustandes nicht in der Lage gewesen. Sie habe sich nicht wehren können, sondern sei apathisch dagelegen. Bereits in der Nacht schickte sie an Bekannte eine Textnachricht, in der sie schrieb, sie wisse nicht, ob sie zur Polizei gehen solle.

Nachdem sie das Geschehene am nächsten Morgen einer Freundin erzählt hatte, ging sie zur Polizei, ins Krankenhaus und zur Opferhilfe. Noch heute habe jene Nacht Auswirkungen, betonte sie. Es fühle sich an wie eine Wunde, die nicht richtig zuwachse.

Vergewaltigung einer Minderjährigen verneint

Schliesslich befragte das Kreisgericht die beiden Somalier zu weiteren Anklagepunkten, die nur sie betrafen. Beim jüngeren ging es um den Vorwurf der Vergewaltigung einer minderjährigen Bekannten. Es sei ein Fehler gewesen, mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben, jedoch sei sie damit einverstanden gewesen, erklärte er. Sie habe sich auf seinen Schoss gesetzt und den Sex gewollt. Er habe nicht gewusst, dass sie noch minderjährig sei. Die 16-Jährige hatte ausgesagt, sie habe wiederholt erklärt, sie wolle keinen sexuellen Kontakt und er solle aufhören.

Der zweite Beschuldigte soll im Januar 2020 rechtswidrig ohne Aufenthaltstitel oder Visum in die Schweiz eingereist sein und im Juni 2020 einem Scheinkäufer der Stadtpolizei Kokaingemisch verkauft haben. Aufgrund der vorgerückten Stunde wurden sämtliche Plädoyers von Anklage und Verteidigung auf den zweiten Prozesstag am Freitag verschoben.