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DISKRIMINIERUNG: Offener Rassismus in Toggenburger Landbeiz

In einer Toggenburger Gaststube soll eine Gruppe Asylsuchender nicht bedient worden sein - wegen ihrer Hautfarbe. Der Wirt will sich nicht an den Vorfall erinnern. Der St. Galler Gastro-Präsident ist empört.
Roman Hertler
Dunkelhäutige würden hier nicht bewirtet, soll die Wirtin des Restaurants Traube in Bazenheid gesagt haben. (Bild: Ralph Ribi)

Dunkelhäutige würden hier nicht bewirtet, soll die Wirtin des Restaurants Traube in Bazenheid gesagt haben. (Bild: Ralph Ribi)

Roman Hertler

roman.hertler@tagblatt.ch

Freitagnachmittag, Ende Juni. Im Toggenburg steigt das Thermometer über 30 Grad. Der Thurgauer Jonas Brunschwiler leistet Zivildienst. Mit mehreren Gruppen, darunter auch sechs dunkelhäutige Asylbewerber, reisst er zwischen Flawil und Wil invasive Pflanzen aus, die einheimische Arten bedrohen. Schweisstreibende Arbeit entlang der Thur und der A1. Entsprechend durstig sind die Landschaftspfleger. Einer schlägt vor, das Feierabendbier in der «Traube» in Bazenheid zu nehmen. Eine Gruppe war schon vormittags zum Kaffee da. Die Ersten hocken schon da, in aller Freundlichkeit mit der Wirtin plaudernd. Als die Gruppe mit den Asylsuchenden eintrifft, kippt die Stimmung schlagartig. Die Wirtin verkündet, hier würden keine Menschen mit dunkler Hautfarbe bewirtet. Wegen des freundlichen Wortwechsels vorhin glauben zuerst alle an einen schlechten Scherz. Die Wirtin bleibt dabei. Dann soll sie gesagt haben: «Wir bedienen hier keine Neger.» Die Landschaftspfleger sind empört. Ohne eine Bestellung aufzugeben, verlässt die Gruppe geschlossen das Lokal. So schildert Brunschwiler den Vorfall. Er ist fassungslos: «Das darf doch in der Schweiz im 21. Jahrhundert nicht sein.»

«Das ist schlicht inakzeptabel»

Donnerstagvormittag, Ende September. Ein paar Landwirte sitzen in der «Traube» am Stammtisch. Im Radio läuft Ländler. Die Wirtin grüsst mit Handschlag, zum Mineral wird die Zeitung ­angeboten. Mit der Presse reden will sie aber nicht. Sie holt den Wirt. Auch er grüsst freundlich per Handschlag. An den besagten Vorfall Ende Juni kann er sich aber nicht erinnern: «Ich weiss nicht, wovon Sie reden.» Er schreibe auch nicht jeden Gast auf. Und: «Neider gibt es immer.» Damit ist für ihn in dieser Angelegenheit alles gesagt.

Die SP Alttoggenburg hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. «Wir hatten in der Traube schon zwei, drei Vorstandssitzungen. Und im Frühjahr die Fusionsversammlung der beiden SP Sektionen Alttoggenburg und Ganterschweil», berichtet Sektionspräsident Stefan Diener. Im Sommer hätten sie dann eine ­Anfrage für eine Veranstaltung gemacht. Geplant war eine Podiumsdiskussion zur Rentenreform zwischen je einem Mitglied der SP und der SVP. Das Wirtepaar habe abgelehnt. «Sie sagten, sie wollen hier keine politischen Veranstaltungen mehr», sagt Diener. «Das Einzige, was sie sich vorstellen könnten, sei etwas mit Leuten in Springerstiefeln.» Die Sozialdemokraten waren schockiert. Man habe das im Vorstand diskutiert und dabei auch vom Vorfall mit den unbedienten Asylsuchenden erfahren.

«Die Traube ist dadurch – nicht nur für SP-Anlässe – nicht mehr tragbar», sagt der Sektionspräsident. Zuvor hätten sie noch nie etwas Negatives erlebt im ­Lokal. Sie seien immer gut und freundlich bedient worden.

Bazenheid tue sich allgemein schwer mit dem hohen Ausländeranteil. «Solch offener Rassismus ist meines Wissens aber neu in der Gemeinde», so Stefan ­Diener. «Das ist einfach nicht richtig.» Es sei wichtig, dass die Bevölkerung über diese Vorfälle informiert werde. Was die Partei unternimmt, sei noch offen, das müsse im Vorstand geklärt werden. Anzeige zu erstatten, sei nicht an ihnen, sondern Sache der Direktbetroffenen.

Deutliche Worte findet der St. Galler Gastropräsident Walter Tobler: «Das ist schlicht inakzeptabel.» In jeder Branche gebe es schwarze Schafe. Er wolle aber nicht, dass die ganze Branche ­immer wieder an derartigen Ausnahmefällen gemessen werde. Die grosse Mehrheit der Wirte leiste gute Arbeit.

Es sei zwar schon so, dass der Wirt seine Gäste aussuchen darf. Die Beherbergungspflicht («Das Amtsblatt und ein Glas Wasser muss man servieren») sei längst abgeschafft. «Wer aber Personen mit derlei Aussagen die Bedienung verweigere, überschreitet die Grenze», so Walter Tobler. «Solche Aussagen sind despektierlich und diskriminierend. Das geht einfach nicht.»

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