Die Trauben mögen es heiss

Ostschweizer Rebbauern freuen sich über die Hitzewelle der vergangenen Wochen: Die Trauben gedeihen prächtig. Ob es dieses Jahr für einen Spitzenwein reicht, hängt aber noch von weiteren Faktoren ab.

Marion Loher
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Noch am Anfang der Reife: Blauburgundertrauben. (Bild: pd)

Noch am Anfang der Reife: Blauburgundertrauben. (Bild: pd)

«Tiptop.» So sehen die Trauben gemäss Michael Polich im Thurgau derzeit aus. Polich ist beim Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg verantwortlich für die Reben und die Kelterung. Das heisse und sonnige Wetter der vergangenen Wochen lässt die Trauben, die noch am Anfang ihrer Reife stehen, prächtig gedeihen. Im Vergleich mit dem zehnjährigen Durchschnitt dürften sie etwa eine Woche voraus sein, schätzt Polich.

«Etwas Regen braucht es»

Einzig bei einigen Jungreben gebe es erste Anzeichen von Wassermangel. Hier muss mit Bewässern nachgeholfen werden. Ältere Rebstöcke hingegen hätten tiefe Wurzeln und würden so über die im Boden gespeicherte Feuchtigkeit versorgt.

Trotzdem: Ganz ohne das Nass von oben kommen auch die Trauben langfristig nicht aus. «Für ein gesundes Wachstum und eine gute Reife braucht es zwischendurch etwas Regen», sagt der Experte. Und den dürfte es gemäss Wetterprognosen in den nächsten Tagen auch hin und wieder geben.

Vielleicht ein Spitzenjahrgang?

Im Kanton St. Gallen ist man mit dem Start in die Weintraubensaison ebenfalls zufrieden. «Die Reben haben es gerne heiss, das trockene Wetter schadet ihnen nicht», sagt Markus Hardegger, Leiter Weinbau am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. «Ich bin in engem Kontakt mit den Winzern und gehe auch immer wieder bei ihnen vorbei. Ich muss sagen: Die Trauben sehen wirklich sehr schön aus.» Das kann auch Kaspar Wetli bestätigen. Der Önologe des Bernecker Winzerunternehmens Schmid Wetli AG sagt: «Geht es in diesem Stil weiter, haben wir im Herbst ein sehr gutes Ergebnis.» Vielleicht gar ein Spitzenergebnis? Wetli lacht. Um diese Frage mit Ja beantworten zu können, sei es noch zu früh, sagt er. Das hänge vor allem vom Wetter bis im September ab.

Hagel beispielsweise könnte den Rebbauern die Ernte vermiesen. Und dann ist da noch die Kirschessigfliege, die den Winzern im vergangenen Jahr das Leben schwer machte. «Bislang macht sie uns keine Probleme», sagt Markus Hardegger vom Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Die Trauben seien allerdings auch noch nicht reif, böten kein Futter für den Schädling. «Wir sind dieses Jahr aber gewappnet, haben verschiedene Vorkehrungen getroffen», sagt Hardegger. So sind beispielsweise Fallen aufgestellt worden, mit denen die Kirschessigfliegen gefangen werden. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Schädling wieder zuschlägt.

Die Voraussetzungen stimmen

Bei den weissen Trauben wird von der Blüte bis zur Ernte mit 110 Tagen gerechnet, bei den roten mit 130 Tagen. Die einen dürften also ab dem 20. September reif sein, die anderen ab Anfang Oktober. «Der Fahrplan stimmt», sagt Hardegger. «Die Voraussetzungen sind ideal und lassen auf einen sehr guten Wein hoffen.»