Die Wunder der Hydraulik

Scharfgezeichnet

Michael Genova
Drucken
Teilen

Erst glauben wir noch, mit reiner Willenskraft Berge versetzen zu können. Bis uns allmählich dämmert, dass es unverrückbare Wahrheiten gibt: die Steuererklärung, volle Windeln, der 40. Geburtstag. Und doch setzen sich Dinge bisweilen auf wundersame Weise in Bewegung. So zum Beispiel die historische Villa Jacob in St. Gallen.

Das 3600 Tonnen schwere Bauwerk ist diese Woche einfach davongerutscht. Möglich gemacht haben es hydraulische Pressen. Millimeter um Millimeter haben sie die Villa auf Schienen vorwärts geschoben und so vor einem grausamen Ende bewahrt. Was unweigerlich zur Frage führt: Was könnten diese Wundermaschinen sonst noch bewirken?

Stationäre Hydraulikpressen könnten das Parkplatzproblem endlich beseitigen. Vorbei die Zeiten ärgerlicher Parklücken. Wer mit seinem Auto nicht richtig aufschliesst, wird automatisch an die nächste Stossstange geschoben.

Auch das Problem der Zersiedelung wäre auf einen Schlag gelöst. Die Baudepartemente würden Einfamilienhäuser im Siedlungsbrei und die Bausünden auf der grünen Wiese einfach zurück in die Stadtzentren pressen.

Und wer Häuser verschiebt, kann auch ganze Städte versetzen. Die Thurgauer sollten Konstanz über die Grenze nach Kreuzlingen drücken und eine Freihandelszone einrichten. Der Einkaufstourismus wäre ein Ärgernis von gestern.

Michael Genova

michael.genova@ostschweiz

-am-

sonntag.ch