Diskriminierung
Werden in der St.Galler Staatsverwaltung Männer diskriminiert?

Mehrere Mitglieder des St.Galler Kantonsparlaments vermuten eine Benachteiligung von Männern in der Staatsverwaltung. Was es mit der Diskriminierung der Männer auf sich hat, erklärt die Regierung in ihren Antworten auf parlamentarische Vorstösse.

Regula Weik
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Müssen in St.Gallen bald auch die Männer für ihre Gleichstellung demontrieren?

Müssen in St.Gallen bald auch die Männer für ihre Gleichstellung demontrieren?



Bild: Chris Iseli

Es ist ein Satz. Geäussert von einer Frau über Frauen. Doch der Satz hat es in sich. Er löst Verwirrung, Verunsicherung und Ärger aus. Der Satz stammt von Danuta Zemp, geäussert hat ihn die St. Galler Kantonsärztin in einem Porträt über sie in dieser Zeitung. Zemp bezeichnet sich darin als Feministin. Und sie geht noch einen Schritt weiter: Als Feministin habe sie in ihrem Amt nur Frauen angestellt. Denn noch immer hätten Frauen beruflich nicht die gleichen Chancen und müssten gleichzeitig mit der moralischen Last umgehen, Super-Mütter zu sein.

Danuta Zemp, St.Galler Kantonsärztin.

Danuta Zemp, St.Galler Kantonsärztin.

Bild: Arthur Gamsa

Den zweiten Satz dürften viele Frauen unterschreiben – und auch einige Männer. Die erste Aussage dagegen hat zwei Vorstösse im Kantonsparlament ausgelöst. Stellt die Kantonsärztin aus Prinzip keine Männer an? Werden in den Stellenausschreibungen explizit nur Frauen angesprochen?

Kantonsrätin Katrin Frick und Kantonsrat Jens Jäger, beide FDP, wollen es genau wissen. Sie verlangen in ihrem Vorstoss auch Auskunft darüber, ob es üblich sei, dass «die politische Gesinnung einer leitenden Angestellten Einfluss auf deren Personalpolitik» habe. Es geht ihnen ganz direkt um die Frage, ob Männer im Kantonsarztamt oder in andern Ämtern des Gesundheitsdepartements diskriminiert werden und falls dem so ist, ob die Regierung zu rechtlichen Konsequenzen bereit ist.

«Ausdruck eines militanten Feminismus»

Auch die SVP-Fraktion treiben solche und weiterreichende Fragen um. Sie hat fast zeitgleich einen Vorstoss eingereicht mit der Überschrift «Systematische Diskriminierung von Männern beim Kanton?». Sie glaubt festzustellen, dass sich «gegen Männer gerichtete diskriminierende Tendenzen» ausbreiten. Die Aussage der Kantonsärztin wie auch die Forderung dreier Kantonsrätinnen, während eines halben Sessionstags den Männern ein Redeverbot zu erteilen, seien «Ausdruck eines militanten Feminismus».

Nun liegen die Antworten der Regierung auf die beiden Vorstösse vor. Sie hält fest:

«Die Aussage der Kantonsärztin sei Ausdruck einer breiten Sensibilisierung für gleichstellungspolitische Anliegen und nicht Form einer systematischen Diskriminierung von Männern.»

Die Regierung setze sich gegen jegliche Form von Diskriminierung ein. Die eigene politische Grundhaltung spiele demgegenüber keine Rolle. Der Kanton achte als Arbeitgeber auf Chancengleichheit und Gleichbehandlung. So seien auch die Stellenausschreibungen für das Kantonsarztamt geschlechtsneutral formuliert gewesen.

Sekretariat und Teilzeit: Kein Ansturm von Männern

Derzeit sind elf Personen im Kantonsarztamt angestellt. Danuta Zemp ist seit Anfang 2017 Kantonsärztin. Seither wurden drei Personen angestellt – drei Frauen. Es handelte sich dabei um Sachbearbeitungsaufgaben und die Stellvertretung der Kantonsärztin (Pensum 50 Prozent). Die Regierung hält dazu fest:

«Erfahrungsgemäss bewerben sich auf Stellen im Sekretariatsbereich und auf Teilzeitstellen deutlich mehr Frauen als Männer.»

Der Anteil Bewerbungen von Männern auf die Sekretariatsstelle habe 10, jener auf die Stellvertretung 30 Prozent betragen.

In den Fraktionen, aus denen die sich um die Diskriminierung von Männern sorgenden Vorstösse kamen, müssen sich die Männer nicht ängstigen – SVP: 31 Männer, 4 Frauen, FDP: 16 Männer, 6 Frauen.