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«Die Tomatenproduzenten sind Opfer ihres eigenen Erfolgs»

Philipp Trautzl ist Berater für Gemüsebau am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg im thurgauischen Salenstein. Im Interview sagt er, mit welchen Problemen die Gemüse- und Obstbauern aktuell zu kämpfen haben.
Interview: Sandro Büchler

Thurgauer Bauern sitzen auf Bergen von Tomaten. Wie kommt es dazu?

Daran ist paradoxerweise der sonnige Frühsommer schuld. Die rechnerisch einkalkulierten Ausfälle, die es in normalen Jahren gibt, wurden dieses Jahr geerntet und sorgen jetzt für ein Überangebot. Zudem sind zurzeit viele Konsumenten in den Ferien. Die Situation im Ausland ist ähnlich, deshalb kann man die Tomaten auch nicht exportieren. Bei den aktuellen Preisen lassen sich nicht einmal die Transportkosten decken.

Seit einer Woche gilt im Kanton Thurgau ein Wasserentnahmeverbot. Wer kein Wasser aus dem Bodensee, dem Rhein oder einer Quelle beziehen kann, dem vertrocknen die Gemüsekulturen.

Die Gemüseproduzenten können bei der Gemeinde Trinkwasser zur Bewässerung beantragen, damit sie einen Hydranten anzapfen dürfen. In den letzten Tagen haben einige Thurgauer Bauern danach gefragt. Allerdings sind die Kosten dafür hoch. Sie bezahlen den vollen Trinkwasserpreis, in einigen Fällen müssen die Produzenten zusätzlich ein Leitungssystem bauen. Bei den Gemeinden geht aber die Trinkwasserversorgung vor, deshalb können die Gesuche der Bauern nicht in jedem Fall bewilligt werden.

Gibt es aufgrund der trockenen Witterung ähnliche Probleme bei den Strauchbeeren?

Nein. Beeren werden in einem mehrjährigen Betrieb produziert. Während Strauchbeeren aufgrund der tieferen Wurzeln auch tieferes Bodenwasser längere Zeit nutzen können, benötigt Gemüse eine grossflächige und regelmässige Bewässerung. Die Wasserknappheit wirkt sich deshalb nur beim Gemüse so stark aus. Der Gemüseanbau ist zudem saisonal unterschiedlich und wird jeweils erst im Frühling geplant. In diesem Jahr haben die Tomatenproduzenten hervorragende Erträge. Jetzt werden sie quasi Opfer ihres eigenen Erfolgs.

Welche Gemüsesorten leiden unter der Wasserknappheit und dem seit letzten Freitag verhängten Wasserentnahmeverbot?

Insbesondere Gemüse, das kürzlich neu gepflanzt wurde: Salat und Lagergemüse, aber auch Rüebli, Sellerie und Fenchel. Ohne Wasser beginnen diese gar nicht erst zu wachsen und die Setzlinge vertrocknen auf dem Feld. Wie gehen Obstbäume und Traubenreben mit der Trockenheit um? Diese sind tiefer verwurzelt und können so Wasserreserven in grösserer Tiefe erreichen. Beim Obst erwarten wir eine gute Ernte. Die meisten Betriebe liegen in Reichweite des Bodensees und können so Wasser in die Anlagen fahren. Dadurch kann eine Notreife beim Kernobst verhindert werden. Auch bei den Trauben wirkt sich das warme Wetter positiv auf den Zuckergehalt aus. Die Anzeichen deuten auf einen guten Weinjahrgang 2018 hin.

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