«Diese Situation hat eine enorme Kreativität freigesetzt»: Pfarrer Patrick Marchlewitz (45) über seine Arbeit in der Corona-Krise

Wir lassen täglich Menschen aus der Ostschweiz zu Wort kommen, die in der Corona-Krise weiterhin arbeiten. Pfarrer Patrick Marchlewitz  sagt, warum er die Zeit anstrengend findet. Und wieso Ostern so speziell war. 

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Patrick Marchlewitz, Pfarrer in Rorschach.

Patrick Marchlewitz, Pfarrer in Rorschach. 

Bild: PD

Der Lockdown war für uns ein Schock. Keine Gottesdienste mehr, keine direkten Gespräche – wie soll das gehen? Die Kirche lebt von der Begegnung mit den Menschen. Gleichzeitig hat die Situation eine enorme Kreativität freigesetzt. Wir haben eine Liste gemacht mit Leuten, die wir anrufen wollen. Alleinstehende oder ältere Menschen, die wenig Kontakt mit anderen haben. Wir haben eine Einkaufshilfe ins Leben gerufen. Dafür haben wir Jugendliche und Erwachsene eingespannt. Seit dem ersten Coronawochenende gibt es von uns jeden Sonntag einen gottesdienstlichen Online-Gruss. Nichts für Profi-Youtuber, einfach ein paar Gedanken zum Glauben aus vertrauter Umgebung.

Täglich gibt es ein Gebet auf der Website. Meine Frau, die ebenfalls Pfarrerin ist, hat einen Mutter-Kind-Videochat eingerichtet, ich ein Video-Kaffeehaus. Wir haben vier schulpflichtige Kinder. Es ist anstrengend, auch Lehrer für die Kinder zu sein. Aber als Vater geniesse ich es, so viel Zeit mit ihnen zu haben. Ostern war ungewohnt. Das erste Mal, seit wir 2009 nach Rorschach kamen, sassen wir am Ostersonntag zu Hause in der Küche und haben gefrühstückt. Bisher haben wir an Ostern immer in der Kirchgemeinde gegessen, die Kinder kennen es nicht anders.

Aufgezeichnet von Andri Rostetter