«Diese Täter brauchen Geld»

Bereits sechsmal in diesem Jahr meldete die Kantonspolizei St. Gallen Raubüberfälle auf Tankstellenshops. Die Täter bleiben oftmals unerkannt – nur ein Fall wurde aufgeklärt.

Nina Ladina Kurz
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ST. GALLEN. Es ist Sonntagabend, 20.40 Uhr. Zwei maskierte Täter betreten kurz vor Ladenschluss den Tankstellenshop an der Oberstrasse in St. Gallen. Einer der Täter bedroht mit einer Faustfeuerwaffe die 58jährige Angestellte. Diese händigt den beiden Unbekannten den Kasseneinsatz mit mehreren hundert Franken aus. Die Täter können unerkannt flüchten.

Erkennungsmerkmale fehlen

Was wie die Einstiegsszene eines Kriminalfilms wirkt, passierte letzten Sonntagabend tatsächlich – und dies ist kein Einzelfall. Wie Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, sagt, wurden im laufenden Jahr im Kanton St. Gallen bereits sechs Tankstellen überfallen. Nur in einem der Fälle wurden die Täter geschnappt: Zwei junge Männer hatten Anfang Juli eine Tankstelle in Bronschhofen überfallen und erbeuteten Zigaretten und Bargeld im Wert von rund tausend Franken. Die Kantonspolizei verhaftete kurz darauf die zwei Täter sowie einen Komplizen. Die jungen Männer waren 16, 18 und 20 Jahre alt.

«Die Täter sind in der Regel vermummt und auch auf Überwachungskameras nicht zu erkennen. Oftmals fehlen der Polizei klare Erkennungsmerkmale», sagt Rezzoli. In einem ersten Schritt würden Spuren gesichert und das Vorgehen der Räuber mit anderen Fällen verglichen. Meist handle es sich um Personen, die «schnell Bargeld brauchen». Organisierte Banden seien in der Regel nicht die Drahtzieher hinter solchen Überfällen, sagt Rezzoli. Das erbeutete Geld werde oft für einen konkreten Kauf gebraucht. In einigen Fällen seien auch Lose oder Reka-Checks mitgenommen worden.

Hohes Strafmass zu erwarten

Das Strafmass für bewaffneten Raubüberfall ist hoch. Laut Strafgesetzbuch droht einem verurteilten Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. «Ein hohes Strafmass für einige hundert Franken Beute. Dies ist den Tätern entweder egal oder nicht bewusst», sagt der Mediensprecher.

Dass die Täter früher oder später geschnappt werden, ist laut Rezzoli wahrscheinlich. «Jeder Überfall hinterlässt Spuren oder Hinweise, welche zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Person in Verbindung gebracht werden können.»

Bei ihren Ermittlungen greift die Polizei häufig auch auf Hinweise aus der Bevölkerung zurück. Deshalb werden nun Zeugen vom Vorfall vergangenem Sonntag gesucht. Diese werden gebeten, sich mit der Kantonspolizei St. Gallen, 058 229 49 49, in Verbindung zu setzen.