Digitale Plattform

«Das dürfte einmalig sein in der Schweiz»: Die Südostbahn treibt die Digitalisierung von touristischen Angeboten voran

Zum Start des «Treno Gottardo» im Dezember lanciert die SOB einen Digitalen Marktplatz, der touristische Leistungsträger vernetzt und über eine Plattform verfügbar macht.

Christoph Zweili
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Ab dem 13. Dezember fährt die SOB in Kooperation mit der SBB von Basel und Luzern beziehungsweise Zürich mit dem «Traverso» (hier bei Brunnadern) über die Gotthard-Panoramastrecke direkt in die Sonnenstube der Schweiz, ins Tessin.

Ab dem 13. Dezember fährt die SOB in Kooperation mit der SBB von Basel und Luzern beziehungsweise Zürich mit dem «Traverso» (hier bei Brunnadern) über die Gotthard-Panoramastrecke direkt in die Sonnenstube der Schweiz, ins Tessin.

Bild: Markus Schälli

Thomas Küchler, Vorsitzender der SOB-Geschäftsleitung, war sich stets im Klaren darüber, dass die Digitalisierung nicht nur die Mobilität im Allgemeinen, sondern auch die Bahn verändern würde. Zu dieser Zeit war die Südostbahn (SOB) ein reiner Dienstleister im Regionalverkehr. Küchler stellte die Weichen für eine moderne Eisenbahn, die immer mehr Strecken bediente. Er brachte die Bahn aus der Talsohle heraus. Während im Regionalverkehr keine Gewinne erwirtschaftet werden dürfen, weil hier Bund, Kantone und Gemeinden einen Deckungsausgleich zahlen, ist das im Fernverkehr erlaubt. Küchler nutzte die Chance und brachte die SOB national ins Spiel, indem er den Betrieb über den Gotthard kalkulierte. Dazu kam die Strecke Zürich–St. Gallen–Chur.

Thomas Küchler, Vorsitzender der SOB-Geschäftsleitung.

Thomas Küchler, Vorsitzender der SOB-Geschäftsleitung.

Bild: Michel Canonica

Mit diesen neuen wirtschaftlichen Ressourcen im Rucksack schafft er nicht nur die Rücklagen, um die SOB zu modernisieren – damit will er sich auch auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereiten. Auch wenn er technisch mit seiner Mobilitätsapp Abilio gescheitert ist – dem Gedanken von einer mehrgliedrigen Reisekette aus Bus, Schiff, Taxi, Bahn und Velo blieb er treu. Auf einer Plattform sollte der Kunde diese intermodulare Reise planen, buchen und bezahlen können. «Mit Abilio haben wir aber gelernt, wie wir mit externen Partnern zusammenarbeiten können», sagt Küchler.

Touristische Angebote auf einer Plattform sichtbar machen

Rechtzeitig zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember nimmt Küchler diese Vision wieder auf. Entlang der touristisch ausgerichteten SOB-Linien wie dem Voralpen-Express und dem neuen «Treno Gottardo» will die SOB die Kunden nicht nur von A nach B bringen. Küchler sagt:

«Wir wollen Reise und Erlebnis miteinander verbinden.»

Die SOB ermöglicht es seit Jahresbeginn zum Teil auch kleinen Partnern, ihre Angebote in den einzelnen Regionen systematisch auf digitalen Kanälen über einen Marktplatz sicht- und verfügbar zu machen. Von Bahnbilletten über Bergbahnen, Skitickets, Museumseintritten bis zu kulinarischen Erlebnissen können aus einer Hand gebucht werden. Dabei profitieren beide: Die SOB hofft auf Mehrverkehr, um ab dem 13. Dezember die historische Bergstrecke in den Süden rentabel zu machen «und sie als historisches Denkmal weiter zu betreiben und zu erhalten».

«Und wir schaffen etwas Neues: Wir katapultieren den Schweizer Tourismus über die Digitalisierung in eine marktfähige Zukunft. Das dürfte einmalig sein in der Schweiz.»

Die ersten Erfahrungen zeigen, die Idee kommt an. Projekt reiht sich an Projekt. Schwyz Tourismus treibt die Digitalisierung zusammen mit dem Kanton Schwyz mit Geldern aus der Neuen Regionalpolitik voran. Andere zeigen sich interessiert: Mit dem Tessin, in der Region St. Gallen/Bodensee und im Glarnerland sind Gespräche im Gang. Bis im Frühling 2021 sollen sämtliche Bahnfahrten im Gotthardraum – der sogenannte Swiss RailPark – über die Plattform buchbar sein, darunter die Dampfbahn-Furka Bergstrecke oder die SBB Historic.