Die Weinbranche atmet auf

In den Rebbergen hat sich die Situation entspannt. Die Kirschessigfliege bleibt zwar kurz vor den grossen Ernten aktiv, die Lage ist aber unter Kontrolle. Die wegen des Schädlings gegründete Task-Force bleibt jedoch weiterhin bestehen.

Silvan Meile
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In der Weinbranche macht sich Erleichterung breit. «Die Situation mit der Kirschessigfliege hat sich entschärft», sagt Beat Hedinger, Geschäftsführer des Branchenverbands Schaffhauser Wein. Die Stimmung sei besser als noch vor zweieinhalb Wochen, berichtet er am Rande der Task-Force-Sitzung Kirschessigfliege in Neuhausen. Zum zweitenmal trafen sich gestern mehr als 30 Experten aus zahlreichen Deutschschweizer Kantonen, dem Fürstentum Lichtenstein und Süddeutschland. Sie tauschten sich über ihre Erfahrungen seit ihrer ersten Zusammenkunft vor zweieinhalb Wochen aus.

Keine grossflächigen Ausfälle

«Der Schädling lässt die Branche näher zusammenrücken», sagt Michael Balmer, Betriebsleiter der Rutishauser Weinkellerei in Scherzingen, wo Trauben aus sechs Kantonen gekeltert werden. Man gebe sich Tips und Ratschläge. «Wir ziehen alle am selben Strick», sagt Balmer. Trotz der Bedrohung durch die Kirschessigfliege rechnet er mit einem Spitzenjahrgang des Blauburgunders. Die Winzer müssten einfach die Nerven behalten, während die Trauben noch von der Herbstsonne profitieren, sagt er. Doch je reifer die Trauben, desto beliebter werden sie für die Kirschessigfliege. Diese legt ihre Eier in die reifen Früchte. Daraus schlüpfen Maden, welche die Trauben verfaulen lassen.

Mehr Arbeit in den Rebbergen

Auch Thomas Schmid, Schlattinger Winzer und Weinproduzent, spricht von einer gewissen Erleichterung nach der zweiten Zusammenkunft der Weinbauspezialisten. Es seien keine grossflächigen Ausfälle zu beklagen. Doch er merkt an, dass die Kirschessigfliege mehr Arbeitsaufwand in den Rebbergen verursache. Etwa regelmässigere Kontrolle und Pflege der Pflanzen sowie das Aufstellen von Insektenfallen mit Lockstoffen seien nötig. Aber auch das Ablesen der Trauben verlangt grosse Vorsicht, damit keine befallenen Trauben in die Ernte gelangen.

Wer die empfohlenen Massnahmen umgesetzt habe, habe den Schädling bisher gut überstanden, sagt Markus Leumann, Rebbaukommissär der Kantone Thurgau und Schaffhausen. Nun stehe die Frage im Raum, wie der Kirschessigfliege in Zukunft begegnet werden soll. Dieser Schädling wird die Branche auch im nächsten Jahr beschäftigen, wenn vielleicht auch nicht mehr im gleichen Ausmass.

Ein Entscheid sei an der Sitzung einstimmig gefällt worden: Die aus der Not gegründete Task-Force Kirschessigfliege muss weiter bestehen. Wie sie künftig organisiert ist, bleibt aber offen.