Kleine Gemeinden rund um den Bodensee gehen ihre Probleme gemeinsam an

Verdichtetes Bauen, Wohnen im Alter, Digitalisierung – das sind die grössten Herausforderungen der kleinen Gemeinden um den Bodensee. Lösungen wollen einige von ihnen über die Grenzen hinweg finden.

Katharina Brenner
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Der Blick vom deutschen Seeufer in Langenargen auf den Alpstein. (Bild: Alexander Kendzierski/Getty)

Der Blick vom deutschen Seeufer in Langenargen auf den Alpstein. (Bild: Alexander Kendzierski/Getty)

Bald wird Muolen «gar international wahrnehmbar», freut sich Gemeindepräsident Bernhard Keller. 1192 Einwohner und 1391 Milchkühe (so viele wie keine andere Gemeinde rund um St.Gallen) zählt Muolen, 492 Meter über Meer mit Blick über den Bodensee. Im September werden Bürgermeister aus Vorarlberg, Baden-Württemberg, Experten und Ostschweizer Gemeindepräsidenten in der Gemeinde zu Gast sein und über verdichtetes Bauen sprechen.

Das Thema beschäftigt nicht nur Muolen mit seinen Einfamilienhausquartieren, sondern auch die meisten anderen Dörfer am Bodensee und in dessen Hinterland, wie eine Umfrage in Vorarlberg, Baden-Württemberg, den Kantonen St.Gallen, Thurgau und Ausserrhoden zeigt. Hinter dem Projekt stehen das ­Ostschweizer Zentrum für Gemeinden der Fachhochschule St.Gallen sowie Vereine für ländliche Entwicklung aus Vorarlberg und dem deutschen Bodenseeraum.

Drei Dorfgespräche zu drängenden Themen

108 Gemeinden haben in der Umfrage von ihren Herausforderungen berichtet. Die häufigste: Siedlungsgrenzen halten, gefolgt von Wohnen im Alter, Dorf und Digitalisierung. Bei insgesamt drei Dorfgesprächen werden diese Themen mit Vertretern aus Gemeinden, Hochschulen und Institutionen angegangen.

Das erste zu Wohnen im Alter ist am Dienstag in Doren im Bregenzerwald, 711 Meter über Meer, 1095 Einwohner. Der Ort bewirbt sich «als einer der sonnigsten im Lande Vorarlberg». Eine Dorfführung wird die Teilnehmer zu dem Haus im Zen­trum bringen, das die Gemeinde barrierefrei und behindertengerecht gebaut hat, mit zehn Wohnungen und einem Nahversorger im Erdgeschoss. «Jung und Alt» helfen sich dort aus, sagt Bürgermeister Guido Flatz.

Bisher wenig bekannt darüber, was Dörfer bewegt

In der Umfrage berichten andere Gemeinden von erfolgreichen Seniorenzentren, aber auch von Pflegezentren, die aus Kostengründen abgelehnt wurden. Flatz findet:

«Ein Austausch von Ideen und Visionen für zukünftige Entwicklungen ist dringend notwendig.»
Lineo Devecchi, Co-Leiter des Ostschweizer Zentrums für Gemeinden (Bild: PD)

Lineo Devecchi, Co-Leiter des Ostschweizer Zentrums für Gemeinden (Bild: PD)

Ziel des Projekts sei kollegiales Lernen und der Aufbau eines Netzwerks, sagt Lineo Devecchi, Co-Leiter des Ostschweizer Zentrums für Gemeinden. Ihn hat überrascht, wie gross die Gemeinsamkeiten sind «über Systemgrenzen hinweg». Devecchi und sein Team haben vor allem Gemeinden mit weniger als 6000 Einwohnern befragt. Über die Herausforderungen von Städten wisse man viel, aber kaum, was die Dörfer in dieser Region mit ihren vielen Zuzügern bewege.

Zur künftigen Entwicklung dieser Gemeinden sagt Devecchi: Menschen engagieren sich eher, wenn sie dort wohnen, wo sie wohnen wollen. Je vernetzter die Welt wird, desto wichtiger werde das Identitätsstiftende im Lokalen. «Irgendwo muss der Mensch daheim sein.»

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