Wieder an der Paracelsus-Klinik: Dr. Rau kehrt zurück

Vor einem knappen Jahr musste der Alternativmediziner Thomas Rau die Paracelsus-Klinik in Niederteufen verlassen, die er einst selber gegründet hatte. Jetzt feiert er eine überraschende Rückkehr.

Andri Rostetter
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Ein Star in der Welt der Alternativmedizin: Thomas Rau. (Bild: Ralph Ribi (Niederteufen, 23. März 2017))

Ein Star in der Welt der Alternativmedizin: Thomas Rau. (Bild: Ralph Ribi (Niederteufen, 23. März 2017))

Thomas Rau zählt zu den internationalen Stars der Alternativmedizin. Zu seinen Kunden in der privaten Paracelsus-Klinik in Niederteufen zählen Royals, Wirtschaftsführer und Hollywood-Schauspieler. Der 2010 verstorbene Manager der legendären britischen Punkband Sex Pistols, Malcolm McLaren, liess sich in Niederteufen behandeln, Prinz Sadruddin Aga Khan ebenso. Schauspieler Robert De Niros Sohn war ein Patient der Klinik, und Meryl Streep soll sich in der Lustmühle verjüngenden Behandlungen unterzogen haben.

Rau kommentierte solche Gerüchte jeweils mit einem Lächeln. Wer von ihm Informationen wollte, die über sein Fachgebiet hinausgingen, bekam sie ­selten. So ging es auch den Mitarbeitenden der Paracelsus-Klinik, als an einem internen Informationsanlass am vergangenen Dienstag überraschend Thomas Rau vor ihnen stand. Rau war vor neun Monaten als Klinikchef überraschend abgesetzt worden.

Praxis «für spezielle Patienten»

«Ab dem 30.06.2018 wird die Tätigkeit von Herrn Dr. Rau in der Paracelsus Clinic als Ärztlicher Direktor beendet sein», hiess es damals im Newsletter. Rau werde sich «im Rahmen der Weiterentwicklung der Biologischen Medizin in der international tätigen Huapont Life Sciences Co Ltd. neuen Herausforderungen stellen». Zudem werde er künftig eine «kleine Praxis ausserhalb der Paracelsus Clinic» führen – «für spezielle Patienten». Als Nachfolger wurde Stefan Rupp installiert, Arzt mit Praxis in Abtwil und Paracelsus-Vergangenheit. Rupp war von 2012 bis 2016 in Niederteufen Oberarzt mit den Spezialgebieten Onkologie, Immunologie und Schmerztherapie gewesen.

In der neuen Praxis von Kunden überrannt

Am Dienstag präsentierte sich Rau den verblüfften Mitarbeitenden als neuer alter Klinikdirektor. Schon vier Tage zuvor war in der Klinik ein Schreiben zirkuliert, das die Absetzung der Geschäftsleitung ankündigte.

Was war passiert? Nach seiner Absetzung gründete Rau die Firma Swiss Biological Medical Center (SBMC) und eröffnete in Teufen eine Ausbildungspraxis. Die Paracelsus-Klinik bekam derweil Raus Abgang zu spüren. Es kam anscheinend zu einem massiven Rückgang der Patientenzahlen. Gleichzeitig florierte Raus Praxis in Teufen derart, dass er für den Geschäftssitz Büroräume in Niederteufen anmieten musste und zehn Leute einstellte, wie er auf Anfrage sagt. «Wir wurden überrannt.»

Der Kampf gegen negative Schlagzeilen

Raus Werdegang ist mit der Paracelsus-Klinik eng verbunden. Ab 1992 war er medizinischer Direktor und Teilhaber. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Klinik zur Goldgrube. Nach eigenen Angaben generierte die Paracelsus-Klinik mit 75000 registrierten Patienten in der Region 11000 Übernachtungen pro Jahr.

Immer wieder hatte die Klinik mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen. Spektakulär war der Fall von Aga Khan. Der Sohn des pakistanischen Fürsten hielt sich zwischen 2001 und 2003 mehrmals in der Klinik auf, im Frühling 2003 starb er in den USA an einer Infektion. Die Beziehung mündete in einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen den Nachkommen Khans und der Klinik. Ein Gutachter kam zum Schluss, dass die Klinik nicht zugelassene Medikamente verwendet hatte. Der Fall verjährte, bevor es zu einem Urteil kam.

2014 geriet der Malaysier Mike Chan, damals Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident der Paracelsus-Klinik, ins Visier der Arzneimittelbehörde. Chan vertrieb mit seiner Firma Lab Dom in Genf Produkte mit Frischzellen von Schafen. Im Strudel der Untersuchungen geriet auch Rau in den Verdacht, seinen Patienten unerlaubte Heilmittel verabreicht zu haben. Es kam zu Hausdurchsuchungen, der Fall landete vor Gericht. Die Klinik distanzierte sich von Chan, die Geschäftsbeziehung wurde schon im Mai 2014 beendet.

Neue Kliniken von Italien bis Vietnam

Vor wenigen Tagen entlastete das Bundesgericht den Mediziner. Bei den fraglichen Präparaten handle es sich um sogenannte Magistralrezepturen, die in Ausführung einer ärztlichen Verschreibung für eine bestimmte Person oder einen bestimmten Personenkreis in einer Apotheke hergestellt würden, urteilte das Gericht. Gemäss Heilmittelgesetz benötigen Magistralrezepturen keine Zulassung.

Im Jahr 2016 übernahm der chinesische Milliardenkonzern Huapont Pharmaceuticals die Paracelsus-Klinik zu 70 Prozent. In Niederteufen war plötzlich von Expansionsplänen die Rede, von Standorten in China, Vietnam, Malaysia, Italien und Zypern. Rau war als medizinischer Direktor für das weltumspannende Netz von Franchising-Kliniken vorgesehen. Neuer Chefarzt der Klinik wurde Geoffrey Hürtgen, ein Spezialist für Stammzellentherapien. Hürtgen praktiziert mittlerweile in Basel.

«Administrative Änderungen»

Jetzt, wenige Tage vor seinem 69. Geburtstag, steht Rau wieder an der Spitze der Klinik. Der chinesische Mutterkonzern hat ihn zurückgeholt, zusammen mit Ex-Verwaltungsratspräsident Victor Teo, und die komplette Geschäftsleitung per sofort abgesetzt. Zwei weitere Mitarbeiter mussten ebenfalls gehen, offiziell wegen Umstrukturierungen.

Geführt wird die Klinik ab sofort von einer Interimsleitung unter Teo, Rau und dessen Sohn Felix, einem gelernten Betriebswirtschafter. Raus neue Firma wird in die Paracelsus-Klinik integriert, die zehn Mitarbeitenden werden übernommen. Von diesen «administrativen Änderungen» abgesehen werde sich in der Klinik nichts ändern, sagt Rau. Auch weitere Entlassungen werde es nicht geben.

Keine Stellungnahme

Unter dem neuen Team soll die Klinik deutlich an Glanz verloren haben, nicht zuletzt finanziell, wie es aus dem Umfeld der Klinik heisst. Rau kommentiert dies nicht. Mitarbeitende bestätigen indes, die Zahlen der Klinik seien am Informationsanlass thematisiert worden. Unter anderem sei gefragt worden, wie es der Klinik finanziell gehe, und wie Rau diese wieder zum Erfolg zu führen gedenke. Rau habe darauf keine oder nur sibyllinische Antworten geliefert. Auf die konkrete Frage, wie rot denn die Zahlen seien, soll Rau gesagt haben: «Rot ist eine Farbe, die vielen Leuten gefällt.» Die abgesetzte Klinikleitung war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.