Doppelmord: Urteil bestätigt

Das Kantonsgericht hat die Berufung eines Kosovaren abgewiesen, der 2008 zwei Landsleute erschoss. Es bleibt damit bei 18 Jahren Freiheitsentzug.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Der 52jährige Beschuldigte stand am Montag vor dem Kantonsgericht St. Gallen (Tagblatt von gestern). Gestern hat die Strafkammer nun ihren Entscheid veröffentlicht. Mit der Bestätigung des Urteils der ersten Instanz muss der Kosovare die Kosten des Berufungsverfahrens bezahlen. Sie belaufen sich auf rund 15 000 Franken.

Tötung statt Mord

Der Beschuldigte hatte in der Verhandlung die Tat nicht bestritten. Auch anerkannte er die Genugtuungssummen für die Hinterbliebenen der beiden Opfer, zu deren Zahlung ihn das Kreisgericht Wil verpflichtet hatte. Hingegen verlangte er, dass der Vorwurf des mehrfachen Mordes und des versuchten Mordes fallengelassen wird. Stattdessen sei er lediglich der mehrfachen vorsätzlichen Tötung, des Raufhandels und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig zu sprechen.

Der Verteidiger beantragte ein Strafmass von höchstens zwölf Jahren Freiheitsentzug für seinen Mandanten. Die 18 Jahre, welche die erste Instanz ausgesprochen habe, seien zu hoch. Als Vergleich erinnerte er an den Fall eines Ehemannes, der seine Frau überfahren und mit einer Eisenstange erschlagen hatte. Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Mann im Sommer zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren. Der kosovarische Staatsangehörige habe die Tat geplant und sei äusserst kaltblütig vorgegangen, betonte der Anwalt.

Mildere Strafe abgewiesen

Dies treffe auf seinen Mandanten nicht zu. Vielmehr sei die Situation am Bahnhof Wil beim Zusammentreffen der verfeindeten Familien eskaliert. Bestritten wurde zudem, dass er auch auf den flüchtenden Zwillingsbruder des getöteten Jugendlichen geschossen hat. Das Kantonsgericht folgte der Argumentation der Verteidigung nicht und hiess den Antrag der Staatsanwaltschaft und der Rechtsvertreterin der Opferfamilie gut. Diese hatten auf Abweisung der Berufung plädiert. Der Beschuldigte sei bei der Tat besonders skrupellos vorgegangen, betonten sie.

Zwischen den beiden kosovarischen Familien kam es wiederholt zu Drohungen, Beschimpfungen und Schlägereien. Ursprung soll ein Streit zwischen einem der Söhne des Beschuldigten und den Zwillingssöhnen des Opfers gewesen sein. Am 3. Mai 2008 trafen drei Mitglieder der einen und fünf der anderen Familie aufeinander. Die späteren Opfer bremsten ihre Gegner mit dem Auto aus und gingen mit Schlagstöcken auf sie los. Der Beschuldigte zog eine Waffe und schoss. Zurück blieben zwei Tote. Der Vater und einer seiner Söhne starben durch Schüsse aus nächster Nähe.