Auswertung
So haben die Ostschweizer Gemeinden in diesem Jahr abgestimmt

Angesichts rekordhoher Stimmbeteiligung zählt die direkte Demokratie zu den Siegerinnen 2021. Wir haben ausgewertet, welche Ostschweizer Gemeinden am häufigsten gewonnen oder verloren haben.

Stefan Trachsel
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Zu dreizehn eidgenössischen Abstimmungen sind die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in diesem Jahr gerufen worden. Und sie kamen in Scharen: Im Schnitt äusserten sich 57.9 Prozent der Stimmberechtigten zu den Vorlagen. Über ein Jahr gesehen ist das mehr als jemals zuvor seit 1971.

Beigetragen zu diesem Rekord haben kontrovers diskutierte Vorlagen wie die zwei Landwirtschaftsinitiativen, die zwei Referenden gegen das Covid-19-Gesetz oder das CO2-Gesetz. Die Abstimmungskämpfe waren so hitzig, dass viele Diskussionen sich um die Unterschiede im Lande drehten. Stichworte dazu: Stadt-Land-Graben und Spaltung der Gesellschaft.

Für die Ostschweiz zeigt der Blick auf die Gemeinderesultate der Abstimmungen ein durchzogenes Bild. In den beiden Appenzell, aber auch in weiten Teilen der Kantone St.Gallen und Thurgau entschieden die Gemeinden mehrmals anders als das Schweizer Stimmvolk – häufiger jedenfalls als andere Schweizer Gegenden (siehe Karte ganz unten).

Hier finden Sie einen Rückblick auf die Abstimmungsresultate 2021 für diese Ostschweizer Gemeinde:

Von den rund 110 Gemeinden, die schweizweit am meisten verloren haben, nämlich fünf bis acht Mal, liegt fast ein Viertel in der Ostschweiz. Zu diesen Gemeinden gehört ein grosser Teil des Kantons Appenzell Ausserrhoden, aber auch Teile des Toggenburgs.

Schweizweit am häufigsten verloren hat übrigens die Gemeinde Astano im Tessin: Die dortige Stimmbevölkerung war nur gerade fünfmal siegreich und verlor somit achtmal.

Mehrere Gemeinden in der Ostschweiz haben jedoch bei sämtlichen dreizehn Abstimmungen gleich entschieden wie die Schweiz, etwa Aadorf, Arbon, Buchs, Gossau oder Uzwil.

Städte müssen untendurch

Kein gutes Jahr war 2021 für die grossen und meist eher links abstimmenden Städte: Mehr als die Hälfte der Abstimmungen verloren die Stimmberechtigten der Städte Bern, Basel, Lausanne und Biel. Sie alle stimmten nur bei sechs der dreizehn Vorlagen wie die Schweiz. Zürich und Genf gewannen eine Abstimmung mehr, nämlich sieben. St.Gallen steht mit neun Siegen leicht besser da.

Speziell an 2021 aus Sicht der Direkten Demokratie war, dass gleich zwei Volksinitiativen angenommen wurden, nämlich die Pflegeinitiative im November und das Burkaverbot (Initiative für ein Verhüllungsverbot) im September. Das hat es zuvor erst 2014 gegeben.

Das Stimmvolk hat sich zudem behördenkritisch gezeigt. Zwar folgte es noch immer in neun von dreizehn Vorlagen (69 Prozent) der Empfehlung von Parlament und Bundesrat, wie die Macherinnen und Macher des Jahrbuchs Année Politique Suisse in ihrem Jahresrückblick schreiben. Der jährliche Mittelwert seit 1970 liegt jedoch bei fast 80 Prozent.

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