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«Dr chli und dr gross Böhli»: Zu Besuch bei den Bäckerbrüdern aus Appenzell

Alfred und Markus Sutter führen die Böhli Bäckerei Appenzell in fünfter Generation. Den beiden Brüdern geht es aber nicht nur ums Brot.
Claudio Weder
Alfred und Markus Sutter, die Inhaber der Böhli Bäckerei, beschäftigen in ihrem Unternehmen rund 90 Mitarbeitende. (Bild: Benjamin Manser)

Alfred und Markus Sutter, die Inhaber der Böhli Bäckerei, beschäftigen in ihrem Unternehmen rund 90 Mitarbeitende. (Bild: Benjamin Manser)

Schon in der Schule nannte man sie «dr chlii und dr gross Böhli». Und auch heute noch sind Markus und Alfred Sutter, die Inhaber der Böhli Bäckerei Appenzell, besser unter dem Namen Böhli als unter ihrem offiziellen Familiennamen bekannt. «Woher dieser Spitzname kommt, ist nicht schlüssig erklärbar», sagt Markus Sutter, der jüngere der beiden Brüder. Schon ihre Vorfahren seien so genannt worden. Und daher ist es für die Geschwister nur ein logischer Schritt gewesen, den Traditionsbetrieb, den sie 2004 von ihren Eltern übernommen hatten und heute in fünfter Generation erfolgreich weiterführen, von Bäckerei-Konditorei-Confiserie Sutter in Böhli AG umzubenennen.

Seit der Übernahme haben Markus und Alfred Sutter den Betrieb kontinuierlich weiterentwickelt. So gehören heute neben der Stammfiliale an der Engelgasse in Appenzell auch eine Filiale am Brauereiplatz – das «Krönli» – sowie Filialen in Gais, Teufen und Speicher zum Unternehmen. Jüngstes Mitglied im Bunde ist die im April eröffnete Filiale inklusive Café und Schaubäckerei im Coop in Appenzell. An den sechs Verkaufs- und den zwei Produktionsstandorten beschäftigen Alfred und Markus Sutter zurzeit rund 90 Mitarbeitende.

Produkte aus der Region

«Die Kundenbedürfnisse haben sich rapide gewandelt», sagt Markus Sutter. So sei der Kunde von heute beim Einkaufen viel spontaner und gehe nicht mehr nur am Samstag einkaufen. Auch die gute Erreichbarkeit der Lebensmittelläden sei zunehmend wichtiger geworden: «Der Kunde will möglichst alles an einem Ort einkaufen können», sagt Alfred Sutter. Dies sei auch einer der Gründe gewesen, eine neue Filiale im Coop in Appenzell zu eröffnen. «Wir gehen dorthin, wo unsere Kunden sind», so die Strategie der Böhli-Brüder.

Eine ähnliche Überlegung führte 2018 zur Eröffnung der Filiale in Speicher, welche Bäckerei und Metzgerei in einem Laden vereint. Durch die Kooperation mit dem lokalen Gewerbe, wie Metzgereien, ergebe sich ein doppelter Mehrwert:

«Unsere Kunden müssen für den täglichen Einkauf keine weiten Strecken mehr zurücklegen – gleichzeitig können wir durch die lokale Vernetzung die Wertschöpfung im Kanton behalten.»

Die Regionalität und Natürlichkeit der Produkte sind ein wesentlicher Bestandteil der Böhli-Philosophie. Ob Rahm, Butter oder Eier – alles stammt aus der Region. Dazu gehört auch der Appenzeller Dinkel, mit dem sich das Unternehmen vor drei Jahren eine Art Alleinstellungsmerkmal geschaffen hat. «Seit den Kriegsjahren wurde in Appenzell kein Ackerbau mehr betrieben», erzählt Alfred Sutter. So kamen die Brüder auf die Idee, eine eigene Dinkelproduktion im Appenzellerland auf die Beine zu stellen.

«Im Jahr 2015 hat ein Bauer aus Haslen für uns erstmals Appenzeller Dinkel gesät», sagt Alfred Sutter. Bereits ein Jahr später konnten die Brüder fünf weitere lokale Bauern von dieser Idee begeistern, 2018 waren es bereits 13. «Für die diesjährige Ernte sind zehn Hektaren Appenzeller Dinkel in der Erde», so Sutter.

Ur-Dinkel ist ein altes Weizenkorn, das erst vor rund 20 Jahren wiederentdeckt wurde. Es steht im Ruf, besonders verträglich und reich an Vitaminen und Nährstoffen zu sein. «Das Geheimnis eines guten Dinkelbrotes ist unter anderem die lange Teigruhe: Wir lassen den Vorteig – den Hebel – über Nacht ruhen, damit sich das volle Aroma entfalten kann», verrät Alfred Sutter.

Dinkel dient der Bäckerei Böhli derweil aber nicht nur als Grundlage für Dinkelbrot, sondern auch für weitere Produkte wie Teigwaren, «Chrömli» oder Grissini.

Gründung einer IG geplant

Alfred Sutter ist 46 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Markus Sutter ist drei Jahre jünger und hat drei Kinder. Für die beiden Brüder war schon immer klar gewesen, welchen beruflichen Weg sie einmal einschlagen werden. «Dadurch, dass wir als Kinder viel im elterlichen Betrieb mithelfen konnten, durften wir schon früh die Schönheit des Bäckerberufes kennen lernen», sagt Markus Sutter.

Zwei Brüder als Geschäftsführer im selben Betrieb – funktioniert das? «Zwischen Brüdern verläuft bekanntlich nicht immer alles harmonisch. Aber wir kennen uns schon ein Leben lang und haben dadurch ein gewisses Urvertrauen zueinander», erzählt Alfred Sutter und lacht. «Zudem ergänzen wir uns gut – jeder hat in einem bestimmten Bereich seine Stärke.» Heute ist Alfred Sutter verantwortlich für die beiden Produktionsbetriebe, sein Bruder Markus ist verantwortlich für den Verkauf.

In Zukunft wollen die Sutters den Appenzeller Ackerbau weiter vorantreiben. Neben dem Dinkel sollen auch andere Getreidesorten wie Emmer oder Bergroggen angepflanzt werden. Zudem soll noch in diesem Jahr eine Interessensgemeinschaft (IG) Appenzeller Ackerbau gegründet werden. «In dieser Gemeinschaft werden alle Vertreter der Wertschöpfungskette dabei sein – vom Bäcker, über die Landwirte bis hin zum Landwirtschaftsamt», sagt Alfred Sutter. Die IG soll vor allem den Appenzeller Bauern als Informationsstelle zum Thema Ackerbau dienen.

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