Die Zecken beissen wieder zu

Die Zeckensaison hat mit dem Ende der kalten Tage endgültig begonnen. Doch Zeckenbisse müssen nicht gefährlich sein, wenn die richtigen Vorkehrungen getroffen werden. Helfen kann eine App des Bundesamtes für Gesundheit.

Anna Viola Bleichenbacher
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Vollgesaugte Zecke. (Bild: Nana Do Carmo)

Vollgesaugte Zecke. (Bild: Nana Do Carmo)

Seit rund einem Monat nehmen die Arztbesuche wegen Zeckenstichen wie jedes Frühjahr stark zu. Die kleinen Biester aus der Familie der Milben beissen wieder zu, seit sie aus der Winterstarre erwacht sind. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) registrierte bis Ende April deutlich mehr Arztbesuche wegen Zeckenbissen als in den Jahren zuvor: Während es in den Jahren 2008 bis 2015 bis zum genannten Datum durchschnittlich 1950 Arztbesuche waren, stieg diese Zahl heuer auf 4000 an.

Da bis Ende April jedoch kein Anstieg an Erkrankungen infolge Zeckenbissen festgestellt wurde, sagt Adrian Kay, Mediensprecher des BAG: «Die gleichbleibenden Fallzahlen lassen erahnen, dass die Bevölkerung sensibilisierter mit dem Thema umgeht und häufiger einen Arzt aufsucht.» Die Zeckensaison hat damit erst angefangen: Bis im Oktober muss mit den Spinnentieren vor allem im Wald gerechnet werden. Auch die Ostschweiz gehört mit dem Thurgau, dem Gebiet zwischen Zürich- und Bodensee sowie Teilen des Rheintals zum Hochrisikogebiet.

Krankheiten mit Folgeschäden

Zecken ernähren sich vom Blut ihres Wirtes. Dabei können sie zweierlei Krankheiten übertragen: Zum einen Borreliose, die zu Hautrötungen und Grippesymptomen führt. Gegen Borreliose ist keine Impfmöglichkeit vorhanden. In der gesamten Schweiz wurden bis Ende April 1100 Fälle von Borreliose bei Menschen gezählt. Da die Krankheit bleibende Schäden anrichten kann, ist eine Behandlung zwingend notwendig.

Zum anderen kann das FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ausgelöst werden, das ebenfalls zu grippeartigen Symptomen und in schlimmen Fällen zu Hirnhautentzündungen führen kann. Gegen FSME ist eine laut BAG «sichere und gut wirksame Impfung» vorhanden, die in Teilen der Ostschweiz empfohlen wird.

Jährlich variieren die Zahlen der Erkrankungen an FSME stark. 80 Prozent der Patienten, die sich mit FSME infiziert haben, müssen laut einem Merkblatt des BAG ins Spital eingeliefert werden.

Doch nicht nur Schutzimpfungen können einer Erkrankung an FSME vorbeugen, und auch gegen Borreliose können die richtigen Massnahmen getroffen werden. Adrian Kay weiss, was für eine bevorstehende Wanderung oder einen Spaziergang beachtet werden sollte: «Gut abschliessende Kleidung sowie das Meiden von Unterholz können einen Zeckenbiss verhindern. Auch Schutzmittel für die Haut und Insektizide für die Kleider sind empfehlenswert.» Wer am Abend zurück nach Hause kommt, sollte sowohl sich, die Familienmitglieder wie auch Haustiere auf Zeckenbisse untersuchen. Falls man eine Zecke eingefangen hat, sollte diese schnellstmöglich mit einer spitzen Pinzette entfernt werden: «Je länger die Zecke Blut saugt, umso grösser ist das Risiko einer Übertragung.» Vor allem einer Borreliose-Erkrankung kann so vorgebeugt werden, denn: «Borrelien befinden sich im Darm der Zecken – nach einem Stich dauert es darum etwa 24 Stunden, bis die Bakterien übertragen werden», sagt Kay.

Eine App soll helfen

Wurde eine Zecke aus der Haut entfernt, sollte die Stelle desinfiziert und in den nächsten Tagen beobachtet werden. «Zeigen sich Beschwerden wie Kopf- oder Gelenkschmerzen, Hautrötungen oder grippeartige Symptome, ist sofort ein Arzt aufzusuchen», warnt Kay. Es sei zudem sinnvoll, Ort und Zeit des Zeckenbiss aufzuschreiben.

Um sich über Zecken-Risikogebiete zu informieren, hat das BAG letztes Jahr eine Applikation für Apple-Smartphones und -Tablets lanciert. «Zecke» informiert über das Risiko, am individuellen Standort von Zecken gebissen zu werden, und gibt Tips zur Prävention oder Nachsorge bei Zeckenbissen.