Dort Vorbild, hier Sparopfer

Kein Geld für eine Erfolgsgeschichte: Mit «Smartconnection» entwickelte St. Gallen ein Projekt gegen den Alkoholkonsum von Jugendlichen. So erfolgreich, dass es von anderen Kantonen und sogar von Holland übernommen wurde.

Andreas Kneubühler
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Mit «Smartconnection» animierte der Kanton Jugendliche erfolgreich dazu, weniger Alkohol zu trinken. (Bild: ky)

Mit «Smartconnection» animierte der Kanton Jugendliche erfolgreich dazu, weniger Alkohol zu trinken. (Bild: ky)

Eigentlich ist es eine St. Galler Erfolgsgeschichte – allerdings eine mit einem abrupten Ende. Gemeint ist das von der kantonalen Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung Zepra entwickelte Projekt Smartconnection.

Das Angebot funktioniert nach dem Anreizsystem: Jugendliche, die auf Parties oder an Festen ihren Alkoholkonsum im Griff haben, also wenig oder gar nichts trinken, werden mit Punkten belohnt, mit denen sie über die Webseite von Smartconnection Preise gewinnen können. Zum Konzept gehört eine Bar, an der alkoholfreie Getränke angeboten werden, und ein Kontrollsystem mit je nach Altersstufe unterschiedlich farbigen Plastikarmbändern. Am Schluss der Veranstaltung wird kontrolliert: Nur wer beim Blastest weniger als 0,3 Promille ausweist, bekommt Punkte.

Andere Kantone springen auf

2008 gewann Smartconnection den Zukunftsaward des Instituts von Matthias Horx in der Kategorie «Beste soziale Innovation 2008 in Europa» – gegen Konkurrenten wie Opel oder Ciba. Im gleichen Jahr wurde das Projekt für die Swiss Marketing Trophy nominiert. Das auf das Ausgangs- und Konsumverhalten der Jugendlichen abgestimmte Konzept entwickelte sich zu einem Exportschlager. Es wird seit 2007 in Graubünden eingesetzt. Auch der Kanton Thurgau, Vorarlberg oder das Fürstentum Liechtenstein haben das Konzept übernommen. Das Projekt hat sich inzwischen vielerorts etabliert: In Weinfelden werden künftig Grossanlässe nur noch bewilligt, wenn die Veranstalter die Barkeeper in eine obligatorische Schulung schicken – oder Smartconnection umsetzen.

Interessenten aus dem Ausland

Das St. Galler Präventionsprojekt überzeugt nicht nur in den Nachbarkantonen. Interesse gebe es auch auf der deutschen Seite des Bodensees, weiss Roman Wüst, Generalsekretär des Gesundheitsdepartements des Kantons St. Gallen.

Doch damit nicht genug: Mitte März wurde bekannt, dass sogar die holländische Präventionsorganisation Tactus das Konzept kaufen und es landesweit einführen will.

Alkoholkonsum bleibt Thema

Damit kommt es zur fast schon absurden Situation, dass Smartconnection in der Bodenseeregion und sogar in Holland eingesetzt wird, aber nicht mehr im Kanton St. Gallen. Der Grund: Der Kantonsrat hat im Februar mit der Verzichtsplanung die Gelder für Smartconnection ab 2013 gestrichen: 100 000 Franken pro Jahr.

Das Projekt stand bereits auf der Liste der Sparvorschläge, die die Regierung ausgearbeitet hat. Wieso? Es seien innerhalb des Departements alle Aufgaben durchforstet worden, erklärt Roman Wüst. «Wenn man einen solchen Sparauftrag hat, dann trifft es auch Bereiche, bei denen man nicht gerne einspart», so Wüst. Smartconnection sei ein Projekt, das Mittel benötige, begründet er. Man sei sich allerdings bewusst, dass Alkoholismus unter Jugendlichen ein wichtiges Thema bleibe, versichert der Generalsekretär.

Dies belegt unter anderem eine letzte Woche vorgestellte Studie, die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit ausgearbeitet wurde. Danach trinken rund 25 Prozent der 15jährigen Buben mindestens einmal wöchentlich Alkohol – meistens an Parties oder im Freundeskreis. Bei den Mädchen liegt die Quote bei 13 Prozent. Dies erstaune, denn an Jugendliche unter 16 Jahren dürfe kein Alkohol abgegeben werden, heisst es in der Studie.

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