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Streit um Waffenexporte: Diese Waffenschmieden gibt es am Bodensee

Fast nirgends in Europa ist die Dichte von Rüstungsbetrieben so hoch wie rund um den Bodensee. Deshalb ist diese Region stark vom gestrigen Entscheid des Nationalrats zu den Waffenexporten betroffen.
Christoph Zweili

Am Mittwoch hat sich der Nationalrat dafür ausgesprochen, dass das Parlament über die Kriterien zur Bewilligung von Waffenexporten entscheiden soll. Er hat eine Motion der BDP-Fraktion mit 97 zu 82 Stimmen gutgeheissen. Stimmt auch der Ständerat zu, ist nicht mehr der Bundesrat zuständig.

Sollte dem Bundesrat die Kompetenz, in Eigenregie über die Kriterien für Kriegsmaterialexporte zu entscheiden, entzogen werden, hätte dies für die Bodenseeregion Auswirkungen. Denn fast nirgends in Europa ist die Dichte von Rüstungsbetrieben so hoch wie rund um den Bodensee.

Als Gründungsvater gilt Ferdinand Graf von Zeppelin mit seinen Luftschiffen – genutzt im Ersten Weltkrieg zur Aufklärung und später auch zur Bombardierung. In der Folge siedelten sich Luftfahrzeug-Motorenbauer und dann Rüstungsbetriebe rund um Friedrichshafen an. Als die Siegermächte dem Deutschen Reich nach den verlorenen Krieg die Rüstung untersagten, wanderten die Waffenschmieden in die nahe Schweiz ab, wo sie ihr Geschäft weiter betrieben. Das Nazi-Regime mit seiner gewaltigen Aufrüstung brachte Friedrichshafen nach 1933 einen zweiten enormen Aufschwung.

In der Nacht vom 27. auf den 28. April 1944 wurde die Rüstungsstadt, die im Zweiten Weltkrieg elfmal bombardiert worden war, erneut das Ziel eines Angriffs der Alliierten. Insgesamt kamen bei diesen Angriffen rund 1000 Menschen um. Die Innenstadt wurde komplett zerstört, die Waffenproduktion ging aber weiter. «Das Fachpersonal und das Wissen blieb in der Region», sagt Lothar Höfler aus Lindau. Der studierte Maschinenbauer war 14 Jahre selber in der Rüstungsindustrie tätig, heute engagiert er sich bei der Friedensinitiative «Keine Waffen vom Bodensee».

20 Rüstungsfirmen, ein Dutzend Zulieferbetriebe

Rund 20 grössere Firmen residieren heute in Kreuzlingen, Friedrichshafen oder Lindau, dazu kommen noch mindestens ein Dutzend Zulieferbetriebe, stellt die Initiative fest. Sie spricht vom «schmutzigen Hinterhof des Bodensees», den sie seit Jahren akribisch genau beobachtet und auf ihrer Homepage dokumentiert. Es sind schwere Rüstungsgüter, für die wesentliche Bauteile um den See entwickelt und produziert werden: Lenkantriebe, Panzer, Lenkwaffen, Sprengkörper, Munition, militärische Satelliten, Hightech-Radarsysteme, Nachtsichtgeräte oder Sturmgewehre.

(Bild: Infografik)

(Bild: Infografik)

Der Wohlstand im Bodenseekreis, der sich von Überlingen bis Friedrichshafen erstreckt, ist eng verknüpft mit den Rüstungsbetrieben, die Tausende von Mitarbeitenden beschäftigen. Diehl Defence mit Sitz in Überlingen etwa, rechnet im laufenden Jahr mit 2480 Mitarbeitenden mit 490 Millionen Euro Umsatz. Die Initiative «Waffen vom Bodensee» kommt auf über 7000 Arbeitsplätze direkt in der Rüstung, wenn sie alle Arbeitsplätze am See zusammenzählt.

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