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Differenzen in der Fachhochschule St.Gallen – Rektor wirft das Handtuch

Der Umbau der Ostschweizer Fachhochschule führt zu einem prominenten
Abgang: Der St.Galler Rektor Sebastian Wörwag hat seinen Rücktritt angekündigt.
Andri Rostetter, Katharina Brenner
Seit 16 Jahren ist Sebastian Wörwag Rektor der Fachhochschule St.Gallen (Bild: Ralph Ribi).

Seit 16 Jahren ist Sebastian Wörwag Rektor der Fachhochschule St.Gallen (Bild: Ralph Ribi).

An der Spitze der St.Galler Fachhochschule kommt es zu einem Umbruch. Rektor Sebastian Wörwag will sich ab Ende Jahr schrittweise aus der Schulleitung zurückziehen. In einem internen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, macht er die aktuellen Entwicklungen rund um die Neuordnung der Fachhochschule verantwortlich.

Darin heisst es: «Aufgrund verschiedener, in den letzten Wochen überraschend veränderter Prozessparameter, welche unter anderen auch das Rektorat betrafen, bin ich nach reiflicher Überlegung zum Schluss gekommen, nicht in die ‹Ost – Ostschweizer Fachhochschule› einzutreten.» Wörwag spricht damit die neue Organisation der Fachhochschulen im Kanton an, die im kommenden Jahr in Kraft tritt (siehe Text unten).

Eine Reaktion auf «neu gesetzte Parameter»

Der Entscheid sei ihm alles andere als leichtgefallen, schreibt Wörwag.

«Dennoch musste ich feststellen, dass die neu gesetzten Parameter weder mir entsprechen noch umgekehrt ich ihnen entspreche.»

Er werde seine Funktion als Rektor der FHS mit dem Ende der «alten FHS» abschliessen. Das heisst: Wörwag wird die Schule spätestens im Herbst 2020 verlassen.

Er will aber bereits ab Januar einzelne Funktionen der neuen Hochschulleitung übertragen, sofern diese dann bereits im Amt ist. «Bis dahin werde ich weiterhin in allen Arbeitsgruppen und Fusionsprozessen aktiv, engagiert und konstruktiv Eure Interessen und die Interessen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen und innovativen Hochschule vertreten», schreibt Wörwag an die Adresse der Mitarbeitenden. Er werde zudem alles daran setzen, «grösstmögliche Sicherheit und Stabilität» zu gewährleisten.

Auf Nachfrage spricht Wörwag von einem persönlichen Entscheid. «Ich bin seit 16 Jahren Rektor dieser Hochschule.» Er sei deshalb «nach reiflicher Überlegung zum Entschluss gelangt», dass er sich beruflich neu ausrichten wolle. Wörwag lässt aber durchblicken, dass «diverse Standortentscheide» einen Einfluss hatten: «Regionalpolitische Interessen stehen mitunter im Widerspruch zur Idee einer überregionalen Ausrichtung.»

Blick auf die Fachhochschule im Zentrum von St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Blick auf die Fachhochschule im Zentrum von St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Standort spielt «keine relevante Rolle»

Im Januar war bekannt geworden, dass das Rektorat der neuen Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil sitzen wird. Wörwag wollte damals keine Stellung nehmen zu diesem Entscheid. Erfreut zeigte sich dagegen die Rektorin der Hochschule für Technik Rapperswil, Margit Mönnecke. Gegenüber unserer Zeitung relativierte sie den Entscheid allerdings auch: Der Standort des Rektorats spiele «keine relevante Rolle, da die neuen Führungsfunktionen standortübergreifend wahrgenommen werden».

Wörwag, 1966 in Stuttgart geboren, wurde 2002 als Nachfolger von Josef Graf zum Rektor der Fachhochschule St.Gallen gewählt. Nach Studium und Doktorat an der Universität St.Gallen machte er sich in den 1990er-Jahren im Rahmen eines Management-Buy-outs mit den KS Kaderschulen selbstständig. Die KS Kaderschule gilt heute als grösste private Fachhochschule der Schweiz.

2001 gründete Wörwag das Beratungsunternehmen Humanlogix AG. Er sitzt in diversen Gremien in Bildung und Wirtschaft, unter anderem ist er Vorsitzender des Kooperationsrats der Internationalen Bodenseehochschule, Stiftungsratspräsident der Stiftung Startfeld und Vorstandsmitglied der Vereinigung Wirtschaft St.Gallen-Bodensee.

Kölliker wusste von Wörwags Plänen

Der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker. (Bild: Urs Bucher)

Der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker. (Bild: Urs Bucher)

Im St.Galler Bildungsdepartement wusste man offenbar von Wörwags Vorbehalten gegenüber der neuen Struktur und seinen Rückzugsplänen. Darauf angesprochen, sagt Bildungschef Stefan Kölliker:

«Ich habe Kenntnis davon, dass sich Herr Wörwag aus der Schulleitung zurückziehen möchte.»

Und weiter: «An den Fachhochschulen verändert sich natürlich viel. Man hat es zu akzeptieren, wenn einzelne Personen ihre persönlichen Schlüsse aus diesen Veränderungen ziehen.»

Wer Rektor oder Rektorin der neuen Ostschweizer Fachhochschule wird, ist noch nicht bekannt. Beim Verfahren für die Wahl «sind wir voll in der Zeit», so Kölliker. Die Wahl soll Ende April stattfinden. Zur Zahl der Bewerbungen für das Amt will sich der Bildungschef mit Verweis auf das geheime Verfahren nicht äussern.

Der Zusammenschluss

Die Ostschweizer Fachhochschul-Landschaft braucht neue Strukturen. Die bisherigen sind nicht mehr gesetzeskonform. Für die Umstrukturierung hat der Bund eine Frist gesetzt: Sie muss bis 2022 abgeschlossen sein. Das Ziel sind grössere Zusammenschlüsse statt kleiner Fachhochschulen. In der Ostschweiz schliessen sich deshalb die Fachhochschule St.Gallen, die Hochschule für Technik Rapperswil und die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs zu einem Verbund zusammen. Ursprünglich war auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur ein Teil davon. Sie löste sich allerdings aus dem Verbund und ist seit Ende 2018 als eigenständiges Bildungsinstitut akkreditiert. Die Trägerschaft der neuen Ostschweizer Fachhochschule mit ihren drei Standorten liegt bei den Regierungen der Kantone St.Gallen, Thurgau, Glarus, Schwyz und beider Appenzell sowie dem Fürstentum Liechtenstein.

Die Struktur

Die neue Fachhochschule wird in sechs Departemente eingeteilt: Informatik, Technik, Wirtschaft, Soziale Arbeit, Gesundheit sowie Architektur, Bau- und Planungswesen. Die Leitungen der Departemente werden standortübergreifend tätig sein.

Die Leitung

Die Wahl des Rektors oder der Rektorin ist für Ende April 2019 vorgesehen. Seit Anfang Jahr steht fest, wo er oder sie sitzen wird: in Rapperswil.

Der Name

Seit Kurzem ist auch der Name der neuen Fachhochschule bekannt: «Ost – Ostschweizer Fachhochschule». Die Ostschweizer Regierungskonferenz sieht diesen Namen «als Signal für den Aufbruch in eine neue Ära». Er bringe «die Verankerung in der ganzen Ostschweiz und im Fürstentum Liechtenstein» zum Ausdruck.

Die Umsetzung

Der operative Start der neuen Fachhochschule ist für den 1. September 2020 vorgesehen. Die St.Galler Regierung hat den Beitritt des Kantons zur Fachhochschule Ost vor einer Woche beschlossen. Dieser Schritt muss nun vom Kantonsrat und später in einer Volksabstimmung genehmigt werden. Das Parlament kommt bereits in der Aprilsession zum Zug. Das letzte Wort hat dann das Volk. Die Abstimmung soll im November stattfinden.

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