Trotz Verbot von privaten Partys und Camping: Festivalfans wollen am Open-Air-Wochenende im Sittertobel feiern

Das Open Air St.Gallen fällt diesen Sommer definitiv ins Wasser. Festivalfans wollen trotzdem im Sittertobel feiern. Die Veranstalter und die Polizei verbieten solche Feiern jedoch.

Raphael Rohner
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Wird dieses Jahr so nicht stattfinden: das Open Air St.Gallen.

Wird dieses Jahr so nicht stattfinden: das Open Air St.Gallen.

Bild: Sabrina Stübi (2018)

Für viele wäre es das Fest des Jahres geworden: Das Open Air St.Gallen im Sittertobel. Doch hat das Coronavirus dem Partyvolk einen Strich durch die Rechnung gemacht – der Anlass wurde abgesagt. Das Feiern fällt aus. Zumindest offiziell. In St.Galler Ausgehlokalen ist seit Tagen Thema, trotzdem im Sittertobel feiern zu gehen. Man redet offen darüber, dass man trotz der Absage des Festivals eine Fete machen möchte:

«Wir haben schon seit Jahresbeginn Ferien fürs Open Air eingegeben und gehen jedes Jahr ins Sittertobel.»

Das sagte ein Elektroinstallateur aus St.Gallen. Seine Kollegen und Kolleginnen seien alle mit dabei und man plane bereits, wer was transportieren wird. Auch in Sozialen Medien wird tüchtig darüber spekuliert, ob und wie man im Sittertobel feiern könne. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo St.Gallen, wenn...» künden etwa Nutzerinnen und Nutzer ihre Feiern an.

Polizei will Verbot jedem klar machen

Von geplanten privaten Feiern im Sittertobel hat man auch bei der St.Galler Stadtpolizei Kenntnis, sagt Dionys Widmer. Doch sei es generell verboten, auf dem Areal zu campieren: «Im Gebiet gilt eine kantonale Schutzverordnung und diese untersagt das Aufbauen von Zelten oder Bauten sowie die Durchführung von Veranstaltungen. Die einzige Ausnahme der Schutzverordnung ist das Festival.»

Dionys Widmer, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen

Dionys Widmer, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen

Bild: PD

Seitens der Polizei will man das Verbot die nächsten Tage verstärkt aktiv kommunizieren. Am Wochenende wolle man auf dem Gelände Präsenz zeigen, sagt Widmer. «Es ist wohl noch nicht jedem bewusst, dass dieses Verbot existiert – darum setzen wir auf Information», so Widmer. Ganz abriegeln will man das Sittertobel jedoch nicht: «Wer lediglich spazieren geht oder etwas unterwegs trinken möchte, kann das natürlich tun.»

Alternativprogramm für Festivalfans geplant

Nora Fuchs, Mediensprecherin des Open Air St.Gallen versteht die grosse Enttäuschung der Festivalbesucher:

«Dieses Jahr soll es still bleiben im Tobel.»

«Wir animieren unsere Besucherinnen und Besucher, ihr Open Air 2020 zu Hause zu feiern», sagt Fuchs. Das Festival hat ein Alternativprogramm auf die Beine gestellt. So wird der Open-Air-Chef Christof Huber in der St.Galler Bar Øya an zwei Abenden Musik auflegen von Bands, die am diesjährigen Festival gespielt hätten.

Nora Fuchs, Mediensprecherin Open Air St.Gallen

Nora Fuchs, Mediensprecherin Open Air St.Gallen

Bild: PD

Ebenso hat man eine Playlist auf Spotify geladen mit Musik vom Festival. Um den Festivalbesuchern trotz der Absage ein Gefühl vom Festival geben zu können, bietet das Open Air ein Do-it-yourself-Set an, damit die enttäuschten Gäste zu Hause ein bisschen die Stimmung vom Festival bekommen: «Wir appellieren wirklich an unsere Fans, dass sie nicht ins Sittertobel pilgern, sondern daheim feiern. Auch Festivalteam und OK feiern für einmal zu Hause», sagt Fuchs.

Fürs Partyvolk ein schwacher Trost: «Für uns geht es um die Stimmung unten im Tobel. Und wir werden da unten feiern gehen – so oder so», hiess es bei den jungen Männern in der Beiz.

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