Die Wurst wird zuerst gerettet

Scharfgezeichnet

Tobias Hänni
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Die Sommerzeit ist gefährlich. Überall wird gegrillt. Eine kleine Nachlässigkeit, und das Haus steht in Flammen. Ein Funkenwurf, und die Wohnung brennt. Gefahr genug für die Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen, um eine Plakatkampagne zu lancieren. «Brände verhindern» der Slogan. So weit, so sinnvoll. Niemand will Brände, ausser vielleicht im Glas.

Doch das Bild zur Kampagne, ein Sakrileg: Eine Bratwurst, die in Flammen steht, beinahe bis zur Unendlichkeit verkohlt. Und das ausgerechnet in St. Gallen, wo die strengsten Hüter der abendländischen Wurstkultur leben. Passanten sollen beim Anblick der brennenden Wurst in Tränen ausgebrochen sein. Die Sortenorganisation St. Galler Bratwurst musste eine Therapiegruppe für posttraumatische Belastungsstörungen ins Leben rufen. Betroffene werden dort mit unversehrten Würsten langsam in ein normales Leben zurückgefüttert.

Dank der Gebäudeversicherung werden die St. Galler künftig beim Grillen besonders vorsichtig sein. Ziel erreicht, wenn auch auf brutale Art und Weise. Wobei: Im Ernstfall drohte der Bratwurst ohnehin keine echte Gefahr. Sie würde zuerst aus dem Flammenmeer gerettet – vor Familienalbum und Hauskatze.

Tobias Hänni

tobias.haenni@ostschweiz

-am-

sonntag.ch