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DIGITALISIERUNG: Ohne Laptop geht es nicht

Ab Sommer 2018 müssen die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Romanshorn ein eigenes Tablet mit Tastatur und Stift zum Unterricht mitbringen. An anderen Schulen in der Ostschweiz besteht schon länger eine Gerätepflicht.
Dinah Hauser
An vielen Gymnasien müssen die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Laptop mitbringen. (Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone)

An vielen Gymnasien müssen die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Laptop mitbringen. (Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone)

Dinah Hauser

dinah.hauser@tagblatt.ch

Game-Entwicklung, Hacking und Fake News: Diese Themen stehen auf dem Entwurf des Lehrplans zum neuen Informatikunterricht. Auch die aus der Wirtschaft bekannte Blockchain-Technologie soll ab Sommer an den St.Galler Gymnasien thematisiert werden. Gemäss Marcel Koller, stellvertretender Leiter des St.Galler Amts für Mittelschulen, befindet sich der Lehrplan momentan noch in der Vernehmlassung. «Die Unterrichtsinhalte reichen vom Erlernen verschiedener Office-Anwendungen bis zum Programmieren und dem wissenschaftlichen Umgang mit Informatik», sagt Koller. Da die Schüler laut dem Lehrplan Volksschule bereits mit fortgeschrittenen Medienkompetenzen in die Gymnasien übertreten werden, könne man mit dem neugestalteten Informatikunterricht nahtlos darauf aufbauen. Koller sieht darin ein Argument für die Neugestaltung des Fachs Informatik.

Viele Schulen sensibilisieren ihre Schülerinnen und Schüler bereits früh für den sinnvollen Umgang mit modernen Medien und elektronischen Geräten wie Handy und Computer. Die Kantonsschule Romanshorn führt ab Sommer 2018 eine Gerätepflicht für die Schülerinnen und Schüler ein. Sie sollen eine Mischung aus Laptop und Tablet zur Schule bringen. Das Konzept «Bring your own Device» (ByoD), bei dem die Lernenden ihre Geräte selbst mitbringen, ist auch an anderen Schulen in der Ostschweiz ein Thema. Die Kantonsschule Wattwil beispielsweise setzt bereits seit letztem Sommer in allen Klassen voraus, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen. «In der Gerätewahl sind sie frei. Zwingende Voraussetzung ist, dass es Windows-10-kompatibel ist. Auch Geräte von Apple sind damit zugelassen», sagt Rektor Martin Gauer. Den Lernenden werde ein Merkblatt mit Empfehlungen zur Verfügung gestellt und auf die Vorteile eines Gerätes mit Stift hingewiesen. Die Kantonsschule Sargans verlangt bereits seit fünf Jahren von den neueintretenden Schülerinnen und Schülern das Mitbringen eines Laptops. «Das Gerät muss einige minimale Anforderungen erfüllen, welche laufend angepasst werden. Ein Tablet erfüllt momentan diese Bedingungen nicht», sagt der Prorektor Ivo Gienal. Die wohl älteste Gerätepflicht kennt die Kantonsschule am Brühl: «An der Wirtschaftsmittelschule mit Schwerpunkt Informatik (WMS-I) besteht die Gerätepflicht schon seit der Einführung des Lehrgangs vor 16 Jahren», sagt David Keller, Prorektor und Fachbereichsleiter ICT. Die WMS mit Schwerpunkt Sprachen kenne diese Regelung seit 2012 und bei der FMS werde seit 2016 auf iPads gesetzt. Beim Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen GBS sieht die Sache etwas komplizierter aus. Mit rund 40 sehr unterschiedlichen Berufen gebe es kein generelles Geräteobligatorium. «In bestimmten Lehrberufen wurde ByoD bereits obligatorisch eingeführt», sagt Rektor Lukas Reichle. Hier würden die Obligatorien in den Fachkommissionen der jeweiligen Berufe beschlossen. Diese bestünden aus Vertretern der Wirtschaft und der Schule. Die Einführung erfolgt somit branchenspezifisch mit Blick auf die Praxisrelevanz, führt Reichle fort. Auch gebe es verschiedene Gerätetypen: «In der Schule für Gestaltung werden Macs verwendet, während in den anderen Berufsgruppen auf Microsoft gesetzt wird.» Im allgemeinbildenden Unterricht werde der verantwortungsvolle Umgang mit Social Media und den IT-Geräten als Lehrmittel gefördert. «Wir setzten weniger auf Verbote als auf die eigenverantwortliche Nutzung und Anwendung.»

Volksschulen setzten auch auf Digitalisierung

Der Lehrplan 21 sieht eine frühe Heranführung der Lernenden an moderne Medien vor. In den Städten Gossau und Wil sind moderne Geräte bereits in der Volksschule im Einsatz. Laut Ruedi Steiner, Leiter Schulamt der Stadt Gossau, werden die Geräte den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt. Je nach Altersstufe stünden eine unterschied­liche Anzahl pro Klasse zur Verfügung. Auch in Wil gehören solche Geräte zur Infrastruktur der Schulen. «Für die Umsetzung des Volksschulauftrages sind wir verpflichtet, die Arbeitsmittel ohne Kostenfolge für alle Schülerinnen und Schüler bereitzustellen», sagt Schulratspräsidentin Jutta Röösli. Zudem sei die Einbindung fremder Geräte aufwendig und risikobehaftet.

An der «Meitleflade» der Katholische Kantonssekundarschule gibt es derzeit eine Pilotklasse mit Tablets. «Jede Schülerin der Tablet-Klasse erhält ihr eigenes iPad. Die Geräte sind Eigentum der Schule und werden leihweise, wie Schulbücher, den Schülerinnen zum Gebrauch im Unterricht abgegeben», sagt Schulleiterin Felicitas Egger. Die Anschaffungskosten würden vorerst von der Schule übernommen. An einem Elternabend sei das Thema und die Regeln der Verwendung im Unterricht und zu Hause besprochen worden. «Beispielsweise wurde empfohlen, dass sich das Gerät nachts nicht im Schlafzimmer befindet und ausgeschaltet ist», sagt Egger. Während des Unterrichts dürften die Tablets nur auf Anweisung der Lehrperson eingesetzt werden.

Meist von den Eltern finanziert

Die Kantonsschule am Brühl setzt für ihre WMS- und Informatikklassen Geräte zum Preis von zirka 700 bis 800 Franken voraus. Gemäss David Keller genügen diese in der Regel für die vierjährige Schulzeit. So eine Investition will gut überlegt sein, zumal an allen angefragten Mittelschulen das Budget der Erziehungsberechtigten belastet wird. An der GBS gibt es jedoch teilweise besondere Regelungen: «Im Lehrvertrag ist festgelegt, welche Materialkosten der Lehrbetrieb und welche der Lernende übernimmt», sagt Reichle.

Reklamationen zur Gerätepflicht gab es bisher keine. Einzelne Schulen haben Anfragen zum Sinn und Zweck der Geräte erhalten. «Nach Erklärungen verstehen die Fragenden meist, dass eine Anschaffung und Verwendung sinnvoll ist», sagt beispielsweise Keller. Laut Martin Gauer entsteht Klärungsbedarf allenfalls dann, wenn die Schülerinnen und Schüler ihr Gerät häufiger im Unterricht einsetzen möchten als die Lehrperson. Diese setzen die Computer dort ein, wo sie einen pädagogischen Nutzen sehen. «In der heutigen Welt wäre es anachronistisch, elektronische Geräte im Unterricht nicht einzusetzen und Informatik-Kompetenzen nicht breit zu fördern», sagt Gauer. Auch Reichle stimmt dem zu: «Bei der Digitalisierung geht es nicht um dafür oder dagegen. Vielmehr geht es darum, wie wir damit umgehen und wie wir die Chancen nutzen und die Risiken minimieren.» Das Ziel sei ein möglichst offener und verantwortungsvoller Umgang mit den digitalen Medien.

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