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DIGITALISIERUNG: Der Parkplatz lernt sprechen

St. Gallen will Autofahrer in Zukunft per App über freie Parkplätze in der Stadt informieren. In einem Pilotprojekt testet die Stadtpolizei die dafür nötige Technik – die Anforderungen sind hoch.
Simon Roth
Künftig sollen Autofahrer nicht mehr Parkplätze suchen müssen. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 18. Oktober 2013))

Künftig sollen Autofahrer nicht mehr Parkplätze suchen müssen. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 18. Oktober 2013))

Simon Roth

simon.roth@tagblatt.ch

Jeden Samstag dasselbe Geduldsspiel: Die Suche nach einem freien Parkplatz. Autofahrer müssen in Innenstädten über ein solides Nervengerüst verfügen. Oft drehen Fahrzeuglenker mehrere Runden, bis sie endlich einen Platz finden, wo sie ihren Wagen abstellen können. Das kostet Zeit, produziert Lärm und verbraucht unnötig Benzin.

Das muss nicht sein, findet der St. Galler Stadtrat. Mit dem Projekt «Smart City» soll die Stadt intelligenter werden. So laufen zurzeit verschiedene Versuchsprojekte: Unterflurbehälter geben der Abfallabfuhr ihren Füllstand durch, Strassenlampen passen ihren Beleuchtungsgrad der Verkehrsmenge an und Anzeigetafeln bei Bushaltestellen zeigen die Abfahrtzeiten in Echtzeit an. Jetzt zieht auch die Stadtpolizei nach und testet intelligente Parkplätze.

Parkplätze finden statt suchen

Seit Anfang Monat läuft die einjährige Testphase des Pilotprojekts «Smart Parking», das sich die Stadt 120000 Franken kosten lässt. Ist das Resultat positiv, soll eine digitale Parkplatzverwaltung den Suchverkehr minimieren. «Dadurch schaffen wir eine effizientere Parkplatznutzung», sagt Ralph Hurni, Kommandant der Stadtpolizei. Sensoren werden künftig Daten über die Belegung der Parkplätze liefern. Die Informationen werden anschliessend an die Stadtpolizei übermittelt. Diese stellt die Daten Applikationsentwicklern kostenlos zur Verfügung, die die Daten dann in Navigationssysteme speisen. Autofahrer können sich so bereits vor der Einfahrt in die Stadt per App über die Parkplatzsituation informieren und entsprechend zielstrebig einen freien Parkplatz ansteuern.

So weit die Vision. Bis es so weit ist, muss die Technik nun auf Herz und Nieren geprüft werden. In einem ersten Durchgang testet die Stadtpolizei 96 Sensoren auf 48 Parkplätzen. Diese befinden sich an der David- und der Pestalozzistrasse – ganz in der Nähe der Stadtpolizei. So können die Polizisten die Situation vor Ort schneller überprüfen, sobald das Kontrollsystem einen Alarm auslöst; dafür wird die Belegung eines Parkplatzes mit je zwei Sensoren überwacht. Vier verschiedene Unternehmen liefern die Hardware für die Testphase, wie Rolf Isenring, Projektleiter der Stadtpolizei, sagt. Die Anforderungen an die Technik sind hoch. Bis Herbst 2018 werden daher ganz unterschiedliche Technologien getestet. Drei Modelle funktionieren unter anderem mit Magneterkennung. Allerdings könnten die Magnetschleifen der vorbeifahrenden Stadtbusse diesen Mechanismus stören. Bedenken bestehen auch bezüglich der Witterungstauglichkeit: Regen darf die Funktionalität der Sensoren nicht beeinträchtigen. Dies könnte bei mindestens einem Modell zum Problem werden, das ebenerdig auf dem Asphalt verbaut ist. Bei einem anderen Modell – auf dem Strassenbelag montiert – besteht die Gefahr, durch Schneepflüge beschädigt zu werden. Ein Modell funktioniert mit Magnet-, Ultraschall-, Infrarot- und Lichterkennung. Ein weiteres ist solarbetrieben. Getestet werden auch energieautarke Sensorstreifen entlang der Parkplätze. Sie reagieren auf Druck.

Sensoren erfüllen noch nicht alle Anforderungen

Jedes Produkt hat seine Vor- und Nachteile. «Die Sensoren erfüllen noch nicht alle Anforderungen», sagt Isenring. Dazu zählen etwa eine garantierte Lebensdauer von mindestens acht Jahren oder die Möglichkeit, einen Parkplatz auch reservieren zu können. Für die Stadt muss auch die Weiterentwicklung der Technik und somit die Aufrüstung der Sensoren gewährleistet sein. Während der Testphase werden auch die Qualität der gelieferten Daten sowie die Wirtschaftlichkeit der Sensorenmodelle untersucht.

Fachliche Unterstützung erhält das Projekt durch die Universität St. Gallen: Zwei Studenten in Business Innovation werten die Sensorendaten für ihre Masterarbeiten aus. «St. Gallen nimmt mit diesem Projekt eine technologische Vorreiterrolle ein», sagt Reinhard Jung, Professor für Business Engineering. Er begleitet die beiden Arbeiten. Nach der Testphase werden die Resultate miteinander verglichen.

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