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Diskussion um St.Galler Spitäler neu lanciert: Privatkliniken buhlen um Flawil

Eine Waadtländer Privatklinikgruppe interessiert sich für das Spital Flawil. Die Berit-Klinik tat das auch – fiel mit ihrem Konzept aber durch.
Jürg Ackermann, Regula Weik, Christoph Zweili
Der Einsatz des Gemeinderats zeigt Wirkung: Eine Privatklinikgruppe zeigt Interesse am Landspital Flawil. (Bild: Ralph Ribi)

Der Einsatz des Gemeinderats zeigt Wirkung: Eine Privatklinikgruppe zeigt Interesse am Landspital Flawil. (Bild: Ralph Ribi)

In wenigen Tagen will die St. Galler Regierung darlegen, wie sie die Zukunft der Spitäler im Kanton sieht. Nun wird öffentlich, welche beiden privaten Kaufangebote die Politische Gemeinde Flawil dem Lenkungsausschuss unterbreitet hat. Laut «NZZ am Sonntag» soll sich die zweitgrösste Schweizer Privatklinikgruppe Swiss Medical Network für das Regionalspital interessieren. Die Waadtländer Klinikgruppe bestätigt dies. Das Spital Flawil sei «wie andere Spitäler auch» interessant, «da es sich um ein Spital mit einer starken regionalen Präsenz handelt, das Pflegeleistungen in verschiedenen Bereichen anbietet», heisst es auf Anfrage.

Doch wer ist die zweite Privatklinik, die an einer Übernahme von Flawil interessiert ist? Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, hat auch die Berit-Klinik in Speicher ein Grobkonzept für Flawil unterbreitet. «Ich kann bestätigen, dass uns Standorte wie Flawil grundsätzlich interessieren, weil sie zu unserer zukünftigen Strategie passen würden», sagt CEO Peder Koch. Die Berit-Klinik ist bei Hüft- und Kniegelenkimplantaten dank hoher Fallzahlen und Qualität mittlerweile die Nummer 1 in der Ostschweiz.

Berit weg, Westschweizer weiter im Rennen

Gemäss gut unterrichteter Quelle ist der Lenkungsausschuss auf das Konzept der Berit-Klinik aber nicht eingegangen, jenes der Westschweizer Gruppe will er dagegen weiter verfolgen. Weshalb einem in der Ostschweiz unbekannten, börsenkotierten Unternehmen gegenüber einer lokal verankerten Spital-Gruppe der Vorzug gegeben werden soll, dürfte noch Fragen aufwerfen und zu heissen politische Diskussionen führen.

Anders als die Berit-Klinik hat sich die ebenfalls in der Ostschweiz tätige Privatklinikgruppe Hirslanden nicht für Flawil interessiert. Die Gruppe sei «in der Region bereits gut positioniert» und baue aktuell die Klinik Stephanshorn in St. Gallen «zu einem stationären und ambulanten Campus» aus. Hirslanden hat bislang schweizweit noch kein öffentliches Spital übernommen. Die Gruppe ist aber bereits zahlreiche Kooperationen mit öffentlichen Spitälern eingegangen – dies seien «interessante Optionen», heisst es auf Anfrage. Kooperationen, potenzielle Zukäufe oder die Übernahme von Managementaufträgen für öffentliche Spitäler würden in allen Teilen der Schweiz «laufend geprüft».

Elmar Metzger.

Elmar Metzger.

Der Flawiler Gemeindepräsident Elmar Metzger hatte bereits Anfang Jahr bekannt gegeben, der Gemeinderat suche aktiv nach Kaufinteressenten fürs Spital. Er strecke dabei die Fühler auch Richtung Privatkliniken aus. Dabei sei der Gemeinderat Türöffner, nicht Verhandlungspartner.

Für Metzger ist das Spital Flawil «eine Perle». Das gelte für die Liegenschaft, die Zusammenarbeit mit Hausärzten und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Private Anbieter hätten denn auch rasch gemerkt, dass sich hier etwas realisieren liesse. «Es gibt mehrere Interessenten, die das Spital übernehmen und weiterführen wollen», sagt Metzger. Diese privaten Anbieter hätten konkrete Konzepte und Angebote entwickelt, teilweise zusammen mit den niedergelassenen Hausärzten von Gossau bis Uzwil und von Degersheim bis Oberbüren.

Ist der Gemeindepräsident überzeugt, dass ein privater Anbieter ernsthaft daran interessiert ist, das Regionalspital weiter zu betreiben? Metzger bejaht und sagt: «Eine Privatklinikgruppe ist auch bereit, einen Notfallbetrieb aufrecht zu erhalten.» Der Flawiler Gemeinderat stehe Veränderungen in der Spitallandschaft des Kantons nicht per se negativ gegenüber, fügt Metzger an. Diese werde es geben, auch in Flawil. Doch: «Der Kanton hat über die Spitalliste immer noch die Hoheit darüber, welche Leistungen angeboten werden.»

SP-Präsident: «Das ist doch ein Wahnsinn»

Max Lemmenmeier.

Max Lemmenmeier.

Max Lemmenmeier, Präsident der St. Galler SP, warnt davor: Es sei ein «Irrglaube» zu meinen, ein privater Investor würde dieselbe Grundversorgung bieten wie ein öffentliches Spital. «Eine Privatklinikgruppe wird nie die gesamte Angebotspalette und wohl auch kaum das gesamte Personal übernehmen.» Die Waadtländer Klinikgruppe Swiss Medical Network, die in Flawil angeblich Altersmedizin anbieten will, schaffe damit eine direkte Konkurrenz zur Geriatrie in St. Gallen. «Es ist doch ein Wahnsinn», so Lemmenmeier weiter, «da reden wir von Überangeboten und davon, dass es im Kanton zu viel Spitäler gebe, und gleichzeitig gehen wir hin und verkaufen ein gut ausgerüstetes Spital an eine Privatklinikgruppe und verschärfen dadurch die Situation der öffentlichen Spitäler zusätzlich.» Die SP lehne den Verkauf öffentlicher Spitäler an Private vehement ab, Spezialisierungen sollten die öffentlichen Spitäler selbst an die Hand nehmen.

Heidi Hanselmann.

Heidi Hanselmann.

Die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann bestätigt in ihrer Funktion als Präsidentin des Lenkungsausschusses, der Gemeinderat Flawil habe das Interesse von Privaten deponiert. Es seien «einige wenige Privatanbieter», die sich gemeldet hätten. Diese «Interessensbekundungen» würden «in die Analyse und die Entscheidfindung» einbezogen. Zur Idee, öffentliche Spitäler mit Privaten betreiben zu wollen, werde sich die Regierung bei der Präsentation der Spitalstrategie äussern.

Privatklinikgruppe auf Expansionskurs

Die Privatklinikgruppe SMN mit Sitz in Genolier, eine Tochter der Aevis Victoria, ist auf Expansionskurs, sie will das Portfolio auf 20 bis 25 Kliniken erhöhen. Aktuell betreibt das Unternehmen 19 Kliniken – 9 in der französischen, 8 in der deutschen und 2 in der italienischen Schweiz. In der Ostschweiz ist sie bisher einzig mit der Rosenklinik Rapperswil vertreten, eine Zusammenarbeit mit der Klinik St. Georg in Goldach scheiterte 2018. In der Liste der Verwaltungsräte sind auffällig viele Politiker präsent: Dazu gehört etwa alt Bundesrat Joseph Deiss. Im Verwaltungsrat der Holding sitzen alt Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold und Ex-Parteipräsident Fulvio Pelli. (cz)

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