Doch kein Handgranaten-Dieb

Ein Obergefreiter wurde verdächtigt, zwölf Handgranaten in Gossau gestohlen zu haben. Das Militärappellationsgericht hat den Mann nun freigesprochen.

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GOSSAU. Das Militärgericht in Chur sprach im vergangenen Frühling einen Obergefreiten aus Winterthur schuldig. Er war verdächtigt worden, im Jahr 2012 zwölf Handgranaten aus einer Munitionskiste der Infanterie-Rekrutenschule 11 in Neuchlen-Anschwilen bei Gossau gestohlen zu haben.

Aus Armee ausgeschlossen

Das Militärgericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 30 Franken. Zudem sollte er die Verfahrenskosten von 33 000 Franken übernehmen. Aus der Armee wurde er ausgeschlossen.

Wie die Sonntagszeitung nun berichtet, hat der Obergefreite den Fall weitergezogen und bei der nächsten Instanz Gehör gefunden. Das Militärappellationsgericht hat ihn kürzlich freigesprochen. Die schriftliche Begründung liegt gemäss Tobias Kühne, Sprecher der Militärjustiz, noch nicht vor. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bleibt es beim Freispruch, wird auch der Ausschluss aus der Armee nicht rechtskräftig. Der Mann könnte sogar wieder Dienst leisten, wie sie Sonntagszeitung schreibt.

Steine anstatt Granaten

Der Obergefreite, der sich zur Zeit des Diebstahls als Unteroffizier ausbilden liess, bestritt vor Gericht von Anfang an, etwas mit dem Verschwinden der zwölf Explosiv-Übungshandgranaten EUHG 85 zu tun zu haben. Er war für insgesamt 17 plombierten Handgranatenkisten verantwortlich. Dies, bis zu jenem Tag im Herbst 2012, als Rekruten statt der Handgranaten lediglich Steine in der Munitionskiste fanden.

Nie ein Geständnis

Die Handgranaten blieben verschwunden, obwohl die Militärpolizei den Waffenplatz mit Sprengstoff-Spürhunden absuchte. Drei Tage nach der Entdeckung des Diebstahls wurde der Obergefreite von der Militärpolizei verhaftet. Nach seiner Festnahme sass er 75 Tage in Untersuchungshaft. Von den Handgranaten fehlt bis heute jede Spur. Einen Einbruch hielt die Armee für unmöglich, da die Magazine, in denen die Sprengstoffe lagern, speziell gegen Diebstahl gesichert sind. So hatte auch das Depot auf dem Breitfeld eine Panzertür mit mehreren Schlössern. (nar)